Agnes Keleti feiert heute 100. Geburtstag. FOTO: AFP
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Agnes Keleti feiert heute 100. Geburtstag. FOTO: AFP

Ein Jahrhundert

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(sid). Ein Jahrhundert, ein Leben! Wenn Agnes Keleti am Samstag ihren 100. Geburtstag feiert, lässt sie immer noch diesen augenzwinkernden Humor erkennen, der sie ein Leben lang auszeichnete. "Ich fühle mich jung, weil ich nicht in den Spiegel schaue. Das ist mein Trick", sagt die in Budapest geborene einstige Ausnahmeturnerin, mittlerweile die älteste noch lebende Olympiasiegerin.

Gesegnet durch ein langes Leben - das ist für die Ungarin bis heute das größte Geschenk. Und weitaus bedeutender als ihre fünf Goldmedaillen, die sie zur bislang erfolgreichsten jüdischen Sportlerin in der olympischen Geschichte machen. Überboten nur durch Schwimmer Mark Spitz bei den Männern, der sogar neunmal Olympiasieger war.

Dabei war das Leben Keletis in den Wirren des Zweiten Weltkriegs in großer Gefahr. Nach der Besetzung Ungarns durch Nazi-Deutschland 1944 entging die damals 22-Jährige dem Konzentrationslager nur dadurch, dass sie die Identität eines nicht-jüdischen Mädchens annehmen und unerkannt als Dienstmagd auf einem Bauernhof arbeiten konnte.

"Ich sah dem Mädchen, das Piroschka hieß, schon ähnlich. Aber ich musste auch so sprechen, wie sie gesprochen hatte, und das war schwer", erinnert sich Keleti. Sie blieb unerkannt und am Leben, doch ihr Vater und weitere Verwandte starben in Auschwitz.

Eine Verletzung verhinderte Keletis geplantes Olympiadebüt 1948 in London. Bei den Spielen von Helsinki 1952 und Melbourne 1956 dominierte sie mit bereits über 30 Jahren die olympischen Kunstturn-Wettbewerbe mit insgesamt fünf Gold-, drei Silber- und zwei Bronzemedaillen.

Und weil sich die Horrormeldungen aus der Heimat über den ungarischen Volksaufstand gegen die sowjetische Besatzungsmacht häuften, reihte sich die hochdekorierte Athletin in eine Gruppe von 40 Olympiateilnehmern aus Ungarn ein, die in Australien nach dem Ende der Spiele um politisches Asyl baten.

Ihren endgültigen Frieden fand Keleti erst ein Jahr später, als sie sich in Israel niederließ, heiratete und zwei Kinder bekam. Ihre Wettkampfkarriere war vorbei, aber sie arbeitete mit großem Engagement 29 Jahre lang als Trainerin.

Keletis Begeisterung für das Kunstturnen speiste sich allerdings nicht ausschließlich aus der großen Begabung für diese kompositorisch so herausfordernde Sportart. "Ich habe auch geturnt, weil ich etwas von der Welt sehen und viel über mich lesen wollte", sagte sie in einem AFP-Interview.

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