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Ruder-Weltmeister Oliver Zeidler empfindet 20 000 Euro Siegprämie als zu gering. IMAGO

Im unteren Drittel

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(sid). 20 000 Euro für einen Olympiasieg? Zumindest Ruder-Weltmeister Oliver Zeidler findet die Prämien für Gold in Tokio eher mau. »20 000 Euro ist wirklich ein bisschen peinlich«, sagte Zeidler jüngst beim »Presseclub« in München über die ausgelobte Belohnung der Stiftung Deutsche Sporthilfe und forderte forsch: »Da kann man mindestens eine Null dranhängen«.

Schließlich sei Deutschland ein reiches Land, sagte Zeidler, der anders als Fußballer von seinem Sport kaum leben kann. Doch die Belohnung für eine Medaille ist seit 2014 unverändert: Für Gold gibt es 20 000, für Silber 15 000 und für Bronze 10 000 Euro. 2016 in Rio schüttete die Sporthilfe etwa 2,5 Millionen Euro an die Medaillengewinner aus, auch die Athleten bis zu Platz acht (1500 Euro) bekommen Geld.

Im internationalen Vergleich liegt Deutschland mit seiner Prämienregelung eher im unteren Bereich. Singapur zahlt einem Olympiasieger oder einer Olympiasiegerin in einer Einzelsportart sogar eine Prämie von einer Million US-Dollar (ca. 850 000 Euro). Diesen »Jackpot« knackte in der Geschichte des Landes bislang nur Schwimmer Joseph Schooling, der 2016 in Rio über 100 m Schmetterling Michael Phelps bezwang.

In Indonesien gibt es umgerechnet immerhin 631 000 Euro für Gold, in Kasachstan 211 000 und in Italien noch immer üppige 150 000 Euro. In den USA wird es mit 31 000 Euro schon bescheidener. In Polen gibt es als »Bonus« eine lebenslange, steuerfreie Rente, in Litauen ein Auto.

Deutschland liegt im Ranking zwar vor Kanada (12 700 Euro), aber insgesamt dennoch im unteren Drittel. Das hat indes auch logische Gründe: Anders als in anderen Ländern fließt viel Geld in die berufliche Absicherung der Sportler, die oft bei der Bundeswehr oder dem Zoll beschäftigt sind. Wer zwei oder mehr Goldmedaillen holt, wird übrigens nur einmal ausbezahlt. Auch als Mannschafts- oder Staffelsportler gibt es weniger.

Ohnehin soll bei Olympia, so wünscht es sich IOC-Präsident Thomas Bach, das Streben nach Geld nicht im Vordergrund stehen. »Wenn jemand Leistungssportler wird, um durch einen Olympiasieg ausgesorgt zu haben, dann würde ich ihm - flapsig gesprochen - eher empfehlen, zur Lotto-Annahmestelle zu gehen«, hatte der IOC-Präsident schon vor den Sommerspielen in Rio gesagt.

Am Ende geht es schließlich auch um die Ehre und ein kleines Stück sportlicher Unsterblichkeit. Und natürlich um Medaillen. Gold macht allerdings auch hier keinen der Sportler reich. Streng genommen ist das runde Stück für die Olympiasieger nämlich nur eine Silbermedaille, die mit sechs Gramm Gold überzogen ist. Der materielle Wert: 470 Euro.

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