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"Ich bin kein Star. Ich bin Alex"

  • vonred Redaktion
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In Frankfurt wird Alexander Meier als "Fußballgott" verehrt. Die Vereinsikone kehrt zurück, um bei der Eintracht als Individualtrainer zu arbeiten. Im Interview spricht der 35-Jährige über seine lange Karriere und Menschen, die ihn begleitet haben.

Alexander Meier (35) hat einen langen Weg zurückgelegt, bis er in Frankfurt in den Olymp gehoben und zum "Fußballgott" erkoren wurde. 2004 kam der Norddeutsche zur Eintracht - er, der Leisetreter, der Lulatsch, der so schüchtern und verschlossen wirkte. Niemand ahnte damals, dass dieser Bursche 14 Jahre später als Publikumsliebling, Identifikationsfigur und Klubikone den Verein vorübergehend verlassen sollte. Im Interview blickt der Ex-Kapitän, der im Januar seine Karriere beendet hat, auf seine lange Laufbahn zurück. Meier wird nach Corona zur Eintracht zurückkehren und im Jugendbereich seine Sporen verdienen. Er soll Individualtrainer für die Stürmer werden.

Herr Meier, Corona hat die Welt fest im Griff, wie verbringen Sie ihre freie Zeit?

Ich bin in meiner Heimat, oben in Buchholz bei meinem Vater. Ich gehe täglich joggen, manchmal sogar zweimal am Tag, abends mit meinem Vater. Normalerweise begleitet mich Alf (sein Golden Retriever; Anm. d. Red.) immer, aber er ist leider verletzt, hat etwas am rechten Bein. Alf muss erst mal pausieren und zum Physio (lacht). Mehr kann man ja nicht machen, Tennis oder Fußball ist ja nicht erlaubt.

Fehlt Ihnen der Fußball generell, nachdem Sie ja vor wenigen Monaten in Australien Ihre lange Karriere beendet haben?

Der Zeitpunkt, Schluss zu machen, war einfach gekommen. Das habe ich in Australien gemerkt. Es wurde für mich immer schwieriger, die Witterung, die Hitze hat mir zu schaffen gemacht. Und wenn es dir körperlich schwerer fällt, dann lassen auch die Motivation, die Leidenschaft und die Lust nach. Das war bei mir der Fall. Und ich habe ja immer gesagt, ich höre auf, wenn es körperlich nicht mehr geht und ich den Spaß verliere. Ich bin froh, dass in Sydney beides zusammenkam. So war es dann doch ein perfekter Zeitpunkt, der Abschied vom Fußball ist mir am Ende also relativ leicht gefallen.

Das war in Frankfurt noch anders, als Sie 2018 keinen Vertrag mehr bekammen.

Weil ich unbedingt noch spielen wollte und mich gut gefühlt hatte. Wenn ich damals aufgehört hätte, hätte ich das wahrscheinlich lange mit mir herumgetragen und immer gedacht: "Alex, du hättest noch zwei Jahre spielen können." So war das alles in Ordnung, Australien war noch mal ein Abenteuer zum Abschluss, und die Zeit bei St. Pauli vorher war auch cool, das hat gepasst, es war super und hat Spaß gemacht.

Ihre Karriere hat 2004 bei der Eintracht so richtig begonnen. Können Sie sich noch an die Anfangstage erinnern?

Natürlich, auch an das erste Spiel, das war auf dem Aachener Tivoli.

Erzählen Sie mal.

Wir hatten eine neue, junge Mannschaft zusammen, mussten uns erst finden. Die Alemannia war uns total überlegen, zur Halbzeit dachte ich, wir kriegen hier fünf Dinger. Aber dann kam es anders, ich habe mein erstes Tor gemacht, wir lagen 1:0 in Führung, aber kurz vor Schluss hat Aachen noch ausgeglichen.

Es hat sich ja relativ schnell eine Freundschaft zu Benjamin Köhler entwickelt.

Ja, wir waren gleich zusammen auf einem Zimmer, was sich auch nie mehr geändert hat. Daraus ist eine tiefe Freundschaft entstanden. Aber die Mannschaft damals war sowieso super, es gab einen guten Mix aus jungen und alten Spielern, da waren richtig coole Typen dabei: Markus Weissenberger, Stefan Lexa oder Alex Schur. Schui hat sowieso den ganzen Laden zusammengehalten.

Und als Trainer der ewige Friedhelm Funkel. Was ist er für ein Typ?

Friedhelm ist einfach ein super Mensch, total auf dem Boden. Und sein Training war auch klasse, gute alte Schule. Er hat in den fünf Jahren mehr als das beste aus den jeweiligen Mannschaften herausgeholt. Aber das war ja eh eine ganz andere Zeit, damals gab es keine Videositzungen, Gegneranalysen oder so was.

Wann begann denn Ihr persönlicher Aufstieg in den Rang des Fußballgottes?

Ich glaube, da spielte der Abstieg 2011 eine Rolle. Danach habe ich gleich gesagt: "Ich mache mich hier nicht vom Acker, sondern bleibe da und versuche, den Karren wieder aus dem Dreck zu ziehen." Ich glaube schon, dass die Menschen das honoriert haben.

Und Armin Veh hat Ihnen Vertrauen geschenkt. Welche Rolle spielte er?

Unter Armin Veh habe ich definitiv den größten Sprung gemacht, als Fußballer, aber auch als Mensch. Er hat mir Verantwortung gegeben, mich gestärkt, und als sich Pirmin (Spielführer Schwegler; Anm. d. Red.) im Trainingslager den Zeh gebrochen hat, hat Veh mich zum Kapitän gemacht. Das hat mir einen großen Schub und Selbstvertrauen gegeben. Ich wurde von einem Jugendspieler zum Erwachsenen, zu einem richtigen Profi. Armin Veh war ein super Trainer, ich habe ihm sehr viel zu verdanken.

Unter Veh ist die Eintracht als Aufsteiger in die Europa League gestürmt. Es war, wenn man so will, der Startschuss zu diesen europäischen Glanzlichtern, die bis heute andauern.

Wir hatten damals eine richtig gute Truppe: Rode, Schwegler, Inui, Aigner, hinten Jung, Zambrano, Bamba Anderson, Trapp im Tor - es war kein Zufall, dass wir lange Zeit ganz weit oben standen.

Am Ende hat es für die Europa League gereicht, welche Erinnerung haben Sie daran?

Vor allem an die Reise nach Baku, das war neu und aufregend für uns, etwas ganz Spezielles.

Worin lag Ihre Popularität begründet? Es wurde ja sogar ein Lied für Sie geschrieben.

Ich weiß es nicht, mir war das manchmal sogar ein bisschen unangenehm. Ich bin ja einfach so geblieben, wie ich immer war. Ich habe mich nie als etwas Besonderes gesehen. Ich bin kein Star. Ich bin Alex. Ich freue mich, wenn ich nach Frankfurt komme und die Leute sich freuen, mich zu sehen, sie sind nett zu mir. Ganz so blind war ich dann vielleicht doch nicht (lacht).

Ihr Abschied, der unter Niko Kovac eingeleitet wurde, hat Sie geschmerzt. Sind die Wunden verheilt?

Natürlich war ich ein bisschen traurig und enttäuscht, das ist aber nach 14 Jahren ganz normal. Jetzt ist alles gut, und ich freue mich sehr, wieder zur Eintracht zurückzukehren. Wir waren unter Niko Kovac sehr erfolgreich. Ich hatte persönlich nie ein Problem mit ihm. Er ist ein guter Trainer. Da ist gar nichts hängengeblieben.

Und dann gab es ja noch diesen magischen Moment, als Sie, gerade eingewechselt nach langer Verletzung, gegen den HSV ihr letztes Tor für die Eintracht geschossen haben und erwachsene Menschen auf der Tribüne geweint haben.

Das werde ich niemals in meinem Leben vergessen. Ich haue den Ball rein, und auf einmal fühlte es sich an, als würde das Stadion explodieren, die Menschen lagen sich in den Armen, es war so unglaublich laut. Das war der blanke Wahnsinn. Im Nachhinein gibt es eigentlich keinen schöneren Abschied als diesen.

FOTO: DPA

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