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Löw hat Fehler benannt und eingestanden. Aber warum erst jetzt? Und warum hat er sie überhaupt gemacht? Einziges Konsequenzchen: Co-Trainerchen Schneider wird auf ein neues Stühlchen gesetzt. Und so weht statt des erhofften frischen Windes nur ein laues Lüftchen. Ein "Neuanfängchen" nennt es der Kicker. "Der Bundeskanzler badet gerne lau", hat ein Meister des bösen Wortes einmal gesagt und damit die Republik verändert. Dem Bundestrainer aber sitzt kein Wehner im Nacken.

Von GW

Löw hat Fehler benannt und eingestanden. Aber warum erst jetzt? Und warum hat er sie überhaupt gemacht? Einziges Konsequenzchen: Co-Trainerchen Schneider wird auf ein neues Stühlchen gesetzt. Und so weht statt des erhofften frischen Windes nur ein laues Lüftchen. Ein "Neuanfängchen" nennt es der Kicker. "Der Bundeskanzler badet gerne lau", hat ein Meister des bösen Wortes einmal gesagt und damit die Republik verändert. Dem Bundestrainer aber sitzt kein Wehner im Nacken.

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Erst die EM, dann die WM vergeigt. Dazwischen der Confed-Cup, Augenwischerei wie jetzt die Nations League. Nur wer von den großen Fußball-Nationen bei den echten Meisterschaften versagt, nimmt danach eines dieser beiden Wettbewerbchen ernst. Löw sogar beide, notgedrungen. Für die nächste EM wird die Nations League so viel aussagen wie vorher der Confed-Cup für die WM.

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Einen Titel hat der DFB doch noch gewonnen. Mit seinem WM-Motto "Best never rest" wurde er zum "Sprachpanscher des Jahres" gekürt. Nicht zur Auswahl stand "#zsmmn", denn damit hat der DFB keine Wörter gepanscht, sondern nur in der Buchstabensuppe geplanscht.

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Ich hätte "PotAS" gewählt, diese neue Ausgeburt im Wörterbuch des sportlichen Unmenschen. Die PotAS-Kommission entscheidet mit ihrem "Potenzial-Analyse-System", welche Sportart wie viele der 200 Millionen Euro bekommt, mit denen der Staat jährlich den Spitzensport fördert. Im PotAS des Wintersports steht, natürlich, Schlittenfahren auf Platz eins. Natürlich, weil die PotAS-Rangliste fast deckungsgleich mit dem Medaillenspiegel ist. Für diesen und für PotAS schlage ich den Hashtag #ptthsslch vor. Potthässlich.

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In den 200 Millionen ist nicht einmal der Sold unserer Bundeswehrsportler enthalten. Andererseits: In diesen irren Zeiten zahlt Deutschland in der Fußballer-Währung für seinen gesamten Spitzensport nur einen Neymar. Sehr preiswert.

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Dass PotAS zu den latenten Doping-Verführern gehört, werden seine Erfinder und Anwender genauso vehement bestreiten wie sie dementieren, der Name des Kommissions-Vorsitzenden sei Pontius Pilatus.

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In diesem Zusammenhang: Fast "untergegangen ist, dass unsere Kanuten ihre Dopingkontrollen z. T. selbst bezahlen sollen! Die müssen doch, wenn man andere Sportarten sieht, für ihren Sport noch Geld mitbringen, und keiner regt sich auf", schreibt mir Karin Scheunemann, der gute Geist der Wetterauer Leichtathletik. Sie ärgert auch, "dass eines der ärmsten Länder Afrikas, Ruanda, den FC Arsenal mit 34 Millionen sponsert". Fassungslos war sie zudem, als in unserer Wetterauer Ausgabe "ungetrübt von Fürsorge und Pädagogik" über das "Leben eines Wunderkindes" berichtet wurde, eine Achtjährige, die sechs Mal in der Woche vier Stunden täglich trainiert. "Kinderarbeit" sei das, so Karin Scheunemann, "und keiner sagt was". – Was mich an ihrer Kritik beschämt: Sie spricht "meine" ureigenen Themen an, zu deren aktuellen Fällen auch ich bisher nichts gesagt habe.

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Eines meiner ureigensten Themen hieß "Ulle". Mittlerweile bin ich kuriert. Nicht, dass ich rein sportlich etwas zurücknehmen müsste. Er hat ja tatsächlich, so simpel es klingen mag, keinen einzigen Konkurrenten betrogen. Aber die letzten Wochen haben mein Sympathie-Wunschbild vom braven, lieben, schüchternen und im Grunde vorbildlich fairen Sportler gründlich demoliert. Zumal ich gerade erst wieder gelesen habe (Spiegel- Interview mit der selbst betroffenen Neurowissenschaftlerin Barbara Lipska), dass aggressive und gewalttätige Ausfälle, die bei psychischen Veränderungen (bei ihr durch einen Tumor, möglich aber auch durch Drogenmissbrauch) auftreten können, nicht außerhalb der Persönlichkeit liegen müssen, sondern dass da im limbischen System etwas ausbrechen kann, was zuvor vom Frontalhirn kontrolliert worden war.

Wenn bei mir das Frontalhirn versagt, platzen ganz andere Peinlichkeiten heraus. "Herr Beckenbauer nennt sein Schwanzl / beim Vorspiel Kaiser, später Franzl." Upps, jetzt ist es passiert. Gelesen in "Kleinhirn an alle", der Autobiografie von Otto Waalkes, der den Kalauer bei einem "für beide Seiten eher enttäuschenden Auftritt im Rahmen der Weihnachtsfeier des FC Bayern München" vortrug. Sein Pech: "Die eine Hälfte der Anwesenden verstand kaum Deutsch, die andere keinen Spaß."

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Und dann war da noch die "schöne Maid", mit der die Bundeskanzlerin im Senegal empfangen wurde. Keine Angst, liebe Leserinnen, es folgt kein ungebührlicher Kommentar. Mir geht es nur um den alten Tony-Marshall-Hit, in dem nicht nur "tralala und hopsasa" gesungen, sondern auch Undefinierbares reingekräht wird, was klingt wie "U jappel du / jappel dappel du." Ich surfte googelnd durch alle Internet-Weltmeere, fand aber keine Aufklärung. Nur der "Erdbeerschorsch" (= Erzbischof) tauchte wieder auf, der "Eichhörnchensheriff" von Eric Clapton ("I shot the sheriff") ebenfalls, und natürlich auch Sam the Sham & the Pharaos, die in "Wooly Bully" auf gut Hessisch einen gewissen "Walder" auffordern: "Mach die Dür zu!"

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Im Senegal spielten sie für Angela Merkel nicht nur "Schöne Maid", sondern auch die Nationalhymne. Manche wollen rausgehört haben: "Heiterkeit und recht viel Freizeit für das deutsche Vaterland" ... jetzt aber Schluss! Gerhard, mach die Dür zu! U jappel du ... (gw)

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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog "Sport, Gott & die Welt" / Mail: gw@anstoss-gw.de)

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