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Ich weiß nicht, wer heute gewinnt. Ich weiß auch nicht, ob der Sieger Meister wird, wie alle deutsche Fußball-Welt glaubt, vorneweg Uli Hoeneß (der allerdings den Bayern-Sieg voraussetzt, weil nicht sein kann, was nicht sein darf). Ich weiß nur, dass keine neun Tore fallen werden wie in dem wundersamen Pokalspiel. Aber ... wer weiß?

Von GW

Ich weiß nicht, wer heute gewinnt. Ich weiß auch nicht, ob der Sieger Meister wird, wie alle deutsche Fußball-Welt glaubt, vorneweg Uli Hoeneß (der allerdings den Bayern-Sieg voraussetzt, weil nicht sein kann, was nicht sein darf). Ich weiß nur, dass keine neun Tore fallen werden wie in dem wundersamen Pokalspiel. Aber ... wer weiß?

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Nichtssagend? Schwammig, sich nicht festlegend, vom Anlass überfordert, konturenlos, ums eigene Mittelmaß kreisend? Mag sein. Aber hier geht es nicht um mich, sondern um den Ex-DFB-Boss, jenen Mann, von dem womöglich nur ein Verb bleiben wird, das Obiges zusammenfasst: grindeln.

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Leid tut er mir dennoch. Per Zufall in ein Amt geraten, für das er nicht geschaffen ist und in dem nicht nur er sich selbst, sondern so mancher in seiner Umgebung ihm Bein um Bein gestellt hat. Gestürzt ist Grindel wie einst Al Capone. Wegen einer Lappalie. Beim Gangsterboss eine vergleichsweise läppische Steuerhinterziehung von 200 000 Dollar. Beim DFB-Boss eine Uhr. Sogar nur eine Fake-Rolex. Andere schmuggeln echte Rolex-Uhren, hinterziehen Millionen und sitzen dennoch fester denn je im bayerischen Sattel.

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Nebenbei: Wussten Sie, woher das Wort »Geldwäsche« kommt? Von Al Capone. Der hatte das ergaunerte Geld in Waschsalons investiert. Heute heißen diese Waschsalons nicht mehr Waschsalons, sondern ... ich bin doch nicht lebensmüde!

Das Grindeln von Grindel. Nicht zu verwechseln mit dem Grindern des Grinders. Dieser muss die Segel der Milliardärs-Sportyachten setzen, trimmen und einholen, indem er wie wild stundenlang am »coffee-grinder« (Kaffeemühle) dreht. Eigentlich ein idealer Job für Frauen, aber deren Grinder-Talent ist verschütt gegangen, seit der Kaffee nicht mehr per Hand gemahlen wird.

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Ui. Vorsicht. Selbst eine solche Lorke von Witzchen, dünnster kalter Kaffee, könnte heutzutage Kopf und Kragen kosten. Denn die Kaffeemühle ist wahrscheinlich ebenso »ein Symbol der Unterdrückung der Frau wie der Lippenstift, der Kochlöffel und der Ehering« (Ex-Bildungsministerin Annette Schavan). Und natürlich wie das Kopftuch. Um das wird wieder heiß diskutiert, Anlass ist eine Ausstellung muslimischer Mode in Frankfurt.

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Warum die Aufregung? Meine Mutter kannte ich nur im hessischen Tschador, Kopftuch plus Kittelschürz. Da fällt mir ein Albtraum ein, der mich in frühe Handballjahre zurückbeamte. Ich warf ein Tor, das aber annulliert wurde. Weil eine gegnerische Spielerin (!) erfolgreich protestierte. Eine Frau, die Kopftuch und Kittelschürze trug und nur zwanzig Zentimeter groß war. Ich kannte sie gut. Ihr Protestgrund: Laut IHF-Regel dürfe ein Sohn kein Tor werfen, der mehr als einen Meter größer ist als seine Mutter.

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Andere Ausstellung, ebenfalls heiß diskutiert. Bonn zeigt Kunst, die sich mit Michael Jackson beschäftigt. Vor allem anlässlich eines neuen Dokumentarfilms (»Leaving Neverland«, heute/20.15 Uhr auf ProSieben) kommt die Forderung auf, man solle Jacksons Songs verbieten und nicht mehr spielen. Ich zappe schon seit vielen Jahren sofort zum nächsten Radiosender, wenn ein Michael-Jackson-Titel kommt. Seit den ersten und schon damals glaubwürdigen Berichten »boykottiere« ich ihn nicht, das ist mir viel zu hoch gegriffen. Mir wird seit damals einfach nur schlecht, wenn ich ihn höre. Aber bitte kein Boykott-Gebot. Jeder wie er möchte.

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Auch bei Robbie Williams schalte ich sofort ab oder um, seit ich gelesen habe, wie er einen weiblichen Fan auf die Bühne holte und das schamrote Mädchen mit brummsdummen Macho-Witzchen bloßstellte (»Diese großen Augen!!!«). Auch hier, anders als bei Kants kategorischem Imperativ, handle ich nach meinem Gefühl, aber fordere nicht, es zum allgemeinen Gesetz zu machen.

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Dritter Veranstaltungs-Hinweis. Der hat ebenfalls nichts mit Sport zu tun, womit ich heute aber eine befehlsgleiche Bitte meiner liebsten Zielgruppe erfülle, für die in »gw«-Sportkolumnen oft viel zu viel Sport vorkommt. Also: Marc Abrahams, Erfinder des »Ig-Nobelpreises«, stellt am 12. April im Berliner Tempodrom besonders aparte preisgekrönte Forschungen vor. Zum Beispiel die Entdeckung, dass alle Säugetiere genau 21 Sekunden zum Urinieren benötigen (was meine Alterskohorte empirisch nicht unbedingt bestätigen kann).

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Den Ig-Nobel-Preis erhielt 2001 auch der Nachweis, dass doppelt so viele Männer Fusseln im Bauchnabel haben wie Frauen. Grund: Die Fusseln wandern auf einem haarigen »snail trail« (Schneckenspur) nach oben, und Männer haben nun mal den behaarteren Bauch. Seitdem haben sich die »snail trails« allerdings radikal verändert. Glatte Bäuche bei Männlein und Weiblein, wohin man bei freier Sicht auch blickt. Und, wie man so hört, auch bis zum Startort der Schneckenspur. Nur wenige verweigern noch den Trend zur Nacktschnecke.

Wie meine Fussel-Lage ist, will ich Ihnen ... ganz gewiss nicht verraten. (gw)

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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« / Mail: gw@anstoss-gw.de)

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