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Nur 0:0? Nö. Heimspiele sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Die Chancen der Eintracht sind genauso groß wie die von Liverpool in München ... und deutlich größer als die von Ajax in Madrid und ManU in Paris. Außerdem, zwar erschauern die Kommentatoren und angeblich auch die Gegner vor der Wucht der einmaligen Kulisse, doch nüchtern betrachtet ist Frankfurt auswärts kaum weniger erfolgreicher als im eigenen Stadion. Jedenfalls in der Bundesliga (Bilanz: 21 Heim- und 19 Auswärtspunkte). Also: Auf nach San Siro, beim Anpfiff steht es schon 0:0 für "uns".

Von GW

Nur 0:0? Nö. Heimspiele sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Die Chancen der Eintracht sind genauso groß wie die von Liverpool in München ... und deutlich größer als die von Ajax in Madrid und ManU in Paris. Außerdem, zwar erschauern die Kommentatoren und angeblich auch die Gegner vor der Wucht der einmaligen Kulisse, doch nüchtern betrachtet ist Frankfurt auswärts kaum weniger erfolgreicher als im eigenen Stadion. Jedenfalls in der Bundesliga (Bilanz: 21 Heim- und 19 Auswärtspunkte). Also: Auf nach San Siro, beim Anpfiff steht es schon 0:0 für "uns".

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Na ja, liebe Bayern-Fans, so gesehen führt auch Klopp schon 0:0. Aber ihr habt ja Hummels, Boateng und Müller, die werden’s schon richten. Spaß beiseite, hin zu Löw. Die einen loben seine Konsequenz, die anderen rügen den miesen Stil. Aber Konsequenz? Ist Konsequenz konsequent, wenn sie erst nach derart langer Zögerlichkeit kommt? Echte Konsequenz wäre gewesen, wenn Löw sich nach der erbärmlichen WM sofort selbst ausgemustert hätte.

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Natürlich war der Stil mies. Und zwar derart mies, dass ich beinahe sogar einem Tim Wiese zustimmen könnte, der bei irgendeinem Spartensender, auf den ich beim Zappen stieß, raunte, da müsse zwischen den Dreien und Löw noch irgendetwas ganz anderes vorgefallen sein. Hummels, Boateng und Müller, alle in problematischer Spätphase ihrer großen Karriere, nach der Desaster-WM und der schwachen Anfangsphase der Bayern jetzt ohne großes Tamtam nicht zu nominieren (mit der Option, es dabei auch in Zukunft zu belassen), wäre nicht nur akzeptabel gewesen, sondern war fast zwingend nötig. Doch nur mit frühzeitiger, nichtöffentlicher Kommunikation. Aber auf diese miese Tour?

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Und was, wenn Müller mit seinen unbegreiflichen Fähigkeiten wieder aus der Tiefe seines Raumes auftaucht, was, wenn sich Klopp am Bollwerk Hummels/Boateng die teuer sanierten Zähne ausbeißt, was, wenn die drei Geschassten Bayern zum Triple führen, während die Nationalelf patzt? Dann könnte Thomas Müllers Schlusswort in seiner Video-Botschaft greifen: "Das Spiel ist noch nicht aus." Will heißen: Aus ist es zwar, fragt sich nur, für wen.

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Für einen ganz sicher, für den weiter dopenden Doping-Kronzeugen. Aber statt dieser völlig irren Geschichte im komplett verheuchelten Doping-Land eine ganz andere, eine märchenhafte: Die Langläuferin Konstanze Klosterhalfen gilt als deutsches Jahrhunderttalent. Oliver Mintzlaff ist Manager des Fußball-Bundesligisten RB Leipzig. Er kümmert sich auch um Konstanze, denn "so was haben wir in Deutschland noch nicht erlebt". Mittlerweile trainiert sie in Portland, denn in Deutschland sei die Leichtathletik stehen geblieben, in Portland dagegen gehe es "extremst innovativ" zu (Quelle der Mintzlaff-Zitate: FAZ).

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Niemand bezweifelt, dass es in Portland beim berühmt-berüchtigten Nike-Oregon-Project (NOP) "extremst innovativ" zugeht, dafür sorgt schon Alberto Salazar, mit dessen Wissen, Können und Methoden (manche schreiben sie in Anführungszeichen) Mo Farah vierfacher Olympiasieger und Englands Liebling wurde. War auch schon mehrmals Thema an dieser Stelle. Heute nicht. Heute nur die Erfolgsmeldung: Konstanze Klosterhalfen gewann bei der Hallen-EM in Glasgow die Silbermedaille. Siegerin: Laura Muir aus England. Vor einem Jahr verpflichtete Muir einen NOP-Trainer. Als die Zusammenarbeit bekannt wurde, löste sie den Vertrag. Sie wollte nicht im Zwielicht stehen. Und die Moral von der Geschicht: keine.

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Dirk Nowitzki ist über jeden Zweifel erhaben. Einer der größten deutschen Sportler aller Zeiten, ein Sympathieträger im Ausland, wie ihn Deutschland selten hatte. Aber gerade die Ovationen, die er momentan genießt, bringen ihn in die Bredouille. Er will erst nach der Saison entscheiden, ob er noch eine weitere anhängt. Ich vermute: Er würde sehr gerne. Aber jede weitere "standing ovation" bei seiner unerklärten "Abschiedstournee" setzt ihn unter Druck. Kann er nach diesen überwältigenden Verabschiedungen ... einfach weiterspielen?

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Ein großer deutscher Sportler, ein Sympathieträger im Ausland, wie ihn Deutschland selten hatte, einer der Besten seiner Sportart, ein Mann mit Stil und Charakter, nicht abgehoben, freundlich, höflich, demütig im Auftreten und bescheiden ... heißt nicht Dirk Nowitzki. Sondern? Das ist die erste Frage in der "Wer-bin-ich?"-Runde des Jahrgangs 2019. Tipp: Wie im Basketball spielt in der Sportart des Gesuchten die Hand eine wichtige Rolle, aber Nowitzki hat zum Glück nicht dessen Hand-icap. Ein weiteres "Handicap", jedenfalls aus heutiger Fußballer-Sicht, war seine Art, nicht gegen Entscheidungen des Schiedsrichters zu protestieren, sondern ihn im Gegenteil nur auf Fehler zu seinen Gunsten aufmerksam zu machen. Und dennoch saß dieser vorbildliche Mensch mehr als ein halbes Jahr im Gefängnis. Wer ist es? (Einsendeschluss: Montag, 11. März) (gw)

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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog "Sport, Gott & die Welt" / Mail: gw@anstoss-gw.de)

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