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Revierderby. Es spielt ein Titelanwärter gegen den ewigen Rivalen, der eine enttäuschende Saison retten will. Was ein Derbysieg immer tut. Und es gelingt. Nicht erst am Samstag, dem 27. April 2019. Schon am 12. Mai 2007. Kleiner Unterschied: Damals kam Schalke als Tabellenführer, Dortmund gewann. BVB-Fans glücklich, Schalkes Titeltraum geplatzt.

Revierderby. Es spielt ein Titelanwärter gegen den ewigen Rivalen, der eine enttäuschende Saison retten will. Was ein Derbysieg immer tut. Und es gelingt. Nicht erst am Samstag, dem 27. April 2019. Schon am 12. Mai 2007. Kleiner Unterschied: Damals kam Schalke als Tabellenführer, Dortmund gewann. BVB-Fans glücklich, Schalkes Titeltraum geplatzt.

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Es begann mit einem wunderschönen Tor – Sanchos Lupfer, Götzes Kopf(!)ball – und drehte nach dem Elfmeter. Danach gewann Schalke verdient. Ein Sieg des Wollens über das Nicht-Können. Zuvor verloren die Schalker oft unglücklich die Punkte, die Borussen gewannen sie glücklich, manchmal im Spielrausch, aber fast immer instabil wirkend. Das war’s.

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Handspiel. Langsam nervt die Diskussion. Oder soll sie das neue "Salz in der Suppe" sein, das Traditionalisten seit dem Video-"Beweis" vermissen? Die Szene: Spieler wird angeschossen. Hand! Aber kein Pfiff, da "keine Absicht". Sagt auch der Sky-Kommentator. Denn "So ist die Regel."

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Aber es gab doch Elfmeter?! Ja, in Dortmund, als Weigl angeschossen wurde. Denn Hand ist Hand, "keine Absicht" spielt keine Rolle. So ist die Regel, hieß es. Die Szene zuvor spielte wenige Minuten danach in Frankfurt. Da wurde Hasebe angeschossen. Sogar aus größerer Distanz und nicht volley. Zwar außerhalb des Strafraums, aber das ändert nichts an der Sache: Pfiff oder Nicht-Pfiff – wie will man über eine Tatsache (Hand) diskutieren, die als "Tatsache" (Absicht) nicht eindeutig definiert ist?

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Dass "Pickel sprießen", wenn ich einen in der Samstags-Kolumne namentlich nicht erwähnten Kommentator höre, kennt auch ein namentlich unerwähnt bleiben wollender Leser, den dabei noch ein weiteres körperliches Phänomen ereilt, denn "es rollen sich auch Fußnägel hoch". Ein anderer langjähriger Leser, Arno Baumgärtel (Gießen), relativiert aber nach dem Abpfiff: "Schlimmer als das Spiel des BVB konnte der Kommentar gar nicht sein."

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Mit überaus eleganter Ironie erwähnte ich die Wahlmöglichkeit zwischen ARD und Sky, was leider in die Hose ging, wie Dirk Becker (Gießen) zu meiner Schande feststellt. Der ansonsten sehr geneigte Leser, der "seit vielen Jahren Ihre Kolumne" liest, stellt richtig, dass "der Kommentator BVB-Schalke auch bei Sky von der ARD (Lizenzrecht)" kommt, "daher geht Ihre ironische Alternative ins Leere". Kleiner Trost: "Aber weiter so, hoffentlich noch lange!"– Danke. Aber hoffentlich weniger schludrig.

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Am Samstag rutschte mir auch ein "Das macht Sinn" raus. "Autsch – jetzt ist es Ihnen auch passiert. Das ist wie ein McD.-Matschburger, der auf die Karte eines Drei-Sterne-Restaurants geraten ist", graust es Matthias Weidner (Lollar), obwohl, nein weil er ebenfalls ein meinen Kolumnen zugetaner Leser ist. Denn "Das macht Sinn" sei ein übler Denglizismus, komme von "that makes sense, mag völlig korrektes Englisch sein", sei aber "alles andere als gutes Deutsch". Es macht ... es ist also sinnvoll, wenn ich verspreche, dass "Das macht Sinn" nie mehr in meinen Kolumnen auftauchen wird.

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Die ausführliche Begründung von Matthias Weidner ist in der "Mailbox" von "Sport, Gott & die Welt" zu lesen, neben anderen Mails, darunter auch ein Verriss von Michael Müller aus Staufenberg (ich schwimme "wie immer heuchlerisch Beifall heischend auf der Eintracht-Welle mit"). Ungekürzt. Ehrensache.

Ach ja, die Eintracht. Sie muss ihrem wundersamen Parforceritt durch Europa langsam Tribut zollen. Das oft gesehene Bild des Läufers drängt sich auf, der mit Vorsprung auf die Zielgerade einbiegt, total platt und übersäuert kaum noch die Beine hoch kriegt und von der Konkurrenz überholt wird. Zum Glück läuft die Eintracht kein 400-Meter-Finale bei Olympia, sondern spielt Fußball. Und der hat vor allem im Pokal bekanntlich seine eigenen ... nee, bei diesem Wort sträubt sich die Tastatur.

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Auch das noch, aus dem Inhaltsverzeichnis des FAZ- Magazins: "Es gibt nun auch Beauty-produkte für den Sport. Muss das sein? Seite 14". – Nee. Muss nicht. Obwohl ... die Haare schön haben, und nicht nur die, sondern komplettes Ego-Tuning, äußerlich aufzutragen und innerlich anzuwenden, das entspricht dem Trend der Zeit. Selbst die Linken stellen sich für den Europawahlkampf in Positur. Anleitung für die Listenkandidaten, herausgegeben von der Parteizentrale (Quelle: Spiegel): "Was wollen wir ausstrahlen?" Antwort: "Wir sind die beste der Parteien, mit den coolsten Leuten. Bei uns ist echt was los und alle haben immer ihren Spaß."

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Das will ich doch auch ausstrahlen. Der allerbeste Kolumnist sein, mit den coolsten Sätzen, und alle sollen immer ihren Spaß haben. Gibt es Beautyprodukte fürs Kolumnenschreiben? (gw)

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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog "Sport, Gott & die Welt" / Mail: gw@anstoss-gw.de)

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