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Nicht die zwei Punkte sind es, die den Titelkampf spannend machen, sondern die erstaunliche Umkehr der Verhältnisse. Dortmund und München spielen jeweils gegen Außenseiter. Ein schwacher BVB macht aus null Chancen zwei späte Tore und drei Punkte, während (in Halbzeit zwei) starke Bayern viele Tormöglichkeiten nicht nutzen und zwei Punkte verlieren. Trendwende? Bitte keine voreiligen Sch(l)üsse. Der nächste käme bestimmt.

Von GW

Nicht die zwei Punkte sind es, die den Titelkampf spannend machen, sondern die erstaunliche Umkehr der Verhältnisse. Dortmund und München spielen jeweils gegen Außenseiter. Ein schwacher BVB macht aus null Chancen zwei späte Tore und drei Punkte, während (in Halbzeit zwei) starke Bayern viele Tormöglichkeiten nicht nutzen und zwei Punkte verlieren. Trendwende? Bitte keine voreiligen Sch(l)üsse. Der nächste käme bestimmt.

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Ob der deutsche Klassiker als Hochsicherheitsspiel gilt? Wer zahlt dann? Nächsten Samstag keine Frage, denn das Land Bayern will, wie einige andere, das Urteil nicht umsetzen. Ist sowieso eine viel zu schwierige Gemengelage, als dass ich mir als Laie eine juristisch haltbare Meinung zutrauen würde. Was, wenn BVB-Fans auf der Hinfahrt im Zug oder am Bahnhof randalieren? Wer müsste für den Polizeieinsatz zahlen? Der Heimspiel-Klub, hunderte von Kilometern entfernt?

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Mein Kopfgefühl (Bauchgefühl wäre ein weißer Schimmel) sagt mir immerhin: Ein Veranstalter, der mit einem "Event", das Polizeischutz benötigt, viel Geld verdient, zieht einen geldwerten Nutzen und muss an den dafür nötigen staatlichen Kosten zumindest beteiligt werden. Egal ob es sich um Sport, Kultur oder Politik handelt, Fußballspiele oder Liebesparaden. Nur, noch einmal: am Veranstaltungsort, um ihn herum oder auch schon fern ab? Ein weites Feld, das noch zu beackern ist.

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Auch die Desaster-WM und Löws Beitrag bleiben ein weites Feld. Nachtrag zu den drei Bayern-Spielern bzw. Kontra im Fall Sané: "Die Absolutheit des Rauswurfs ist schon fast diskriminierend. Stil mag er bei Kleidung zeigen (?), aber im Umgang mit MENSCHEN hapert es – Ballack oder Kuranyi sind Beispiele." (Walther Roeber/Bad Nauheim). – "Ich hätte ihn vor der WM auch nicht nominiert. Es hat nicht gestimmt bei dem jungen Mann – die Leistung nicht, die Körpersprache nicht. Der Leroy Sané dieses Jahres ist ein völlig anderer Spieler. Er hat dazu gelernt – nur nicht, was Demut in Sachen Outfit angeht." (Paul-Ulrich Lenz/Schotten)

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Niemals würde ich Lesern widersprechen. Schon gar nicht jenen, die feixend anmerken, dass ich in dieser Wintersport-Saison kein böses Wort über Biathlon, Rodeln und deren Fernseh-Präsenz geschrieben habe. Stimmt, ich habe kein böses Wort geschrieben. Dass man das Adjektiv weglassen könnte, ist aber mehr als ein böses Wort.

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Vorurteil von mir, ein dummes? Mag sein. Ich bin (wie einst Andy Möller) "selbstkritisch, sogar mir selbst gegenüber". Titelthema in der Zeit: "Wir werden immer dümmer." Ich weiß, ich doch auch. Als Junge habe ich mal einen IQ-Test gemacht und hätte mich danach bei Mensa anmelden können. Ein halbes Jahrhundert später, nach einem Online-IQ-Test, bekäme ich die Rückmeldung: Verdoppel mal deinen IQ, dann kannst du wieder nachfragen. Im Ernst: Die Zahl war so schlecht … dass ich sie vergessen haben will.

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Wir werden immer dümmer. Denn, so die Zeit, der IQ-Wert sinkt kontinuierlich. Hat verschiedene Gründe. Aus meiner Sicht der wichtigste: Konzentrationsmangel. Reizüberflutung. Probleme werden nicht mehr durch Nachdenken gelöst, sondern per Mausklick. Klick, Wissen blitzt auf. Klick, Wissen ist weg. Doch der Weg (zur Lösung) ist das Ziel (um klüger zu werden).

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Schule. Schüler. Freitags-Demos der Schüler. Sie haben ja recht. Auch wenn es altväterlich klingt: Das ist das Vorrecht der Jugend. Vorpreschen mit einem Anliegen, das richtig gefühlt, aber nicht zu Ende gedacht ist. Denn würden daraus wirklich wirksame Konsequenzen gezogen, müssten wir, müssten vor allem die Jugendlichen die schöne Mittelstands-Bequemlichkeit aufgeben. Mein ewiges Stichwort: Der Fetisch Wachstum ist die Wurzel des Übels (und die Gewinnwarnung an der Börse deren perverses Symptom). Noch weiter gedacht, hülfe nur … nee, das wird mir zu heikel. Planwirtschaft hatten wir ja schon. Aber wie sonst könnte man der Überflutung mit Konsumanreizen Herr werden? Oder der Viertautos, wenn das zweite Kind 18 wird? Den mehrmaligen Fernreisen im Jahr?

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Aber noch einmal: Kein böses Wort über die jungen Demonstranten. Als Beobachter aus einer anderen Zeit erinnern sie mich an eben diese andere Zeit. Immer der gleiche Typ, der das große Wort führt, den Anführer macht (heute, das mag ein Fortschritt sein, eher die Anführerin), die gleichen inbrünstigen Mitmacher, die gleichen Mitläufer und die Gleichen, die die Demo-Atmosphäre für ihre Zwecke nutzen (Anbändeln, Schwänzen usw.). Nein, halt, etwas ist anders: die Galionsfigur, das seltsame Mädchen aus Schweden. Sie passt in kein Klischee.

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In jedes Klischee passt aber die vieldiskutierte Hässlichkeit von Fahrradhelmen. Viel hässlicher sind jedoch die langen, an den dürren Beinen alter Männer eng anliegenden Radhosen mit der dicken Windel am Po. Ich habe kürzlich ein Foto von mir gesehen. Wie sehr ich mich spontan nach Heidi Klum gesehnt habe! "Ich habe heute leider kein Foto für dich." Seitdem führe ich lieber nackt. Aber das wäre ein besonders riskantes Hochsicherheitsspiel, für dessen Kosten ich nicht selbst aufkommen möchte. (gw)

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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog "Sport, Gott & die Welt" / Mail: gw@anstoss-gw.de)

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