Trainer Glen Hanlon hatte keine Lust mehr auf eine Rolle beim "EC Hollywood" und hat in Krefeld kürzlich das Handtuch geworfen. FOTO: DPA
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Trainer Glen Hanlon hatte keine Lust mehr auf eine Rolle beim "EC Hollywood" und hat in Krefeld kürzlich das Handtuch geworfen. FOTO: DPA

"EC Hollywood" am Niederrhein

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(sid). Ihr neues Markenzeichen haben sich die Krefeld Pinguine selbst gewählt. "Weg vom EC Hollywood" wollte der deutsche Eishockey-Meister von 2003 laut einer Pressemitteilung vor einer Woche. Dem neuen Namen macht der Chaos-Klub aber weiter alle Ehre - nach der Flucht der Geschäftsführer, einem Streik der Spieler und dem überstürzten Abschied des Trainers mit immer neuen Peinlichkeiten.

Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht ein Konkurrent in der DEL einen Neuzugang aus Krefeld präsentiert: Zuletzt verabschiedeten sich Wade Bergman und Kai Hospelt, zuvor war bereits unter anderem Kapitän Torsten Ankert nach Iserlohn gewechselt. Stürmer Eugen Alanov meinte nach seinem Abgang nach Düsseldorf: "Vielleicht kann ich jetzt wieder besser schlafen."

Es ist ein Stück aus dem Tollhaus: Erst flüchtete Geschäftsführer Roger Nicholas aus der Verantwortung, und der neue Schweizer Investor Stefano Ansaldi setzte den erst 24-jährigen Sergey Saveljev, eigentlich als Chefscout vorgesehen, als dessen Nachfolger ein. Für das derzeit laufende Vorbereitungsturnier verpflichtete Saveljev munter zusätzliche Spieler - sehr zum Unmut von Ankert und Co., die angesichts der Pandemie um ihre berufliche Zukunft fürchteten. Erst als die DEL-Zentrale die Krefelder daran erinnerte, dass für die zweimal verschobene Saison die Kosten drastisch gesenkt werden müssten, rief der neue Geschäftsführer Hals über Kopf eine Teamsitzung ein. Zusätzlichen Gehaltsverzicht, den die anderen Klubs längst vereinbart hatten, forderte Saveljev zu nächtlicher Stunde in der Kabine. Die Spieler streikten vor dem Spiel am nächsten Abend und verweigerten das Aufwärmprogramm - auch weil ihr Gehalt noch nicht ausgezahlt worden war. Fünf Tage später warf Trainer Glen Hanlon das Handtuch, mehrere Spieler verschwanden gleich mit. Das NHL-Toptalent Dominik Bokk war da schon lange wieder weg.

Zu allem Überfluss streitet sich der Klub auch noch mit seinem einstigen Aushängeschild Daniel Pietta vor dem Arbeitsgericht. Der Zehnjahresvertrag, den der Nationalspieler 2015 erhielt, sei eigentlich nur ein Arbeitspapier, das jährlich verlängert werden müsse, argumentierten die Pinguine nach der Kündigung. Das sah nicht nur Richterin Monika Lepper-Erke anders, die von einem ausstehenden Gehalt von einer Million Euro brutto ausging und als Vergleich 350 000 Euro vorschlug. Saveljev war wenig begeistert und verweigerte Pietta erst einmal die Freigabe für seinen neuen Klub ERC Ingolstadt. Die Fans haben von ihrem "EC Hollywood" längst die Nase voll. Die Verantwortlichen sollten dafür sorgen, "dass wir nicht mehr jede Freakwertung der Liga gewinnen", schrieb das Fanprojekt in einem offenen Brief.

Die Pinguine haben beim MagentaSport-Cup zumindest ein Erfolgserlebnis gefeiert. Der Klub gewann 2:1 (1:0, 0:1, 1:0) nach Verlängerung bei den Wolfsburg Grizzlys, bleibt aber in der Gruppe A Letzter.

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