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Ein enges Rennen war das Hinspiel, in dem die Bayern mit viel Mühe noch ein 3:3 retteten: Der Noch-Leipziger und künftige Münchner Dayot Upamecano (l.) trifft heute wieder auf Thomas Müller. ARCHIVFOTO: DPA

Hoher »Kribbelfaktor« im Gipfel

  • VonSID
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Kein Lewandowski, die halbe Abwehr gesperrt: Bayern München geht angeschlagen in das Duell mit RB Leipzig. Der Verfolger wittert seine Chance im Kampf um die Meisterschaft - allerdings nur bei einem Sieg.

Hansi Flick wirkte gelassen. Erstaunlich gelassen angesichts der vielen Herausforderungen, die sich vor ihm aufgetürmt haben: Sein Torgarant Robert Lewandowski ist verletzt, die halbe Abwehr gesperrt, vier seiner Nationalspieler wurden am Mittwoch von Nordmazedonien gedemütigt. Und das alles vor einem richtungweisenden »Endspiel« um die Deutsche Fußball-Meisterschaft gegen den Verfolger RB Leipzig, der die große Chance wittert, Tabellenführer Bayern München im Titelrennen noch einmal nahe zu kommen.

Flick aber setzt für den »Endspurt« der Saison in der Champions League und der Bundesliga auf die mentale Stärke seiner Mannschaft. Es sei die »große Qualität unserer Spieler«, sagte er vor dem Duell am heutigen Samstag (18.30 Uhr/Sky), »dass sie auf den Punkt da sind, dass sie wissen, worum es geht - und darauf baue ich.« Und deshalb, ergänzte Flick, sei er auch »guter Dinge, dass wir rechtzeitig die Leistung auf dem Platz abrufen können, wie wir sie in den letzten Wochen gezeigt haben«. Die sei »klasse« gewesen und »genau das, was wir auch in Leipzig brauchen«.

Auch wenn Flick es nicht aussprach: Es geht bei vier Punkten Vorsprung auf die Leipziger um den Titel. Der Herausforderer macht da jedenfalls keinen Hehl draus. »Wenn wir nicht gewinnen«, betonte RB-Trainer Julian Nagelsmann am Freitag, »dann ist die Saison zwar nicht vorbei, aber wahrscheinlich der Meisterkampf«. Entsprechend »hoch«, gestand er, sei der »Kribbelfaktor«. Nagelsmann baute daher am Freitag bereits um 9.30 Uhr das erst für 14.30 Uhr angesetzte Training auf. »Also ich bin topmotiviert - und die Jungs sind es auch«, sagte er.

Auch Leipzig plagen personelle Probleme, neben dem gelbgesperrten Kevin Kampl fehlen auch die Linksverteidiger Marcel Halstenberg (Quarantäne) und Angelino (Aufbautraining nach Muskelfaserriss). Wieder einsatzbereit sei der künftige Münchener Dayot Upamecano, sagte Nagelsmann, der in dieser Saison im Gegensatz zu Flick noch Pokalsieger werden kann. Für ihn geht es in dem Spiel um mehr als die Meisterschaft. Es geht auch ein wenig um den eigenen Marktwert. Darum, sich ein bisschen mehr in Position als künftiger Bayern-Trainer zu bringen. Denn sollte es Flick tatsächlich zur Nationalmannschaft ziehen, wäre Nagelsmann ein Top-Kandidat als Nachfolger.

Auch Kollege Flick tüftelt an der Aufstellung, hat in Nationalspieler Niklas Süle (»Er wird spielen«) und Weltmeister Lucas Hernandez aber beste Alternativen für die gesperrten Jerome Boateng (Gelb) und Alphonso Davies (Rot). Hernandez ist bei zwölf Einsätzen von Beginn an ungeschlagen (zehn Siege).

Lässt Flick sein Flügel-Trio ran?

Die Nationalspieler Joshua Kimmich, Leon Goretzka, Leroy Sane und Serge Gnabry sowie den ebenfalls gebeutelten David Alaba (0:4 mit Österreich gegen Dänemark) dürfte Flick auch problemlos aufrichten können. Bleibt die Lücke, die Lewandowski mindestens für die nächsten zwei Wochen hinterlässt. »Da müssen andere in die Bresche springen«, sagte Thomas Müller. Nur wer? Lewandowski hat von den bislang 78 Treffern der Bayern immerhin 35 erzielt. Flick wollte nur so viel sagen: Eric Maxim Choupo-Moting sei »durchaus eine Option«, Müller auch. Sehr gut möglich ist, dass Flick auf sein Flügel-Trio aus Serge Gnabry, Leroy Sané und Kingsley Coman setzt. Gnabry traf vorne im Zentrum auch für die Nationalelf. »Wir müssen schauen, wie wir es lösen und haben Spieler, die diese Position spielen können. Es ist eine Herausforderung für uns alle, der wir uns stellen«, sagte Flick.

Dass Weltfußballer Lewandowski fehlen wird, ist für Nagelsmann freilich nur ein kleiner Vorteil. »Natürlich«, sagte er, »wäre Bayern mit ihm besser«, der treffsichere Pole sei nun mal »ein außergewöhnlicher Stürmer mit einer außergewöhnlichen Quote«. Aber: Die Münchner hätten eben trotz allem und immer noch »eine Weltklasse-Mannschaft«, betonte Nagelsmann.

Was nichts daran ändert, dass die Leipziger ihre große Chance wittern: »Die Jungs«, beteuerte Sportdirektor Markus Krösche, »haben die innere Überzeugung, von daher ist es klares Ziel, Bayern zu schlagen.«

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