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Gestenstark und stimmgewaltig - Uli Hoeneß (l.), der neue RTL-Fußball-Experte (rechts Karl-Heinz Rummenigge).

Hoeneß ist zurück

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(sid). Diametral abkippende Sechser und die Polyvalenz asymmetrisch-fluider Außenverteidiger überlässt Uli Hoeneß mit Genuss den anderen. »Ich werde nichts von Ketten oder sonst irgendwas erzählen«, sagt der neue RTL-Experte, und er verspricht für die Spiele der deutschen Fußball-Nationalmannschaft Alphamännchen-Klartext für Millionen: »Ich werde sagen, ob die Jungs alles gegeben haben oder nicht.

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RTL, das lässt sich bereits jetzt sagen, ist ein Coup gelungen. Uli Hoeneß, 69, Ehrenpräsident von Bayern München, trägt Konflikte gerne aus, er ist aus Leidenschaft DFB-kritisch, kann ebenso charmant wie bärbeißig sein. Er gibt sein Debüt am Donnerstagabend zum Auftakt der WM-Qualifikation gegen Island (20.45 Uhr).

Uli Hoeneß wäre nicht Uli Hoeneß, würde er nicht mit den höchsten Ansprüchen an die Aufgabe herangehen. Mit Moderator Florian König an seiner Seite könne er womöglich ein Duo bilden, wie es Günter Netzer und Gerhard Delling in ihrer zickig-bissigen Art in der ARD gewesen sind, hofft er: »Sie müssen uns ja nicht gleich den Grimme-Preis geben, aber vielleicht mögen uns die Leute ja. Ich möchte mir schon gerne beweisen, dass ich das kann.«

Joachim Löw weiß, was ihn erwartet. Bastian Schweinsteiger zum Beispiel war unter Löw Weltmeister, es gibt eine gewisse Schwelle, die zwischen beiden noch nicht überschritten wird. Hoeneß kann sich dem Bundestrainer hingegen wie ein Berg von Wortgewalt entgegenstellen, wenn es sein muss. Er kann den Silberrücken spielen und Thomas Müller zurück in die Mannschaft pushen. Es ist der Nervenkitzel der ständigen Chance auf einen Vulkanausbruch.

»Mich hat die Nachricht überrascht, aber im absolut positiven Sinne, damit hätte ich nicht gerechnet«, sagte Löw vorab: »Ich schätze Ulis Meinung, er ist ja sehr meinungsstark und kennt sich seit Jahrzehnten bestens im Fußball aus. Für die Fernsehzuschauer wird es bestimmt sehr unterhaltsam und interessant.« Hoeneß stimmt zu: »Ich komme auf den Punkt.«

Der einstige Bayern-Boss sieht sich allerdings als Freund der Nationalmannschaft, er will nur dann Attacken reiten, wenn es auch nötig ist.

»Ich bin doch daran interessiert, dass wir eine gute EM spielen und der Stellenwert des Teams in der Gesellschaft wieder steigt«, sagt er. Dennoch werde er die Dinge bei seinen vorerst drei Einsätzen »klar ansprechen«. Alles andere entspräche ihm auch nicht. Von Hoeneß’ einstiger Ankündigung, nach seiner Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung öffentlich kürzerzutreten, ist jedenfalls wenig geblieben. Der Gang zu RTL ist ein Schritt ins Rampenlicht - wahrscheinlich wird es Abende geben, an denen die Analyse spannender wird als das Spiel.

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