Der Höhe-Höhepunkt der Saison

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Adi Hütter hat eine klare Meinung, wie es noch etwas werden könnte mit dem Einzug der Eintracht ins Halbfinale der Europa League. "Wir brauchen das perfekte Spiel", sagt der Trainer der Frankfurter vor dem heutigen Viertelfinal-Rückspiel gegen Benfica Lissabon (21 Uhr/RTL).

Wie das aussehen soll, verriet Hütter am Dienstag auch: "Wir dürfen fast keine Torchancen für den Gegner zulassen, müssen immer wieder offensiv Akzente setzen, selbst aktiv sein und natürlich eine hohe Effektivität im Abschluss haben", führte der 49-Jährige aus. Puh, klingt gar nicht so einfach.

Unmöglich ist solch eine Leistung freilich nicht. Den Glauben, es trotz der 2:4-Hinspielniederlage tatsächlich hinzubekommen, vermittelte der österreichische Fußballlehrer in Diensten der Eintracht jedenfalls eindrucksvoll. "Wir sind immer in der Lage, Tore zu erzielen – selbst in Unterzahl in Lissabon waren wir am Ende besser. Wir haben alle Möglichkeiten." Klar ist: Die Eintracht muss mindestens 2:0 oder 3:1 gewinnen fürs Weiterkommen. Hütter sieht die Gäste daher in der leichten Favoritenrolle und die Chancen seiner Mannschaft bei "45 Prozent". Vor allem mahnt der Trainer davor, zu forsch zu attackieren, die Räume in der Defensive zu weit zu öffnen. "Wir müssen kontrolliert spielen, mit Kopf, geduldig sein", sagte Hütter, dem es selbst obliegt, dafür die richtigen Spieler zu wählen.

So ist es nicht ganz unwahrscheinlich, dass Mijat Gacinovic als dritter Mann im zentralen Mittelfeld an der Seite von Gelson Fernandes und Sebastian Rode beginnen darf, stattdessen einer der drei Angreifer Ante Rebic, Luka Jovic oder Goncalo Paciencia erst einmal auf der Bank Platz nehmen wird. "Offensiv spielen, aber behutsam sein", forderte Hütter von seinen kickenden Profis. Womöglich kann er dabei auch auf Martin Hinteregger zurückgreifen. Der Innenverteidiger, der am Sonntag gegen Augsburg wegen einer Oberschenkelblessur frühzeitig das Feld verlassen hatte, absolvierte gestern jedenfalls die öffentlich einsehbaren 15 Minuten des Abschlusstrainings ohne erkennbare Schwierigkeiten. Über einen Einsatz könnte aber gar erst der heutige Spieltag Gewissheit bringen, wie Hütter durchblicken ließ. "Mal schauen, was Martin selbst signalisiert, sein eigenes Gefühl wird wichtig sein. Wir werden mit Blick auf den Rest der Saison sicher kein zu hohes Risiko eingehen", sagte der Trainer. Tendenz: Hinteregger spielt.

Im Anschluss an die beiden Niederlagen vergangene Woche, das 2:4 in Lissabon und das 1:3 in der Liga gegen Augsburg, hatten die Frankfurter Fußballer ja über eine gewisse Müdigkeit geklagt. Eine, die auch nicht zu übersehen war, fehlte im Torabschluss doch die nötige Konzentration und im Spielaufbau die Präzision.

Geht es nach den Beteiligten auf Frankfurter Seite, soll die körperliche Verfassung aber nur eine untergeordnete Rolle spielen. Vielmehr wollen die Frankfurter mit ihren Fans im Rücken so manch Wehwehchen einfach vergessen. Leidenschaft, Mut, Selbstvertrauen – Eigenschaften, die es gegen Benfica brauchen wird, machten die Portugiesen im Hinspiel doch den Eindruck, vor allem spielerisch besser als der letzte deutsche Vertreter im Europapokal zu sein. "Wir haben Kraft", sagte Gelson Fernandes, der am Mittwoch wie sein Trainer große Zuversicht ausstrahlte: "Die Emotionen, die so ein Spiel hervorruft, geben uns Energie."

Für die Eintracht ist das Duell im ausverkauften Stadion zweifelsohne das bisher aufregendste dieser Europa-Saison. Der Höhe-Höhepunkt, der auf die Höhepunkte gegen Mailand, Donezk, Rom und Marseille folgt. Ein Sieg, der fürs Weiterkommen reicht, eine Halbfinalteilnahme, womöglich gegen den FC Chelsea, das sind Fußballwelten, in denen die Eintracht vor der Saison niemand, aber auch wirklich niemand erträumt hätte. Klingt, als wäre der heutige Abend der ideale Zeitpunkt für ein perfektes Spiel.

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