Medizinisches Personal wartet in Schutzanzügen auf dem Rollfeld auf die deutsche Handball-Nationalmannschaft, die auf dem Flughafen von Kairo gelandet ist. Am Fuße der Gangway wird bei DHB-Präsident Andreas Michelmann (M.) die Temperatur gemessen. FOTO: DPA
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Medizinisches Personal wartet in Schutzanzügen auf dem Rollfeld auf die deutsche Handball-Nationalmannschaft, die auf dem Flughafen von Kairo gelandet ist. Am Fuße der Gangway wird bei DHB-Präsident Andreas Michelmann (M.) die Temperatur gemessen. FOTO: DPA

Hoch motiviert Richtung Pyramiden

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Das WM-Abenteuer der deutschen Handballer hat begonnen. Beim Abflug in Düsseldorf nach Ägypten war das Thema Corona allerdings allgegenwärtig.

Kapitän Uwe Gensheimer trug den Adler auf der schwarzen Maske, Bundestrainer Alfred Gislason entschied sich für den schlichten Mundschutz in Weiß: Auch beim Abflug zur Mega-WM nach Ägypten war das Thema Corona bei den deutschen Handballern allgegenwärtig. Für Gensheimer und Co. startete am Dienstag eine Reise ins Ungewisse - in vielerlei Hinsicht.

"Es wurde alles dafür getan, dass das Risiko minimiert ist", sagte Gensheimer beim Check-in am Düsseldorfer Flughafen, "eine hundertprozentige Sicherheit gibt es aber nicht." Kaum war der Flieger in der Luft, hatte die Realität den Handball schon eingeholt: 18 Corona-Fälle beim Team der USA sorgten für das Aus dieser Auswahl, außerdem verzichtete auch die tschechische Nationalmannschaft am Tag vor dem Beginn der Mega-WM mit 32 Teams auf das Turnier. Und auch beim deutschen Vorrundengegner Kap Verde gibt es Medienberichten zufolge sieben Fälle.

Zumindest im neu formierten deutschen Team waren am Dienstag alle eingeplanten 20 Nationalspieler mit an Bord der Chartermaschine EW 5214, darunter auch sechs Turnier-Debütanten und noch vier Europameister von 2016. "Gott sei Dank sind alle gesund", sagte DHB-Sportvorstand Axel Kromer. Nach der Ankunft in Kairo stand noch auf dem Rollfeld ein PCR-Test auf dem Programm, um einen (corona-)sicheren Eintritt in die Turnier-Blase zu gewährleisten.

"Ich persönlich habe nicht allzu viele Bedenken, dass ich oder jemand von uns irgendwelche bleibenden Schäden davontragen wird", sagte Gensheimer am Dienstag. Es könne aber sehr wohl passieren, dass sich bei der WM ein Spieler infiziert. Ähnlich sieht das Torhüter Andreas Wolff.

"Es gibt keine hundertprozentige Garantie, dass alle WM-Spiele coronafrei sein werden. Die EM der Frauen hat aber gezeigt, dass ein großes Turnier mit guten Konzepten und verantwortungsvollem Umgang veranstaltet und gespielt werden kann", sagte Wolff im SID-Interview. Eine WM-Absage stand für ihn deshalb nie zur Diskussion: "Für die vielen Menschen in den Häusern und Wohnungen kann unser Sport gerade jetzt seinen Ursprungsgedanken des Entertainments erfüllen."

An ihrer sportlichen Motivation ließen die DHB-Stars keine Zweifel. "Ich bin heiß wie Frittenfett", stellte Wolff mit Blick auf den deutschen Turnier-Auftakt am Freitag gegen Uruguay klar: "Wir wollen zusammen ein geiles Turnier spielen." Es fühle sich "ein bisschen an wie ›back to the roots‹", also zurück bei den Wurzeln, berichtete der Europameister von 2016 und beschwor den Geist von Gizeh.

Am Fuße der weltberühmten Pyramiden, wo die deutschen Handballer während der Vorrunde logieren, wollen Wolff und Co. ungeachtet aller Corona-Widrigkeiten und der vielen WM-Absagen ein ähnliches Märchen schreiben wie bei ihrem sensationellen Gold-Coup vor fünf Jahren in Polen.

"Die Situation ist vergleichbar", betonte Wolff. Wie 2016 fehlen dem DHB-Team in Ägypten etliche Stars. "Es wird auf den Geist ankommen, den die Mannschaft entwickelt", sagte Wolff. Fehlende Erfahrung könne man durch Euphorie und Ekstase wettmachen.

Auch Gensheimer war die WM-Lust am Abfluggate trotz aller Corona-Sorgen deutlich anzumerken. Die Vergleiche mit 2016 schmeicheln dem deutschen Team, doch bei aller Euphorie warnte Gensheimer vor zu großen Erwartungen. "Wir sollten mal langsam machen unter den gegebenen Voraussetzungen", sagte der Weltklasse-Linksaußen, der in sein siebtes Turnier als DHB-Anführer geht: "Man darf nicht vergessen, dass acht, neun Spieler fehlen, die normalerweise dabei gewesen wären." In Ägypten werde es darauf ankommen, "die gute Stimmung auch beizubehalten, wenn es mal Rückschläge gibt". Eröffnet wird die WM heute um 18 Uhr mit dem Spiel Ägypten gegen Chile.

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