Guido Kunze erklimmt im Oktober 2014 mit seinem Fat-Bike den Ojos del Salado in Chile, den höchsten Vulkan der Welt. Dabei stellt er nach eigenen Angaben einen Höhenrekord auf. DPA
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Guido Kunze erklimmt im Oktober 2014 mit seinem Fat-Bike den Ojos del Salado in Chile, den höchsten Vulkan der Welt. Dabei stellt er nach eigenen Angaben einen Höhenrekord auf. DPA

Hitze, Höhe, Papstbesuche

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Guido Kunze ist ein 58 Jahre alter Extremsportler. Er kann von Nahtoder- fahrungen in der Sahara, berichten, hat einen noch aktiven Vulkan auf knapp 7000 Meter Höhe mit dem Mountainbike befahren und war sogar mit dem Rad beim Papst in Rom.

Guido Kunze weiß nicht mehr, wo er ist. Die Orientierung hat er völlig verloren. Seit Stunden irrt er in der Sahara umher - bei Temperaturen über 40 Grad. Kunze nimmt am Marathon de Sables teil, der in sechs Etappen über 240 Kilometer durch den marokkanischen Atlas führt. Eine nordkoreanische Filmcrew dreht zur selben Zeit Naturaufnahmen in der Wüste und findet den Thüringer Sportler. Kunze, erfahrener Kampfsportler, ist jedoch noch im Wettkampfmodus und will sich seine Startnummer nicht abnehmen lassen: "Ich habe die Crew erst mal zerlegt. Ich hatte einen Hitzschlag."

Die Koreaner funken einen Hubschrauber an, der den desorientierten Läufer ins Krankenhaus fliegt: "Ich wusste anschließend drei Tage nicht mehr, wie ich heiße." Dass Kunze überhaupt erst an einem solchen Wettbewerb teilnimmt im Jahr 2001, ist schon bemerkenswert. Dass er aber nur ein Jahr nach der Nahtoderfahrung erneut diesen Marathon läuft, zeigt, wie Kunze tickt. Als Jugendlicher wird er aus dem DDR-System Leichtathletik aussortiert. Anschließend widmet er sich dem Militärischen Mehrkampf, Kampfsport, Fallschirmspringen und Orientierungslauf.

Kunze sammelt sportliche Abenteuer

Auch 2020, mit 58 Jahren, hat Kunze von extremen Herausforderungen noch nicht genug. Im Juli möchte er mit einem Fixie-Fahrrad die Sella Ronda - eine Skirunde in den Dolomiten - 24 Stunden lang befahren, mit maximal vier Pausen à 15 Minuten. "Das soll auch ein Projekt für meine Freunde in Italien sein, die aktuell von der Krise stark betroffen sind", sagt Kunze.

1998 läuft er seinen ersten Marathon. Doch der ehrgeizige Sportler bekommt schnell Lust auf waghalsigere Expeditionen. Die Läufe durch den Atlas 2001 und 2002 bilden den Auftakt für eine Reihe von zahlreichen sportlichen Abenteuern. 2005 erreicht der Karosserie- und Fahrzeugbau-Meister beim härtesten Ultramarathon der Welt eine Top-13-Platzierung. Der Lauf führt die Teilnehmer in extremer Hitze 217 km von Badwater im Death Valley zum Whitney Portal unterhalb des Gipfels vom Mount Whitney in Kalifornien liegt. Kunze benötigt 37 Stunden für die Strecke.

2008 möchte der Familienvater beweisen, dass die Tour de France auch sauber, also ohne Dopingmittel, gefahren werden kann. Als Botschafter für "Fans gegen Doping" fährt er die 3500 km von Brest nach Paris in nur zehn Tagen. Seine Blutwerte werden kontrolliert. "Ich durfte zwei Stunden vor den Profis meine Runden auf der Champs-Élysées drehen. Das war ein Ritterschlag."

2013 läuft und radelt er 600 km über die Chinesische Mauer - als erster Mensch überhaupt. Die Planung dauert drei Jahre. "Es war irre. Bei meinem Start wurde ich von einer Militäreinheit und Folklore-Gruppen verabschiedet."

Als seinen größten sportlichen Erfolg bezeichnet Kunze aber die Expedition 2014, als er auf den Ojos del Salado radelt und einen Höhenweltrekord aufstellt. Der Ojos in Chile ist mit 6893 Metern der höchste aktive Vulkan der Erde. Als Vorbereitung arbeitet er mit Höhenmediziner Urs Hefti zusammen und sagt ihm, dass er nur zehn Tage zur Akklimatisierung hat, da er seinen "Laufladen" nicht länger schließen kann: "Urs hat mich gefragt, ob ich bescheuert bin." Auf dem Weg zum Gipfel wird ihm mehrfach schwarz vor Augen. Doch Kunze meistert auch diese Expedition.

Das emotionale Highlight seiner Abenteuer hat er auch seinem Bike zu verdanken. 2017 entschließt sich Kunze, der sich mit seiner Frau in der Kirche engagiert, die 1600 km vom Erfurter Augustinerkloster nach Rom in den Vatikan zu Papst Franziskus zu radeln. Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche empfängt ihn bei einer Audienz. Der Papst unterhält sich einige Minuten auf Deutsch mit Kunze und Sohn Marvin: "Mehr kannst du in deinem Leben nicht erreichen. Außer Gott treffen - aber dann ist das Leben eh vorbei", sagt Kunze.

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