Adi Hütter (l.), Trainer des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt, und Peter Stöger, Sportvorstand des österreichischen Erstligisten Austria Wien, fachsimpeln beim Showspiel der Legenden in Wels.
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Adi Hütter (l.), Trainer des Fußball-Bundesligisten Eintracht Frankfurt, und Peter Stöger, Sportvorstand des österreichischen Erstligisten Austria Wien, fachsimpeln beim Showspiel der Legenden in Wels.

Im Hintergrund glühen die Drähte

  • vonred Redaktion
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Kommt er oder kommt er nicht? Die Personalie Hinteregger ist weiter in aller Munde bei der Frankfurter Eintracht, wohingegen an den Spekulationen um eine Verpflichtung von Franck Ribéry nichts dran sein soll.

Obwohl Martin Hinteregger bisher ja nur für eine halbes Jahr leihweise den Adler auf der Brust getragen hatte, wird er von den Frankfurter Fans fast schon verehrt. Zumindest mal ordentlich abgefeiert. Dafür gibt es natürlich auch allerlei Gründe: So haut sich der Abwehrschrank stets voll rein, führt liebend gern jene deftigen Duelle, die die Anhänger von ihren Ball tretenden Helden auf dem Rasen sehen wollen. Dreckig, hart, unerschrocken, immer volle Lotte. Auch hat Hinteregger seine weiche Seite längst präsentiert und damit die Herzen der Fans berührt. Kurz nach dem verlorenen Europa-League-Halbfinale beim FC Chelsea heulte er an der Londoner Stamford Bridge hemmungslos in den Armen der ihn tröstenden Anhänger. Solche Bilder brennen sich in die Köpfe ein, deshalb will die Eintracht die kurze Liaison ganz gerne zu einer langfristigen Beziehung ausweiten.

Gestern tauchten bewegte Bilder auf, die ebenfalls haften bleiben, wenngleich sie sicher nicht ganz so gewinnbringend für den 26-Jährigen sind: Hinteregger im wenig stabilen Gang nach dem einen oder anderen Kaltgetränk zu viel. Wenngleich unklar ist, wann das Video entstand und an welchem Ort, gewiss war es in der Freizeit des Profis - gefallen hat es den Eintracht-Bossen nicht, das ist verbrieft. Ein Ausschlusskriterium für eine Verpflichtung des Österreichers ist es aber natürlich ebenso wenig.

Fredi Bobic, der entscheidende Mann in Sachen Transfers, arbeitet offenbar weiter am Hinteregger-Deal. Er sagte am Rande des Testkicks in Wels gegenüber österreichischen TV-Sendern jedenfalls folgende Sätze: "Bei Martin war es von Anfang an klar: Er will zu uns, und wir wollen ihn verpflichten. Aktuell sieht es vielleicht nicht so positiv aus, aber es sind noch vier Wochen Zeit, und da fließt noch einiges Wasser den Main runter."

Die Eintracht hat bisher bekanntlich zehn Millionen Euro Ablöse für Hinteregger geboten, der Augsburger Manager Stefan Reuter beharrt aktuell auf 15 Millionen - zwischenzeitlich gipfelte das in einer Funkstille zwischen dem FCA und der Eintracht. Reuter soll nicht mehr abgenommen haben, wenn der Name Bobic auf seinem Display aufleuchtete. Nun haben beide Vereine die Verhandlungen immerhin wiederaufgenommen. Freilich muss sich Fredi Bobic zurzeit nicht nur an der Personalie Hinteregger abarbeiten, der Frankfurter Sportvorstand hat auch noch eine Reihe weiterer Baustellen. "Natürlich klingelt das Handy immer wieder und immer wieder", sagt er, "aber das ist normal und gehört zum Geschäft."

So braucht es natürlich dringend einen neuen Torjäger, zumal ein erneutes Engagement vom offensiven Mittelfeldmann Kevin-Prince Boateng wohl geplatzt ist, weil er in Italien bleiben will und von Sassuolo Calcio zum AC Florenz wechseln wird.. Am von der "Bild" ins Spiel gebrachten Ex-Münchner Franck Ribéry ist dagegen nichts dran, aber auch gar nichts.

Dagegen besteht zumindest ein gehobenes Interesse an Michael Esser. Der 31 Jahre alte Schlussmann, der vergangene Saison bei Hannover 96 eine solide, wenn auch keine überragende Nummer eins war, ist beim Bundesliga-Absteiger mittlerweile nur noch Ersatz. Neuzugang Ron-Robert Zieler hütet an der Leine nun den Kasten, beim Zweitligaauftakt der Hannoveraner gegen den VfB Stuttgart saß Esser, einst ja auch beim SV Darmstadt 98 in der Bundesliga im Tor in der Saison 2016/17, nur auf der Bank. Er sucht einen neuen Klub, die Eintracht, so deutet sich an, könnte ein Abnehmer für ihn sein - wenngleich die Hessen den 63-fachen Erstligaprofi ebenfalls wohl nur als zweiten Mann für das Tor verpflichten würden.

Ein bisschen mehr Qualität zwischen den Pfosten, am liebsten natürlich jene des deutschen Nationalkeepers Kevin Trapp, soll es schon sein. Würde Esser tatsächlich kommen, wäre das gleichbedeutend mit dem Abschied von Frederik Rönnow, denn der gerade an der Schulter verletzte Däne will spielen, das wird er bei der Eintracht aber nicht, ihm trauen die Bosse die Rolle als Stammkeeper nicht zu. "Es werden unheimlich viele Namen mit uns in Verbindung gebracht. Am Ende des Tages wird sich davon viel in Luft auflösen", sagte Bobic, der mit der Arbeit der Mannschaft im Trainingslager in Windischgarsten allemal zufrieden ist. Bobic: "Es ist sehr angenehm hier, Platz gut, Hotel gut, Essen gut." Alles gut.

Entsprechend präsentierte sich auch Trainer Adi Hütter gestern Vormittag bei der einzigen Einheit des Tages bestens gelaunt. Erst scherzte er mit einigen angereisten Fans, später gab er ihnen Autogramme. Und dazwischen arbeitete er mit seinen Profis im engsten Kreis. Nur neun Feldspieler hatten den wegen des Regens recht schmierigen Rasen betreten, die restlichen am Sonntag beim Testkick in Wels (7:0) eingesetzten Profis, hauptsächlich jene aus der zweiten Reihe, strampelten sich dagegen auf Ergometern unterm schützenden Zeltdach ab.

Trainer Hütter ließ also nur seine Stammkräfte schuften. Auf einem kleinen Feld ging es trotzdem groß zur Sache. Kapitän David Abraham, als Einziger mit Eisenstollen besohlt, fuhr kräftig in die Zweikämpfe; Lucas Torro hielt voller Eifer dagegen; Makoto Hasebe brilliert wie so oft mit seiner in diesen engen Spielformen besonders auffälligen schnellen Auffassungsgabe; Mijat Gacinovic freute sich diebisch über einen gelungenen Tunnel beim japanischen Altmeister; Neuzugang Dominik Kohr musste sich noch ein wenig an das hohe Tempo gewöhnen, bekam alsbald aber auch Hilfestellung seines Trainers verbal übermittelt. "Schneller den Ball klatschen lassen, zack, zack, zack", rief Hütter ihm zu und griff abschließend gar noch einmal selbst ins Geschehen ein. Gekonnt streichelte er mit der Sohle über den Ball, bis Filip Kostic plötzlich meinte, er könne seinem Trainer diesen abluchsen. Falsch gedacht. Hütter wandte Kostic rasch den Rücken zu, streckte seine Kehrseite heraus und behauptete einwandfrei die Kugel. Perfekter Anschauungsunterricht vom Chef.

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