Nur noch Gladbach im Kopf hat Eintracht-Verteidiger Martin Hinteregger vor dem Bundesliga-Neustart. FOTO: DPA
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Nur noch Gladbach im Kopf hat Eintracht-Verteidiger Martin Hinteregger vor dem Bundesliga-Neustart. FOTO: DPA

Hinteregger: "Vorfreude ist riesengroß"

  • vonred Redaktion
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Als die Fußballprofis von Eintracht Frankfurt am Dienstagmorgen um kurz nach neun ihr Quarantäne-Hotel am Mainufer im Stadtteil Sachsenhausen verließen, wohlgemerkt einzeln und Mundschutz tragend, schauten einige Passanten dem Treiben zu. Jogger, die die vom Fluss aus weithin sichtbar auf dem Vorplatz der Unterkunft geparkten Busse erkannt und kurz abgestoppt hatten. Auch ein Rentner, der seine Radtour unterbrach. Oder eine Mutter samt aufgeregter Tochter, die rasch ihr Handy für Fotos zückte. Doch niemand wagte es auch nur ansatzweise, den Maskenmännern näher zu kommen. Abstand halten, das Gebot der Stunde, wurde in Perfektion erfüllt.

Knapp sieben Kilometer entfernt auf den Trainingsplätzen der Arena im Stadtwald gilt diese Regel bekanntlich nicht mehr. Die Frankfurter Profis müssen sich schließlich ebenso wie ihre Berufskollegen andernorts auf den Ernstfall vorbereiten, auf die noch zehn ausstehenden Spiele in der Bundesliga, angefangen beim Heimduell am Samstag (18.30 Uhr) gegen Borussia Mönchengladbach, sowie das DFB-Pokalhalbfinale beim FC Bayern am 9. oder 10. Juni. Da ist es natürlich unabdingbar, Körperkontakt zu suchen, den Mitspielern während der Einheiten nah zu kommen, sie eng zu decken.

Am Dienstag übten die Männer von Trainer Adi Hütter daher gleich zweimal, ganz so wie es schon in Prä-Corona-Zeiten an einem Dienstag üblich war. Vormittags eher kurz und knackig, nachmittags ein bisschen ausgedehnter. Einzig Goncalo Paciencia trainierte aufgrund leichter Beschwerden wie schon am Montag nur individuell. Details über die Blessur des Stürmers gab die Eintracht indes nicht bekannt. Der Alltag hat sie also wieder die Frankfurter Profis, zumindest auf dem Fußballplatz. Eine enorme Erleichterung wie Verteidiger Martin Hinteregger preisgab: "Die Vorfreude auf das Spiel am Samstag ist riesengroß. Wir haben zuletzt viel trainiert, jeder hat das satt, alle sind heiß auf das Spiel." Oder hungrig, um das passende Sprachbild zu wählen.

Für den Österreicher Hinteregger war Borussia Mönchengladbach die erste Auslandsstation seiner Fußballerkarriere. Er machte dann zwar nur zehn Pflichtspiele für die Fohlen, hält bis heute aber noch losen Kontakt zu einzelnen Ex-Kollegen. "Es war eine lehrreiche Zeit", sagt Hinteregger, "Gladbach ist ein toller Verein." Den Restart gegen die Borussia hält er daher auch für recht knifflig. Für Hinteregger ist die Borussia "nach wie vor ein Meisterschaftskandidat". Dass die Gäste vom Niederrhein bei sechs Punkten Rückstand auf den Ligaprimus Bayern München wohl eher die Qualifikation zur Champions League im Kopf haben werden, also das Verteidigen des vierten Ranges gegenüber dem ärgsten Verfolger Bayer Leverkusen, ist aber natürlich auch dem Frankfurter nicht entgangen. Im Hinspiel hatte sich die Mannschaft von Trainer Marco Rose mit 4:2 gegen die aktuell auf Rang zwölf platzierte Eintracht durchgesetzt. Die Gladbacher waren schlicht besser an diesem Oktobertag des vergangenen Jahres.

Rund sieben Monate, eine kurze Winter- und eine längere Corona-Pause später wird es für Eintracht-Trainer Adi Hütter am Samstag und vor allem in den kommenden Wochen auch darum gehen, die Kräfte seiner Spieler gut einzuschätzen und einzuteilen bei noch mindestens elf ausstehenden Partien binnen 43 Tagen. "Ich denke nicht nur an das erste Spiel. Es geht ja Schlag auf Schlag", sagte Hütter daher zuletzt. Es werde Wechsel geben, "jeder hat die Möglichkeit, sich zu zeigen".

Hinteregger muss das eher nicht mehr tun. Auf seine Qualität wird der Trainer ähnlich wie bei Torhüter Kevin Trapp oder Linksaußen Filip Kostic nur in seltenen Fällen verzichten. Auch Stammkräfte wie Kapitän David Abraham, Mittelfeldmann Sebastian Rode oder Angreifer André Silva werden wohl viele Minuten über den Rasen rennen, vorbehaltlich etwaiger Verletzungen natürlich. Hinteregger sieht das alles recht pragmatisch, für ihn ist Fußballspielen sein Job, den will er möglichst gut erledigen. "Endlich mal wieder Wettkampf, endlich gibt es mal wieder etwas, für das sich das Kämpfen richtig lohnt", sagt er. Daniel Schmitt

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