Martin Hinteregger will trotz Knöchelblessur am Sonntag in Köln für die Frankfurter Eintracht spielen. FOTO: ARCHIV
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Martin Hinteregger will trotz Knöchelblessur am Sonntag in Köln für die Frankfurter Eintracht spielen. FOTO: ARCHIV

Hinteregger "liebt" den Schmerz

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Martin Hinteregger ist nun wirklich ein spezieller Typ. Einer, der gerne an seine Karriere als Fußballprofi eine weitere als Bergdoktor dranhängen würde, der deshalb Flugstunden nimmt und mitunter auch in Begleitung den Helikopter höchstpersönlich aus der Heimat in Kärnten zum Arbeitsplatz nach Frankfurt steuert. Hinteregger, allseits bekannt als Hinti, von Freunden wahlweise aber auch Maddin oder Hunter (Jäger, in Anlehnung an sein Hobby) genannt, ist anders als so viele andere Kicker. Dazu gehört seine Vorliebe für Schmerz.

"Schmerzen sind gut für mich", erzählte der 28-Jährige kürzlich den vereinseigenen Klubmedien von Eintracht Frankfurt: "Meine besten Spiele habe ich gemacht, wenn ich früh im Spiel mit dem Schädel zusammengestoßen bin. Dann bin ich da." Teilweise sei er soweit gegangen, Schmerzen zu simulieren. Entweder durch eigene Schläge auf den Kopf, oder aber er wies gar den Physiotherapeuten an zuzuhauen - "normal, nicht mit der Faust", versteht sich.

Auch am Mittwochabend wurde Hinteregger malträtiert. Im Nations-League-Spiel seiner Österreicher in Rumänien (1:0) erwischte Gegenspieler Ciprian Deac bei einer Grätsche nicht den Ball, sondern nur den rechten Knöchel von Hinteregger. Deac sah Gelb, nur Gelb, was ein schlechter Scherz war, hätte er doch sofort mit Rot vom Rasen gehört. Hinteregger ließ sich zwei, drei Minuten behandeln und machte weiter. Erst in der 53. Minute nahm ihn Coach Franco Foda doch vom Feld - zur Verwunderung des Spielers: "Zuerst habe ich gedacht, es war wegen meines Fußes. Ich habe nicht gewusst, dass mir der Schiedsrichter die Rote Karte angedroht hat." Hinteregger war nach einem taktischen Foul verwarnt und langte kurz nach dem Seitenwechsel noch mal zu. In Bewusstsein des Schiedsrichter-Hinweises sei die Auswechslung "verständlich", so Hinti später. Beim Tritt gegen seinen Knöchel habe er gedacht, es sei mehr passiert. "Aber dafür, wie es aussah, geht es dem Fuß gut."

Wenn sich die Knöchelblessur bis Sonntagmittag nicht doch schlimmer als erwartet darstellt, wird der Mann mit der Vorliebe für Schmerz beim Frankfurter Auswärtsspiel in Köln dabei sein. Als Alternative stünde Eintracht-Trainer Adi Hütter noch der Brasilianer Tuta zur Verfügung, für den gerade erst genesenen Evan Ndicka käme ein Einsatz vermutlich zu früh. Rechtsfuß Tuta, das hatte er in dieser Woche berichtet, könnte ohne lange Anpassungszeit auch den eher ungewohnten linken Part der Dreierkette übernehmen. "In der Abwehr habe ich schon überall gespielt", sagte er selbstbewusst. Unlängst erst probierte ihn Hütter im Test gegen Würzburg als Hinteregger-Ersatz auf.

Der 28-Jährige ist wie die am Mittwoch ebenfalls für ihre Nationalteams im Einsatz gewesenen Eintracht-Kollegen Stefan Ilsanker (90 Minuten für Österreich) und André Silva (15 Minuten für Portugal) gestern zurückgekehrt nach Frankfurt, am Mannschaftstraining nahm das Trio aber nicht teil. Stattdessen stand erholsames, individuelles Üben auf dem Plan, schließlich wartet das Spiel beim bisher punktlosen 1. FC Köln. Für die Hessen ist die Partie eine gute Möglichkeit, sich in der vorderen Tabellenregion festzubeißen.

Keine Zuschauer

Eintracht Frankfurt muss seine Heimspiele wegen stark gestiegener Corona-Zahlen bis 31. Oktober ohne Publikum austragen. Dies teilte die Stadt Frankfurt am Donnerstag mit. Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) sagte zur Begründung: "Das ist jetzt der Weg, dass es bei solchen Infektionswerten keine Veranstaltungen mit Publikum mehr gibt. Wir kommen in dieser Situation nicht drumherum, wir können nicht ausscheren und Sonderwege gehen." Am Mittwoch betrug die Zahl der Infektionen pro 100 000 Einwohnern an sieben aufeinanderfolgenden Tagen noch 70,9 und war damit nicht mehr weit entfernt von der höchsten Warnstufe. D. Schmitt/dpa

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