Turnen

Hinsehen statt wegschauen

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(sid). Alfons Hölzl ist selbst im Besitz der A-Lizenz als Trainer, entsprechend ernst nimmt der Präsident des Deutschen Turner-Bundes (DTB) das Engagement des zweitgrößten deutschen Sport-Fachverbandes gegen sexuelle Übergriffe und körperliche Gewalt. Was auch notwendig ist, denn nach dem Mega-Skandal um den US-Teamarzt Larry Nassar sind auch in der Schweiz und Großbritannien Vorwürfe im Raum, dass Trainer ihre zumeist jungen Athletinnen beleidigt haben und körperlich übergriffig geworden sein sollen.

"Die neuesten Vorfälle zeigen uns einmal mehr, wie wachsam wir sein müssen und wie wichtig die richtige Handlungsweise bei jeglicher Form von Gewalt im Sport ist", sagte der Jurist. Ein in Zusammenarbeit mit der Deutschen Turnerjugend (DTJ) erarbeitetes Präventionskonzept ist deshalb früher als geplant in Kraft getreten. Zentrale Bedeutung hat die Berufung einer ehrenamtlichen Ombudsperson. Die Kölnerin Britt Dahmen fungiert als zentrale Anlaufstelle für Sportler, die sich unter Druck gesetzt und missbraucht fühlen und nach einem unabhängigen Gesprächspartner suchen.

Kunstturnerinnen in Großbritannien und Sportgymnastinnen aus der Schweiz hingegen blieb anscheinend nur der Weg in die Öffentlichkeit, um auf die massive Missbrauchs-problematik aufmerksam zu machen. Zumindest im Fall der mittlerweile entlassenen Schweizer Cheftrainerin Iljana Dinewa hat sich bereits der Weltverband FIG eingeschaltet: Die Ethikkommission wird Ermittlungen über die Methoden der Bulgarin aufnehmen, aber auch die Rolle des nationalen Verbandes untersuchen.

Beim DTB ist man indes zuversichtlich, gegen massives Fehlverhalten Sportlern gegenüber gewappnet zu sein. "Ich glaube, dass das in unserem System so nicht passieren kann. Kein Arzt oder Physio unternimmt etwas mit einer Athletin ohne Absprache mit mir, dem Heimtrainer oder den Eltern", sagte Ulla Koch, seit 2005 Cheftrainerin der deutschen Kunstturnerinnen.

Davon ist auch Kim Bui überzeugt. Die Aktivensprecherin glaubt, "dass die richtigen Vorkehrungen getroffen wurden", sie begrüße das DTB-Konzept sehr. Allerdings: Mit ihren 31 Jahren ist die Studentin ihren Teamkolleginnen an Erfahrung und gesundem Selbstbewusstsein naturgemäß weit überlegen.

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