Heute WM-Start

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Julia Zorn (31), Stürmerin, ist zuversichtlich: »So nah dran wie jetzt waren wir noch nie.« Jennifer Harss (34), Torhüterin, sagt: »Wenn am Samstag die Scheibe fällt, dann ist es wirklich so.« Und die Eishockey-Weltmeisterschaft der Frauen hätte begonnen.

Keine Selbstverständlichkeit. Es gilt, das Trauma vom April zu verarbeiten. Da befand die deutsche Frauen-Eishockey-Nationalmannschaft sich am Ende ihres Trainingslagers in Füssen, und am Tag, an dem der Abflug nach Halifax in Kanada sein sollte, kam die schlechte Nachricht: »Alle mal zusammenkommen, die WM ist abgesagt.« Wegen Corona. Tränen und auch Wut, denn es war klar: Die Männer würden ihre WM austragen können, auch die U20-Junioren hatten ein paar Monate zuvor spielen dürfen. Den Frauen verbot man es. Was auch Umstände bereitete: Vor allem aus dem Staff hatten welche - Ärzte, Betreuer, Physiotherapeuten - schon ihren Urlaub beim Arbeitgeber eingereicht, um zur WM reisen zu können.

Die Lösung war dann: Neuansetzung des Turniers für August, Verlegung nach Calgary. Die Deutschen konnten diesmal fliegen, sie haben fünf Tage Einzelquarantäne auf den Hotelzimmern hinter sich gebracht und in Calgary ein Testspiel gegen Dänemark absolviert. Jetzt glauben sie, dass nichts mehr dazwischenkommt, dafür tragen sie brav Zwei-Meter-Abstands-Tracker am Handgelenk (»Unter der Apple Watch«, zeigt Jennifer Harss ihre Konstruktion) und glauben, dass dieser ungewöhnliche und anfangs verwünschte Ersatztermin gar nicht so schlecht ist. Der Rosenheimer Tom Schädler (53), seit Juli Bundestrainer der Frauen, sagt: »Unsere ersten beiden Spiele am Samstag und Montag sind um 12 Uhr Ortszeit, das ist in Deutschland 20 Uhr - ein guter Zeitpunkt, uns zu präsentieren, da es keine Profipunktspiele gibt.« Die Frauen haben das Eishockey-Publikum für sich. Mit Sprade.TV, das die Ligen unterhalb der DEL überträgt, hat sich kurzfristig noch ein Kanal gefunden, der die deutschen Partien streamt (gratis auf thefan.fm).

In der Weltrangliste stehen die deutschen Frauen auf Platz acht. Die Zielsetzung folglich: das Viertelfinale. Der Modus der Frauen-WM ist ungewöhnlich. In der A-Gruppe spielen die Topnationen USA (Serien-Champion), Kanada (seit neun Jahren nicht mehr Weltmeister), Finnland (2019 fast Weltmeister), Russland und Schweiz - sie erreichen alle sicher das Viertelfinale. In der Gruppe B treten die fünf als schwächer eingestuften Teams an (Deutschland, Japan, Tschechien sowie die Aufsteiger Dänemark und Ungarn), sie spielen um Plätze im Viertelfinale.

Zuschauer - die Entscheidung fiel am Donnerstag - sind vorerst nicht zugelassen in der Halle. Günter Klein

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