Hessen machen Schotten dicht

  • schließen

Eintracht Frankfurt hat sich vor dem Halbfinal-Rückspiel beim FC Chelsea von der Öffentlichkeit abgekapselt. Im Endspurt einer bislang rauschhaften Saison ist die Angst, alles zu verspielen, greifbar.

Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen. Vor den beiden "Wochen der Wahrheit" schottet sich Eintracht Frankfurt ab. Trainiert wird nur hinter breitflächigem Sichtschutz, Interviews geben die Spieler keine mehr. Selbst Trainer Adi Hütter und Sportvorstand Fredi Bobic sprechen nur, wenn sie unbedingt müssen. Die Vorbereitung auf das Halbfinal-Rückspiel in der Europa League beim FC Chelsea (Donnerstag, 21.00 Uhr/RTL und DAZN) und den Bundesliga-Endspurt mit Kampf um die Königsklasse soll durch nichts gestört werden.

Denn die Eintracht geht auf dem Zahnfleisch. Nach einer bislang rauschhaften Saison scheint die Angst, in den letzten drei Partien (fast) alles zu verspielen, mittlerweile beinahe ebenso groß wie der Glaube an die Krönung. Das 1:1 im Hinspiel gegen Chelsea lässt den Hessen an der Stamford Bridge zwar noch alle Chancen. Allerdings ist die Hürde beim Londoner Starensemble extrem hoch und auch in der Liga könnte der Pokalsieger im ungünstigsten Fall sogar noch bis auf Rang acht abstürzen.

Die Verschleißerscheinungen bei den Frankfurter Euro-Fightern sind unverkennbar. Zuletzt häuften sich die Verletzungen und Wehwehchen. Der Versuch, einige Stammkräfte zu schonen, ging beim 1:6 (1:6)-Debakel am Sonntag bei Bayer Leverkusen spektakulär schief. Von den letzten sieben Pflichtspielen konnte die Eintracht nur eines gewinnen. Man könne "Geschichte schreiben" oder sich "alles nehmen lassen", hatte Kevin Trapp bereits vor einigen Wochen erklärt. Zuletzt sah es eher nach Letzterem aus.

Die Wende zum Guten möchten die Adlerträger am liebsten bereits am Donnerstag einleiten, indem sie sich ihren Traum vom Europa-League-Finale in Baku erfüllen. Die Hoffnungen ruhen besonders auf der Rückkehr von Vizeweltmeister Ante Rebic, der in der Vorwoche gelbgesperrt gefehlt hatte. Mittelfeld-Motor Sebastian Rode (Zehenverstauchung) dürfte im Vergleich zum Leverkusen-Spiel ebenfalls wieder zur Verfügung stehen, sogar ein Einsatz des an den Bauchmuskeln verletzten Sturmtanks Sebastien Haller scheint nicht mehr ausgeschlossen.

Dessen Fehlen als Anker im Zentrum von Frankfurts furioser "Büffelherde" hatte sich in den vergangenen Partien eklatant bemerkbar gemacht. Ohne die Präsenz des Franzosen fehlte selbst einem Ausnahmekönner wie Luka Jovic, der offenbar weiter intensiv von Real Madrid umworben wird, der Raum, um sich zu entfalten. Haller war zuletzt zu einem Spezialisten nach Salzburg gereist, dessen Behandlung schlug laut Informationen der "Frankfurter Rundschau" gut an. Es ist ein Strohhalm der Hoffnung, an den sich die kurz vor dem Ziel ins Schlingern geratene Frankfurter Eintracht klammert.

Kommentare