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Auch Lokalmatador John Degenkolb (l., hier bei der Deutschland-Tour im August) startet bei Eschborn-Frankfurt.

Herausragend besetztes Rennen

  • VonRedaktion
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Vieles ist beim 60. Rad- klassiker Eschborn-Frankfurt etwas anders. Der ungewohnte Termin sorgt für ein erlesenes Feld. Viele Fahrer nutzen das Rennen im Rhein-Main-Gebiet als WM-Generalprobe.

Zweieinhalb Jahre sind eine lange Zeit. Immer wieder sah es in dieser Phase aus, als könne der Radklassiker Eschborn-Frankfurt stattfinden. Alles wurde geplant, Hygienekonzepte erstellt, durchorganisiert. Doch die Räder standen am 1. Mai 2020 und 1. Mai 2021 still. Nun kehrt das Traditionsrennen zurück. Doch die 60. Auflage am Sonntag wird sich wohl nicht ganz wie zu besten Zeiten anfühlen. Weil noch immer Corona-Hygienevorschriften zu beachten sind, müssen die Veranstalter notgedrungen gegen ihre eigenen Prinzipien agieren: Statt um möglichst viele Zuschauer zu buhlen, bitten sie nun die Menschen, möglichst nicht an die Strecke zu kommen. Die Sorge ist groß, dass an beliebten Publikums-Passagen wie dem Mammolshainer Berg zu viele Radfans eng beieinander stehen könnten. Dort kann schließlich nicht auf die 3G-Regel getestet werden.

Und so wird die Rekordzahl von rund 500 Streckenposten entlang der Strecke in Frankfurt und im Taunus im Einsatz sein. Sie sollen aufpassen und Zuschauer in dicht gedrängteren Bereichen bitten, einen Mund-Nase-Schutz zu tragen und Abstand zu halten. Beim Start in Eschborn (13.15 Uhr) sind keine Zuschauer zugelassen. Im Zielbereich an der Alten Oper in Frankfurt (Einlauf gegen 18 Uhr erwartet) immerhin 800. Stattdessen betonen die Veranstalter, man könne sich das Rennen doch auch ab 13.15 Uhr im HR-Fernsehen anschauen. Kuriose Zeiten.

Zu sehen gibt es dort freilich ein herausragend besetztes Profirennen - was auch durch die Verschiebung auf den ungewohnten späten 19. September möglich wurde. Der Radsport-Weltverband (UCI) erteilte Eschborn-Frankfurt eine bisher einmalige Sondererlaubnis für diesen Termin. Eigentlich hätte am Sonntag kein World-Tour-Rennen stattfinden dürfen, weil gleichzeitig in Belgien die Weltmeisterschaften beginnen - mit dem Einzelzeitfahren der Männer. Die UCI drückte beide Augen zu und befördert Eschborn-Frankfurt damit in eine elitäre Situation: Eine Woche vor dem WM-Höhepunkt, dem Straßenrennen der Männer am 26. September, treten zahlreiche Profis in der Rhein-Main-Region an, um ihre WM-Generalprobe zu absolvieren.

Diesmal kein Sprinter-Sieg?

Unter den 20 Teams (maximal mit jeweils sieben Fahrern) im Peloton befinden sich 13 Mannschaften aus der World-Tour: AG2R, Cofidis, Intermarché-Wanty-Gobert Matériaux, Bahrain Victorious, Bora Hansgrohe, Lotto Soudal, Movistar, Bike Exchange, Jumbo Visma, Trek-Segafredo, UAE Emirates, DSM und Israel Start-Up Nation. Aus Deutschland wird die komplette Elite erwartet: Pascal Ackermann, Nils Politt, Phil Bauhaus, Emanuel Buchmann, Simon Geschke, John Degenkolb, Rick Zabel und André Greipel (in seinem vielleicht letzten Rennen auf deutschem Boden). Aus dem Ausland haben sich weitere Topfahrer angesagt. Darunter Alexander Kristoff (Sieger 2014 bis 2018), die diesjährigen Tour-de-France-Etappensieger Patrick Konrad, Dylan Teuns und Bauke Mollema, Ex-Olympiasieger Greg van Avermaet, die Ex-Weltmeister Philippe Gilbert und Mads Pedersen, der ehemalige Tour-de-France-Sieger Vincenzo Nibali, der italienische Meister Sonny Colbrelli - und, und...

Der 187,5 Kilometer lange Kurs ist im Vergleich zur WM-Strecke etwas kürzer, dafür mit 3222 Höhenmetern gespickt. »Es ist nicht ganz das Profil wie bei der WM, wo die Berge etwas kürzer sind. Aber die Klassikerfahrer und Nicht-Sprinter werden sich bei uns testen und es nicht auf einen Sprint ankommen lassen«, meint Ex-Profi Fabian Wegmann. Der Sportliche Leiter von Eschborn-Frankfurt kann sich »vorstellen, dass einige Fahrer im Taunus versuchen werden, das Rennen schwer zu machen und eine Fluchtgruppe zu initiieren. In den vergangenen Jahren haben ja oft die Sprinter gewonnen, obwohl es Ausreißversuche gab. Das könnte sich nun ändern.«

Mehrere Teams sind bestens gewappnet für verschiedene Rennsituationen. Der deutsche Top-Rennstall Bora-Hansgrohe besitzt mit Deutschland-Tour-Sieger Nils Politt einen Kandidaten für eine Fluchtgruppe und hofft im Falle eines Sprintes auf die schnellen Beine von Titelverteidiger Pascal Ackermann (Sieger 2019).

Die meisten Teilnehmer stellt wieder die Velotour. Rund 6000 Hobbyfahrer starten in Eschborn zeitversetzt in Gruppen - getestet nach 3G-Regel. Angeboten werden zwei statt sonst drei Streckenlängen. Aber auch die Velotour findet statt. Alleine das ist ein Erfolg in diesen Zeiten.

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