Dopingprozess

Helferin packt aus

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(sid). Als Diana So. zu den heiklen Teilen ihrer Aussage kommt, stockt der Krankenschwester immer wieder die Stimme. Fertig gepackte Rucksäcke im goldenen Audi, Kontaktpersonen mit den Codenamen "General" oder "Triple X", Bluttransfusionen ohne Handschuhe und Tupfer - immer begleitet von Angst und Gewissensbissen: Am zweiten Verhandlungstag des Prozesses gegen den Erfurter Arzt Mark S. in München hat die erste Mitangeklagte ihre Beteiligung eingeräumt und konkrete Einblicke in das Dopingsystem gegeben. Dabei erinnerten viele Passagen ihrer mehrstündigen Einlassung an einen Krimi, dessen Handlung sich von Tallinn über Falun bin ins Zillertal und durch Hotelzimmer, Trachtenläden und Möbelgeschäfte ausbreitete.

"Die Behandlungen waren immer so, dass vor dem Rennen das Blut rein ging und nach den Rennen das Blut raus", sagte Diana So. "Die Beutel waren fertig. Was raus musste, habe ich per Whatsapp oder Telefonate bekommen." Die Überreste ihrer "Behandlungen" habe sie auf der Heimfahrt auf einem Rastplatz entsorgen sollen. Geldprobleme seien ein Grund für ihre Beteiligung gewesen, immer wieder habe sie aufhören wollen. Es sei jedes Mal "die Panik mitgereist".

So. berichtete von den Anfängen der Zusammenarbeit. Sie sei 2017 auf einem Weihnachtsmarkt vom Hauptangeklagten angesprochen worden. "Es würde um Transporte, um Blut und um Sportler gehen. Er wüsste, dass ich nichts sagen würde", sagte die Mitangeklagte, die Mark S. zu diesem Zeitpunkt bereits länger kannte. 200 Euro habe sie pro Tag bekommen. Anreise nicht eingerechnet, keine Spesen. In einem goldenen Audi sei sie 2017 zu ihrem ersten Einsatz nach Toblach/Südtirol gefahren. Sie dachte, lediglich als Botin eines Rucksackes, doch dann sollte sie auch die Infusionen legen. Mittlerweile habe sie Abstand gewonnen. "Ich schäme mich dafür und würde das gerne rückgängig machen", sagte sie unter Tränen. Ihre Kontaktpersonen habe sie lediglich per Tarnnamen gekannt. Bekannt ist bisher die Verwicklung von 23 Athleten. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

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