Sein letzter Weg: Diego Maradona wird auf dem Privatfriedhof Jardin Bella Vista an der Seite seiner Eltern beigesetzt. FOTO: AFP
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Sein letzter Weg: Diego Maradona wird auf dem Privatfriedhof Jardin Bella Vista an der Seite seiner Eltern beigesetzt. FOTO: AFP

Hauen und Stechen

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Diego Maradona ist an der Seite seiner Eltern beigesetzt worden, doch Ruhe um die Legende kehrt nicht ein. Der Streit um das Erbe ist entbrannt.

Als die Sonne über Buenos Aires langsam unterging, senkte sich auch der Sarg von Diego Maradona Stück für Stück in die Erde auf dem Friedhof Jardin Bella Vista. Seine Ex-Frau Claudia Villafane, die Töchter Dalma und Gianinna trauerten am Grab des argentinischen Nationalhelden, es war ein stiller Abschied im engsten Kreis. Pele, der große Brasilianer, schickte einen Kranz mit der Aufschrift: "Gott gab ihm Genie, die Welt gab ihm Liebe."

Maradona ruht jetzt an der Seite seiner Eltern, hoffentlich in Frieden. "Dies ist ein sehr schwieriger und intimer Moment für die Familie", sagte ein Angehöriger der Nachrichtenagentur AFP, nachdem Maradona aus dem Präsidentenpalast auf den Friedhof überführt worden war. Ein Leichenwagen fuhr den mit der argentinischen Flagge umhüllten Sarg in den "Garten der schönen Aussicht", entlang der Straßen standen Tausende und huldigten ihrem Idol, nachdem es zuvor bei der Aufbahrung zu Tumulten gekommen war. Absperrungen wurden niedergerissen, es brach Panik und Chaos aus. Ein Gruppe von Fans ging mit Steinen und Flaschen auf Sicherheitskräfte los.

Längst ist auch Unruhe in Maradonas Familie ausgebrochen, es tobt der Streit um das Erbe des Weltmeisters von 1986. Seine letzte Lebensgefährtin Rocio Oliva bekam von seiner Verwandtschaft die Tür zum Präsidentenpalast Casa Rosada förmlich vor der Nase zugeschlagen. "Dafür werden sie bezahlen", wütete die TV-Moderatorin.

Schließlich geht es auch um Reichtümer. "Ich sage euch allen, dass ich nichts hinterlassen werde, dass ich alles spenden werde", hatte Maradona im vergangenen November den "Geiern" in seinem familiären Umkreis gedroht. Argentiniens Gesetz garantiert rechtmäßigen Erben aber einen fixen Anteil.

Seine einzige Ex-Frau, Claudia Villafane, mit der er schon zu Lebzeiten im Prozesskrieg lag, sowie ihre gemeinsamen Töchter Dalma und Gianinna übernahmen nach Maradonas Gehirn-OP Anfang November demonstrativ das Kommando. Aber auch in Diego Junior, Jana und Diego Fernando fließt Maradona-Blut, sie stammen aus drei seiner Liebschaften. Zudem laufen in Kuba noch drei Vaterschaftsprozesse.

Derweil versuchen die Behörden, Maradonas letzte Stunden zu rekonstruieren. Die Ermittler fanden Schachteln mit Psychopharmaka und Ampullen mit Arzneien gegen Sodbrennen und Übelkeit an seinem Bett. Wann ist er genau gestorben? Und warum hat weder der Nachtwächter noch die Pflegerin der Frühschicht nach dem Rechten gesehen? Sie wollten ihn schlafen lassen, erfuhr Argentiniens Nachrichtenagentur Telam aus Ermittlungskreisen.

Licht ins Dunkel könnte sein Leibarzt Leopoldo Luque bringen, der Maradona am 2. November - drei Tage nach dessen 60. Geburtstag - zum Check-up in ein Krankenhaus einlieferte. Am 4. November entfernte Luque einen Bluterguss in Maradonas Kopf und schickte seinen Patienten nach nur acht Tagen Regeneration wieder nach Hause. Der Neurochirurg wurde beim bewegten Abschied von Maradona nicht gesichtet.

Maradonas Anwalt forderte am Tag der weltweiten Trauer eine Untersuchung "bis zur letzten Konsequenz. Diego hat mir immer gesagt: Du bist mein Soldat, handle ohne Erbarmen", sagte Matias Morla, der vor allem wissen will, warum die eigens verpflichtete Rund-um-die-Uhr-Pflege nicht funktionierte. Die Ermittler sind aber noch an mehr interessiert, sie entnahmen bei der Autopsie Urin und Blut zur genaueren Analyse. Laut Telam seien Maradonas Herz ("doppelt so groß wie ein normales"), Fettgewebe und Haare im Labor. Vorerst heißt es offiziell, dass Maradona einen krankhaft erweiterten Herzmuskel hatte, der neben einem Lungen-Ödem zum Stillstand führte.

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