Hamilton will anders sein

Rockstar, Biest, eiskalter Rennfahrer – an Lewis Hamilton scheiden sich die Geister. Der Formel-1- Weltmeister polarisiert, wie es vor ihm nur die ganz Großen der Branche getan haben. In Sepang will er wieder an seinem Mercedes-Kollegen Nico Rosberg vorbeiziehen.

Ein Basecap mit gebogenem Schirm? Undenkbar! Teamkleidung oder gar ein langweiliger Trainingsanzug? Jesus, no! Lewis Hamilton legt großen Wert auf sein Äußeres, auf Klamotten, Bling-Bling und Lifestyle. Lewis Hamilton unterscheidet sich so sehr von seinen Formel-1-Kollegen, dass man ihn fast schon als Exot bezeichnen könnte. Und Lewis Hamilton ist deshalb im Fahrerlager – beliebt? Nein, ganz und gar nicht.

Der Weltmeister polarisiert, wie es vor ihm nur die ganz Großen der Branche getan haben. Wie Ayrton Senna, Gilles Villeneuve oder dessen Sohn Jacques, wie Jochen Rindt, Alain Prost oder nicht zuletzt Michael Schumacher – von den Kollegen zumeist gehasst, von den Fans ob ihres Draufgängertums geliebt. "Ich suche in der Formel 1 keine Freunde", sagt Hamilton. Er hat auch keine, vor allem der Feind im eigenen Team ist ihm alles andere als wohlgesinnt. Mit Nico Rosberg, der ihm zuletzt die WM-Führung vor der Nase weggeschnappt hat, verbindet den Briten eine tiefe gegenseitige Abneigung. "Ein guter Fahrer" sei Rosberg, sagt Hamilton gerne, und er sagt es immer so, dass sich der spöttische Unterton einfach nicht überhören lässt. Sechs Rennen bleiben Hamilton noch, um den Acht-Punkte-Rückstand auf Rosberg aufzuholen und am Ende zum insgesamt vierten Mal und zum dritten Mal in Folge König der Racer zu werden. In Sepang, wo am Sonntag (9 Uhr MESZ/RTL und Sky) der 16. von 21 WM-Läufen 2016 stattfindet, gab sich der Exzentriker am Donnerstag ungewohnt defensiv. "Ich werde alles geben, aber erst die Zeit wird zeigen, ob es am Ende reicht", sagte er mit gewohnt leiser Stimme und gewohnt leisem Lächeln um die Mundwinkel. Auf der Strecke ist Lewis Hamilton nicht leise und auch nicht defensiv, er ist ein gnadenloser Racer. Die Fairness lässt er dabei so manches Mal außer Acht. Nicht erst einmal mussten die beiden Mercedes-Piloten zum Rapport bei der Teamleitung, weil zumeist Hamilton als Aggressor auf der Piste Rosberg keinen Platz und keine Chance gelassen hatte. "Das ist mein Job, ich werde bezahlt, um Rennen zu gewinnen", sagt er dazu. Jederzeit, um jeden Preis. Mit seinem Team, so scheint es, war der Champion in dieser Saison nicht hundertprozentig zufrieden, "Wir müssen uns am Ende des Jahres zusammensetzen und herausfinden, wo wir 2017 besser sein können", sagte er in Sepang. Eine defekte Hydraulik wie zuletzt in Singapur oder ein kompletter Motorentausch, der ihn in Belgien ans Endes des Starterfeldes versetzte, passen nicht in das Weltbild des Rennfahrers Lewis Hamilton. Es habe, sagte er in Malaysia, zuletzt so viele "Faktoren von außen gegeben, die meine Resultate beeinträchtigt haben. Es gibt zahlreiche Gründe dafür, dass ich jetzt und hier der Jäger und nicht der Gejagte bin." Er könne deshalb "nur hoffen, dass das Glück in den letzten sechs Rennen etwas ausgeglichener ist".

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