Wer hält die Kabine sauber?

  • vonred Redaktion
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(fr). Zurzeit sucht der frühere niederländische Nationalspieler Jonathan de Guzman einen neuen Arbeitgeber. Der fast 33-Jährige hat nach drei Jahren, zwei Halbfinals und einem Pokalsieg seine Zelte in Frankfurt abgebrochen oder, besser, abbrechen müssen, weil die Eintracht keine Verwendung mehr für den Mittelfeldspieler hatte.

Johnny de Guzman aber war wichtig, er ist ein Typ mit hoher Akzeptanz, Empathie und sozialem Bewusstsein, er hat viel erlebt, er ist das, was man, zumindest in Fußballerkreisen auf professionellem Niveau, eine Führungskraft nennt.

De Guzman war ein Mosaikstein im Eintracht-Ensemble, auch wenn er sportlich nicht zu denen zählte, die die Mannschaft auf ein anderes Niveau gehievt hätten. Da ging es ihm nicht anders als Gelson Fernandes, Marco Russ oder Jan Zimmermann.

Sie haben Schluss gemacht, der kluge Fernandes ist in die Schweiz zurückgekehrt und wird auf anderem Terrain Karriere machen, Russ wird bei der Eintracht eingegliedert, Zimmermann hat schon im Winter die Seiten gewechselt und ist vom Torwart zum Vorgesetzten der Torhüter aufgestiegen.

Sie alle haben die Eintracht fußballerisch nicht geprägt, waren aber die Ausputzer, das starke Team hinter dem ersten Team, haben dafür gesorgt, dass alles läuft und keiner seine persönliche Empfindlichkeit über das Wohl des Ganzen stellt. "Ich war mehr als ein Spieler", sagt Fernandes. "Ich coachte die Jungs, redete auf sie ein, motivierte sie ständig, ich tat alles für meine Mannschaft. Und sie hörten auf mich, weil sie wussten, dass ich Erfahrungen gesammelt habe."

Die SGE muss ein Quartett ersetzen

Auch Sportvorstand Fredi Bobic weiß: "Diese Jungs haben die Kabine sauber gehalten. Das sind Spieler, die die DNA vorleben." Und nun? Entsteht das große Vakuum?

Es gibt zumindest wenige Spieler, die diese Fülle an Autorität, sozialer Kompetenz und Integrationsfähigkeit mitbringen. Natürlich ist ein Gerüst vorhanden, Kapitän David Abraham ist vor allem für die ausländischen Spieler (gerade aus dem iberischen oder südamerikanischen Raum) enorm wichtig, aber der Argentinier wird den Klub spätestens in einem Jahr verlassen, er ist keiner, der das große Wort für alle führt. Das gilt auch für Makoto Hasebe, der ein Vorbild ist, aber nicht durch Interaktion in der Kabine, sondern eher durch seine Disziplin, Einstellung und Leistung.

Martin Hinteregger wäre ein Kandidat, aber der Österreicher ist ein gänzlich eigenwilliger Typ, kein klarer Anführer, dem alle folgen. Stefan Ilsanker hätte von der Persönlichkeit her das Zeug zum Leader, so wird er auch von Coach Adi Hütter gesehen, er ist durchaus beliebt bei den Kollegen, aber der 31-Jährige ist erst ein Dreiviertel Jahr an Bord.

Bleiben Sebastian Rode und Kevin Trapp. Rode ist die Ausgeburt an Willen, Leidenschaft und auch Leidensfähigkeit, er ist einer, der sich aufopfert für sein Team, aber aufgrund seines Naturells eher keiner, der eine Kabine im Griff hat.

Für Kevin Trapp spricht seine Erfahrung, sein Charisma, er ist das Gesicht der Mannschaft, Trainer Hütter hält große Stücke auf ihn, ist sein Vertrauter. Trapp ist einer, der sich zu verkaufen weiß, der Außenminister. Sein Ehrgeiz ist ausgesprochen ausgeprägt - doch Torhüter führen per se ein Eigenleben in der Gruppe, ob der 30-Jährige also eine ganze Mannschaft hinter sich versammeln kann?

Etwas unterschätzt, ganz sicher, wird der Wetterauer Timothy Chandler, der als Gute-Laune-Typ und Scherzbold gilt. Das ist er auch, selten schlecht gelaunt, doch er hat auch andere, ernste Seiten. Und: Es gibt keinen Spieler, der mehr Freunde im Team hat. Ein nicht zu unterschätzendes Gut.

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