+

Große Enttäuschung

  • vonDPA
    schließen

Das selbst gesteckte Ziel EM-Halbfinale haben Deutschlands Handballer nach der bitteren 24:25- Niederlage gegen Kroatien verfehlt. Der Bundestrainer will die ausstehenden Spiele mit Blick auf die Olympia- Qualifikation nutzen. Ziehen die Spieler um Tor-hüter Andreas Wolff mit? Eine erste Antwort gibt es heute gegen Österreich.

Gezeichnet von einer kurzen Nacht schworen sich Deutschlands Handballer nach dem bitteren Ende aller realistischen Medaillenträume auf den EM-Charaktertest gegen Österreich ein. "Wir haben uns zusammengesetzt und gesagt, dass es weitergeht. Wir haben in der Hauptrunde ein anderes Gesicht gezeigt, genauso wollen wir das fortführen, auch wenn das Ziel Halbfinale abgeschrieben ist", berichtete Kapitän Uwe Gensheimer am Sonntag über die Teamsitzung gleich nach dem Frühstück.

Auch wenn das 24:25 (14:11) am Samstagabend gegen Kroatien bei allen Beteiligten um Torhüter Andreas Wolff (Foto) nachwirkte, erwartet DHB-Vizepräsident Bob Hanning eine Trotzreaktion. "Es ist elementar wichtig für Mannschaft und Trainer, das Turnier erfolgreich zu Ende zu bringen. Es geht um den Willen und die Bereitschaft, nach solch einer Enttäuschung zurückzukommen", sagte Hanning im Teamhotel in der Wiener Südstadt.

Die Partie gegen Co-Gastgeber Österreich heute (20.30 Uhr/ARD) wird also zum ultimativen Charaktertest für Gensheimer und Co. "Ich habe in die Mannschaft reingehorcht und eine klare Antwort bekommen: Wir wollen weiter Vollgas geben", verkündete Bundestrainer Christian Prokop. "Es ist ganz wichtig, dass wir die EM nach der ersten Enttäuschung noch intensiv nutzen."

Auf das im Kampf um den Einzug ins Halbfinale benötigte Handball-Wunder hoffen selbst die größten Optimisten nicht mehr. "Die Chance liegt im Promillebereich. So betrunken kann ich gar nicht sein, das zu glauben", sagte Hanning. Zu unrealistisch ist das Szenario, bei dem unter anderem der im Turnier noch ungeschlagene Titelverteidiger Spanien mit sieben oder acht Toren Unterschied gegen Weißrussland verlieren müsste.

Die EM-Reise kann aber immer noch in Stockholm enden - wenn auch nur im Spiel um Platz fünf. "Es wäre eine Enttäuschung, wenn wir das nicht erreichen. Diesem Druck müssen wir Stand halten", bekräftigte Hanning die neue Zielsetzung. Dazu müssen Siege gegen Österreich und zum Abschluss der Hauptrunde gegen Tschechien her.

Im Duell mit dem Gastgeber geht es auch um ganz viel Prestige. "Für Österreich ist es das Spiel des Jahres", sagte Prokop und nahm vor allem Gensheimer in die Pflicht: "Es wird wichtig sein, wie Uwe voran geht. An ihm orientieren sich viele Spieler." Der Kapitän versprach: "Wir werden keinen Deut zurückstecken."

Hanning ist gespannt darauf, ob die nach dem Frusterlebnis gegen Kroatien geschockte Mannschaft den Worten auch Taten folgen lässt. Direkt nach dem Abpfiff des Handball-Krimis, bei dem mehr als sechs Millionen TV-Zuschauer mit der lange stark aufspielenden deutschen Mannschaft litten, herrschte zunächt nur Leere. "Der Stachel sitzt tief. Es tut einfach nur weh", beschrieb Gensheimer die Gefühle. Nur dreimal, beim 1:0, beim 2:1 und beim 25:24 hatten die Kroaten geführt. Im Tollhaus der Wiener Stadthalle hatte das Prokop-Team den Gegner 45 Minuten lang im Griff, leistete sich in der Endphase aber einiger technische Fehler zu viel.

Der Bundestrainer ist jetzt gefordert, die Mannschaft so einzustellen, dass sie die erste XXL-Endrunde zu einem vernünftigen Abschluss bringt. Doch schon jetzt steht fest: Nach dem verletzungsbedingten Ausfall mehrerer Rückraumspieler fehlte dem DHB-Team trotz eines in der Hauptrunde überragenden Andreas Wolff im Tor die Klasse, auf allerhöchstem Niveau bestehen zu können. "Wir müssen konstatieren, dass der Kader nicht ausgereicht hat, um das Halbfinale zu erreichen", resümierte Hanning. Anlass zu einer Trainerdiskussion sieht er deshalb nicht. Es gebe "im Moment überhaupt keinen Bedarf, darüber zu sprechen. Ich gehe auch nicht davon aus, dass es nach dem Turnier dazu kommt", betonte der DHB-Vizepräsident. Immerhin steht Mitte April schon der Kampf um das Olympia-Ticket an. "Deshalb sollten wir das Turnier tunlichst nicht als beendet ansehen und dafür sorgen, dass wir nach Stockholm kommen und diese positive Energie dann ins Qualifikationsturnier nach Berlin mitnehmen", forderte Hanning.

Die Statistik

Kroatien - Deutschland 25:24 (11:14): Kroatien: Sego, Asanin; Karacic (7), Duvnjak (5/2), Stepancic (4), Cindric (3), Mandic (3), Horvat (1), Maric (1), Brozovic (1).

Deutschland: Wolff (Kielce), Bitter (Stuttgart) - Kastening (Hannover/4), Gensheimer (Rhein-Neckar Löwen/4), Weber (Leipzig/4), Reichmann (Melsungen/4/4), Häfner (Melsungen/3), Kühn (Melsungen/1), Böhm (Hannover/1), Drux (Berlin/1), Schmidt (Stuttgart/1), Kohlbacher (Rhein-Neckar/1), Pekeler (Kiel), Wiencek (Kiel), Zieker (Stuttgart).

Im Stenogramm: Schiedsrichter: Santos/Fonseca (Portugal). - Zeitstrafen: 8:16 Minuten. - Siebenmeter: 5/2:4/4. - Zuschauer in Wien: 9000 (ausverkauft). FOTO: DPA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare