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Der große Eintracht-Frankfurt-Check vor dem Saisonstart

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Leistungsträger sind gegangen oder verletzt, die Neuen noch kaum einzuordnen. Erneut ist die Ungewissheit bei Eintracht Frankfurt vor dem Start der Fußball-Bundesliga groß. Die Saisonvorschau.

Gegen eine Wiederholung der Geschichte hätten sie in Frankfurt nichts einzuwenden: Vor exakt einem Jahr, kurz vor Saisonbeginn, schwante der Frankfurter Presse Böses, die neu zusammengestellte internationale Eintracht würde schnurstracks dem Abstieg entgegensteuern. Die Skepsis war nüchtern betrachtet durchaus angebracht – zur Winterpause stand die Eintracht auf Platz vier, rockte die Fußball-Bundesliga, war auf Champions-League-Kurs.

Zwar war die Rückrunde so schlecht wie die Hinrunde gut, insgesamt aber hätte niemand etwas gegen eine Wiederholung – denn auch jetzt, kurz vor dem Start beim SC Freiburg (So., 15.30 Uhr), ist die Ungewissheit groß. "Keiner weiß, wo er steht", sagt Trainer Niko Kovac. Die Eintracht weiß noch ein bisschen weniger, wie es um ihre Leistungsstärke bestellt ist. Denn das Team ist wieder neu.

Die Vorbereitung: Am Ende der Vorbereitung standen beim 3:0-Pokalsieg in Erndtebrück nämlich nur noch drei Spieler in der Startelf, die auch in der ersten Pokalrunde des Vorjahres in Magdeburg dabei waren: Lukas Hradecky, Abraham und Branimir Hrgota. Kein Oczipka, Vallejo oder Mascarell mehr, dafür nun Tawatha, Fernandes oder Haller. Zwar steigen die Summen im Profifußball, trotzdem haftet Stürmer Sebastién Haller nun der Zusatz "teuerster Transfer der Vereinsgeschichte" an. Bislang konnte der 23-Jährige, der in den letzten drei Spielzeiten in der niederländischen Eredivise immer zweistellig traf, aber noch nicht überzeugen. Die Vorbereitung war nicht seine, vielleicht gibt ihm der 3:0-Treffer im Pokal nun Auftrieb. Die Eintracht braucht Haller, Torgefahr ist aktuell rar gesät.

Testspielergebnisse haben naturgemäß kaum Aussagekraft, insgesamt gab es in acht Freundschaftsspielen drei Siege, drei Remis und zwei Niederlagen. "Wenn man die Ergebnisse der Freundschaftsspiele als Maßstab nimmt, könnte man ja denken, alle Bundesligavereine seien in der Krise", sagte Kovac unlängst.

Bedeutsamer ist, dass man möglichst verletzungsfrei aus der Vorbereitung kommt. Das gelang nicht. Die Stützen im Mittelfeld, Omar Mascarell (Achillessehnen-OP) und Marco Fabian (Probleme an der Lendenwirbelsäule) fehlen in den ersten Spielen garantiert, Innenverteidiger Carlos Salcedo (Schultereckgelenksprengung) könnte bis zum Freiburg-Spiel fit werden. Ob Alex Meier (Sprunggelenk-OP, Borreliose) überhaupt noch einmal eine tragende Rolle spielt, ist fraglich.

Stärken: Trainer Niko Kovac hat schon im letzten Jahr bewiesen, dass er aus vielen neuen Spielertypen eine starke Mannschaft formen kann. Der Glaube daran, dass das wieder möglich ist, sollte der Eintracht Kraft geben – wieder muss sie über die Kompaktheit und die Aggressivität in den Zweikämpfen zu einem unbequemen Gegner werden. Mit Lukas Hradecky ist einer der stärksten Keeper der letzten Bundesliga-Saison geblieben. Zudem befinden sich die in Frankfurt bereits bekannten Timothy Chandler und Mijat Gacinovic im Formhoch.

Schwächen: Die individuelle Klasse der Hessen ist nicht so groß, als dass Ausfälle mehrer Leistungsträger locker weggesteckt werden können. Gerade der Start der Saison ist wichtig und da ist die Eintracht weit von ihrer Bestbestzung entfernt. Die Defensive um Stabilisator David Abraham, der im Pokal nach knapp 20 Minuten Rot sah, muss beweisen, dass sie sicher steht – Zweifel sind aktuell angebracht, egal ob mit Dreier- oder Viererkette verteidigt wird.

In der letzten Rückrunde schossen die Frankfurter in 17 Partien nur 14 Tore – weniger als jeder andere Bundesligist. Es gab in der Vorbereitung jetzt nicht so viel Gründe, die auf Besserung schließen lassen. Die Torgefahr beschränkt sich aktuell auf Gacinovic, Hrgota und Haller – Standards könnten noch helfen, mit den kopfballstarken Innenverteidigern Abraham und Russ.

Prognose: Das Vertrauen in Coach Kovac, die Zähigkeit des Teams und das Potenzial der Neuzugänge ist da – eine Saison ohne Abstiegssorgen wäre deshalb der Normalfall, Abweichungen nach unten dürfen aber auch keinen überraschen, dafür hat das Team aktuell zu wenig fixe Größen. Für einen einstelligen Tabellenplatz müsste der Start gelingen und die Neuzugänge zünden.

Termine

Diese Spiele sind bereits terminiert

20. August (15.30 Uhr) - SC Freiburg (A) 26. August (15.30 Uhr) - VfL Wolfsburg (H) 09. September (15.30 Uhr) - Mönchengladbach (A) 16. September (15.30 Uhr) - FC Augsburg (H) 20. September (18.30 Uhr) - 1. FC Köln (A) 23. September (15.30 Uhr) - RB Leipzig (A)

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