Große Ankündigung im Titelrausch

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Lewis Hamilton schickt sich an, die Rekordlisten der Formel 1 zu erobern. Statt Titelfiesta in Mexiko sucht der Weltmeister aber erst einmal Ruhe bei einem Peru-Trip. Sein Rivale Sebastian Vettel wird indes noch lange an der Niederlage zu knabbern haben.

Nach seinem Titel-Rausch in Mexiko versucht sich Lewis Hamilton bei einem Besuch von Perus legendärer Inkastadt Machu Picchu wieder zu erden. Bei dem Trip auf fast 2500 Meter Höhe will der neue Formel-1-Weltmeister Abstand gewinnen von der Champagner-Stimmung und den überwältigenden Emotionen nach der Vollendung seiner vierten Titelmission. Aber nicht ohne vor seiner Abreise zum Schrecken seines geschlagenen und deprimierten Rivalen Sebastian Vettel anzukündigen: "Vier ist eine fantastische Zahl, aber jetzt möchte ich Nummer fünf!"

Vettel dürfte diese Worte des Mercedes-Superstars mit Unbehagen vernommen haben, so sehr er das Duell mit dem nunmehr erfolgreichsten britischen Piloten auch schätzt. An einem seiner düstersten Tage in der Motorsport-Königsklasse wollte der geschlagene Ferrari-Star am glanzvollen Bild des Briten jedoch nicht kratzen. "Er hat es verdient, er fährt eine sehr starke Saison, er war insgesamt der bessere Mann", sagte Vettel. Der 30 Jahre alte Deutsche hat seit Sonntag bittere Gewissheit, dass er auf seinen fünften WM-Titel weiter warten muss. "Zu realisieren, dass es dieses Jahr nicht geklappt hat, ist hart", räumte Vettel mitgenommen ein. Zwei Rennen stehen noch aus: "Jetzt haben wir ein paar Tage frei, dann versuchen wir, die Saison so zu Ende zu bringen, wie es das Team verdient hat", sagte Vettel. Sein vierter Rang in Mexiko war zu wenig, Hamiltons neunter Platz reichte aus.

Nicht Vettel, sondern Hamilton macht sich weiter auf den Weg, die Rekordlisten der Formel 1 neu zu schreiben. "Eine von den Göttern gesegnete Saison", pries die französische Zeitung "Le Figaro". 2008, 2014, 2015 und 2017 wurde Hamilton Weltmeister, vier Titel wie nur Vettel und Alain Prost noch. Ein weiterer fehlt dem 32-Jährigen, um mit Juan-Manuel Fangio gleichzuziehen, drei sind es bis zur Rekordmarke von Michael Schumacher. "Hamilton ist zur Zeit ganz einfach der talentierteste Fahrer in dem Sport", befand "The Independent".

91 Rennsiege gelangen Ex-Rennfahrer Schumacher, Hamilton steht bei 62. "Ich richte mich nicht an Rekorden aus", betonte Hamilton allerdings in Mexiko-Stadt nach einem Grand Prix, den so vermutlich niemand erwartet und Hamilton am wenigsten erhofft hatte: "Ehrlich gesagt, war es eine schreckliche Art, es so zu schaffen."

Auf die ganz große WM-Party wollten der Brite und sein Team nach dem denkwürdigen Rennen noch verzichten. Der Mann aus dem mittelenglischen Stevenage schien auch nicht das große Bedürfnis nach einer großen Fiesta zu haben. Nach den ersten Freude-Ausbrüchen wirkte er eher nachdenklich. In Medienrunden philosophierte er mehr, als dass er Fragen beantwortete. "Die Formel 1 ist der Gipfel des Sports, aber es bedeutet nicht, dass man nicht immer noch große Dinge tun kann", war eine seiner Erkenntnisse. "Etwas anderes zu tun, das einem hilft, seine Individualität hervorzuheben, ist wirklich wichtig, und das ist etwas, woran ich arbeite."

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