Rekordweltmeister Lewis Hamilton verdrückt nach seinem siebten Titelgewinn in der Türkei einige Freudentränchen. FOTO: AFP
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Rekordweltmeister Lewis Hamilton verdrückt nach seinem siebten Titelgewinn in der Türkei einige Freudentränchen. FOTO: AFP

"Der Größte unserer Generation"

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(sid). So außergewöhnlich die Leistung des neuen Rekordweltmeisters, so simpel war sein Party-Plan. "Minestrone und eine Flasche Wein", sagte Lewis Hamilton grinsend, mehr brauche er nicht am Ende dieses großen Tages in Istanbul. Der Engländer gönnte sich einen ruhigen Heimflug nach Monaco - der Rest der Sportwelt lief derweil heiß beim Versuch, Hamiltons siebten WM-Titel einzuordnen.

So groß wie Schumacher, größer als Schumacher, der Größte aller Zeiten. Man war sich einig und doch auch uneinig darüber, wo Lewis Hamilton von nun an rangiert. Sebastian Vettel, einst Dauerrivale des Briten, warb für einen pragmatischen Ansatz. Und zeigte sich dabei uneitel: "Es ist schwierig, verschiedene Generationen zu vergleichen, vielleicht würden wir uns in den Autos von damals in die Hosen machen", sagte der Ferrari-Pilot, "aber jede Ära hat ihren Fahrer. Und Lewis ist ohne jeden Zweifel der Größte unserer Generation."

Als "unglaublich" bezeichnete Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff die Leistung seines wichtigsten Angestellten. Mit seinem Sieg auf dieser phasenweise unbefahrbaren Rutschbahn am Bosporus habe Hamilton "wieder gezeigt, wie herausragend er ist". Er habe gar "seinen Status als einer der besten Sportler der Welt zementiert". Der erfolgreichste Formel-1-Pilot der Geschichte ist er ohnehin, das belegen die Zahlen. Allerdings hat Lewis Hamilton spätestens in diesem Jahr dafür gesorgt, dass er nicht bloß durch seine schon fast 100 Siege in Erinnerung bleiben wird.

Die britische "Sun brachte das auf den Punkt. Hamilton sei "größer als die Formel 1" und zwar wegen seiner Arbeit neben der Strecke: "Ja, er ist verdammt gut in dem, was er tut. Aber er steht auch auf für die Dinge, an die er glaubt. Und das geht über den Sport hinaus." Umweltschutz, Tierschutz, Veganismus, Spendenaktionen - Hamilton war schon in den vergangenen Jahren kaum noch der Jetsetter, der Party-König, als den ihn die Formel 1 seit 2007 kennengelernt hatte. Ernsthafte Themen rückten in den Mittelpunkt. Das Jahr 2020 brachte nun aber eine neue Qualität. Hamilton verschrieb sich nicht nur abseits der Rennstrecke mit Leidenschaft der Black-Lives-Matter-Bewegung, er mahnte auch innerhalb des Sports den Kampf für Gleichberechtigung an.

Mit 20 Millionen Followern allein bei Instagram ist Hamiltons Reichweite gewaltig. Und der 35-Jährige ist sich seiner Vorbildfunktion bewusst. Erfolge im Sport seien eine schöne Sache, sagte er, aber "es gibt einen viel größeren Sieg, für den alle weiterkämpfen sollten: mehr Gleichheit und mehr Vielfalt."

Nebenbei, sagte Hamilton, könne er durchaus weiter Rennen fahren. Und verriet damit schon mal, dass es ziemlich gut aussieht mit einer Fortsetzung der Karriere. Der Vertrag läuft im Winter aus, Zweifel an einer Verlängerung gibt es eigentlich keine mehr.

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