Francesco Friedrich
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Francesco Friedrich

Der größte Fisch im Teich

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(sid). Wenn Francesco Friedrich über seinen nächsten Auftritt bei der Heim-WM spricht, dann wirkt er nimmersatt - und vielleicht ist genau das sein Erfolgsgeheimnis. Am Wochenende im Viererbob kann der Sachse Rekordweltmeister werden, es wäre ein Meilenstein einer Karriere, die längst nicht zu Ende ist. Doch irgendwie reicht ihm das noch nicht.

"In Altenberg ist es kalt geworden, das Eis wird also richtig schnell", sagt Friedrich: "Dann wollen wir auch gleich den Bahnrekord von Andre Lange pulverisieren." Das ist exemplarisch für diesen Sportler, der längst aus dem Schatten deutscher Bob-Ikonen wie Lange oder Christoph Langen getreten ist. Der vor Jahren als Jahrhundert-Talent Gepriesene hat die Erwartungen erfüllt: Bei den vergangenen drei Großereignissen - WM 2017, Olympia 2018 und WM 2019 - blieb Friedrich in beiden Schlitten ungeschlagen. Am vergangenen Wochenende gewann er dann in Altenberg seinen sechsten Zweier-Titel in Serie - Rekord. So überlegen ist Friedrich seit Jahren, dass andere Reize und Herausforderungen nicht schaden können. "Und die suche ich mir in den Statistiken. Mich faszinieren Rekorde für die Ewigkeit", sagte er einmal, "ich möchte etwas erreichen, woran sich andere die Zähne ausbeißen."

Das hat er im Zweier nun geschafft, seit 2013 ist er ununterbrochen Weltmeister. Eine solche Serie hat es in knapp 90 Jahren Bob-WM nicht gegeben. Einst galt der kleine Schlitten als Friedrichs einziger Schwerpunkt, mittlerweile ist er aber an den Lenkseilen so stark, dass auch in der Königsdisziplin die großen Siege an ihn gehen. Gewinnt er am Sonntag die Vierer-WM, dann hat er das dreimal in Folge geschafft. Und mit dann insgesamt neun WM-Titeln im Zweier und Vierer wäre Friedrich Rekordchampion, gemeinsam mit Eugenio Monti - der Italiener war in den Fünfziger- und Sechzigerjahren aktiv, als die Leistungsdichte bei weitem noch nicht so hoch war.

Mit Nico Walther und Johannes Lochner hat der deutsche Verband zwei weitere Vierer-Piloten im Rennen, die nach ganz vorne fahren könnten. Bundestrainer Rene Spies warnt allerdings vor der schwierigen Bahn und vor der internationalen Konkurrenz. Er hat dabei vor allem den Kanadier Justin Kripps und Oskars Melbardis aus Lettland im Kopf. Diesen dürfe man in den vier WM-Läufen keine Angriffsfläche bieten, "sonst sind sie wie Haie, die einen kleinen Tropfen Blut riechen. Die beißen sofort zu." Der größte Fisch im Teich ist aber zweifellos Friedrich. FOTO: DPA

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