Fußball

Für Götze bleibt nur das Ausland

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Mario Götze war über Jahre das Fußballtalkthema schlechthin. Andere Spieler verschwinden aus der Wahrnehmung, wenn sie nicht spielen, bei ihm war es die Geschichte: Der Fall des Supertalents, immer tiefer, mit jedem Spiel, das nicht seines war.

Am Samstag in Wolfsburg ging es wieder ein Stück nach unten. Bei Borussia Dortmunds 2:0-Sieg in Wolfsburg nutzte Trainer Lucien Favre das Auswechslungs-Sonderkontingent von fünf Spielern aus, sogar der alte Marcel Schmelzer durfte noch ein paar Minuten mitmachen - doch Mario Götze nicht. Er blieb auf der Bank sitzen. Es passte zu einem Tag, an dem Sportdirektor Michael Zorc nüchtern kundtat, dass der Verein und Götze sich zum Saisonende trennen würden. Der BVB braucht ihn nicht mehr. Götze ist 27 Jahre alt.

Vielleicht hat er sein letztes Spiel in Deutschland vor Zuschauern schon hinter sich. In der Bundesliga bleibt wenig an Optionen, wenn man für die beiden größten Klubs gespielt und sich nicht eingestehen will, dass es für höchste Ansprüche nicht mehr reicht. Hertha "Neureich" BSC könnte noch einen Ausweg bieten, ansonsten wird Götze sich international orientieren müssen. Zu Inter Miami etwa, dem Investment von David Beckham. Einen Namen hat Mario Götze ja: WM-Siegtorschütze 2014. Der junge Mann, dem Bundestrainer Joachim Löw ins Ohr flüsterte: "Zeig der Welt, dass du besser bist als Messi."

Den Anschluss an die Weltspitze hatte Götze da schon verloren. Der Wechsel 2013 von Dortmund zum FC Bayern war der große Fehler seiner Karriere. Der neue Trainer Pep Guardiola hätte lieber Neymar gehabt, doch Götze war das Prestigeobjekt der Vereinsführung gewesen. Uli Hoeneß, damals Präsident, hatte das auch angekündigt: Man werde bereit sein, "wenn es die Chance gibt, diesen sympathischen Spieler zu verpflichten". In München versauerte Götze drei Jahre lang, mit der Rückkehr 2016 nach Dortmund versuchte er zu reparieren, was längst nicht mehr zu richten war - weder emotional noch fußballerisch. Stillschweigend wurde er auch zum Ex-Nationalspieler, sein letztes Länderspiel liegt inzwischen zweieinhalb Jahre zurück.

Aus dem 18-Jährigen, der alle ins Leere laufen lassen und mit einer Idee ein Spiel verändern konnte, wurde ein 27-Jähriger mit einer Leidensgeschichte: Erst eine Schambeinentzündung, später eine Stoffwechselerkrankung, die seine Gewichtszunahme und nachlassenden Antritt erklärte. Im Hochgeschwindigkeitsfußball, der sich in wenigen Jahren entwickelt hat, wirkt Götze fremd. Es findet sich keine Position mehr für ihn, auch als Sechser funktioniert er nicht. Das andere Problem: Umgang mit seiner Rolle als potenziell weltbester Spieler. Zu viel Bling-Bling, Markenbildung, Pseudo-Privates ("Part of Götze"), schließlich auch Beraterwechsel, die ihn sportlich nicht voranbrachten.

Michael Zorc sagt begütigend zum nahen Ende der zweiten Götze-Zeit in Dortmund, "dass Mario noch eine wichtige Rolle spielen wird". Was man halt so sagt aus Höflichkeit. GÜNTER KLEIN

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