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Maximilian Schachmann gehört beim Straßenrennen, einer der ersten olympischen Entscheidungen am Samstag, zum Kreis der Mitfavoriten.

Gleich am ersten Tag gefordert

  • VonDPA
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Seit 21 Jahren hat Deutschland im olympischen Straßenradrennen keine Medaille mehr geholt. Maximilian Schachmann will dies ändern und hat dafür viele Opfer gebracht. Als die Tour de France in die entscheidende Woche ging, saß er schon in Tokio auf dem Rad.

Wenn Maximilian Schachmann aus dem Hotelzimmer fernab des Olympia-Trubels in Tokio blickt, sieht er die beeindruckende Skyline des Fuji. So hat die deutsche Medaillenhoffnung jeden Morgen nach dem Aufstehen das große Ziel gleich vor Augen. Denn auf dem mit 3776 Metern höchsten Berg Japans entscheidet sich am Samstag im Straßenradrennen für den deutschen Meister, ob sich all die Mühen im Vorfeld der Olympischen Spiele gelohnt haben.

»Ich bin ganz sicher nicht der Topfavorit, aber auch nicht völlig chancenlos. Ich gehe ambitioniert in das Rennen und werde alles geben«, sagt Schachmann im Interview der Deutschen Presse-Agentur. Geht es nach den Watt-Zahlen und dem eigenen Körpergefühl, sei die Form »ganz okay«.

Damit es mit der ersten deutschen Medaille im olympischen Straßenrennen seit Jan Ullrich und Andreas Klöden bei den Spielen in Sydney 2000 (Gold und Bronze) klappt, hat Schachmann einiges getan. Nach seinem Triumph bei den deutschen Meisterschaften ging es nicht zur Tour de France, sondern ins Höhentrainingslager in die Sierra Nevada. Und als Tadej Pogacar noch in den Pyrenäen um seinen zweiten Tour-Sieg kämpfte, saß Schachmann schon in Tokio auf dem Rad.

Die Tour findet jedes Jahr statt, Olympia nur alle vier Jahre. Die Sommerspiele seien »ein Karriereziel für die meisten Sportler«, sagte der Berliner, der erstmals im Zeichen der fünf Ringe startet. Und schließlich sind Eintagesrennen seine Spezialität, Schachmann hat sich in den letzten Jahren bei den schweren Klassikern einen Namen gemacht.

Schwer wird es auch dieses Mal mit fast 5000 Höhenmetern auf dem 234 Kilometer langen Kurs. Vor allem der Anstieg zum Mikuni-Pass sei extrem steil. Deshalb seien die Bergfahrer wie Pogacar im Vorteil. Schachmanns Favorit ist Belgiens Wunderkind Remco Evenepoel, das ebenfalls bei der Tour nicht dabei war.

Bundestrainer Jens Zemke hat seinen Schützling aber trotzdem auf der Rechnung. »Wenn er einen guten Tag erwischt, traue ich ihm sehr viel zu. Er ist sehr fokussiert«, sagte Zemke. Ähnlich sieht es Simon Geschke, der direkt nach der Tour in den Flieger nach Japan gestiegen ist: »Er hat in der Vergangenheit gezeigt, dass er bei den großen Eintagesrennen vorne mitmischen kann, bei Lüttich, beim Amstel, bei der WM. Er wird bei Olympia vorne mitfahren können.«

Mit einem Vier-Mann-Team geht die deutsche Auswahl, die nicht im olympischen Dorf, sondern fernab an der Strecke untergebracht ist, an den Start. Neben Schachmann ist Kletterspezialist Emanuel Buchmann der zweite Trumpf. Geschke und Nikias Arndt sind als Helfer gefragt.

Für das große Ziel Olympia in Tokio lässt Schachmann auch die vielen Einschränkungen in Japan über sich ergehen. Das seien halt die Vorgaben, dass die Spiele überhaupt stattfinden können. Auch dass keine Zuschauer am Straßenrand stehen werden, sei ein Preis, der zu zahlen sei. Gleichwohl weiß auch Schachmann, dass es »sicher nicht möglich sein wird, dass so Olympia-Feeling aufkommt«. Reicht es am Ende nach der Tortur am Fuji für eine Medaille, ist auch das zu verschmerzen.

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