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Der Gladbacher Jonas Hofmann trifft zum 2:0 gegen Bochum, Schlussmann Manuel Riemann ist machtlos.

Sonntagsspiel

Gladbach am Ende etwas nachlässig

Der SC Freiburg marschiert weiter durch die Bundesliga. Gegen Greuther Fürth bestrafen die Badener jeden gegnerischen Fehler. Das bevorstehende »Spitzenspiel« in München soll nicht ihr letztes in dieser Saison werden.

(dpa). Abgekämpft und erleichtert traten die Pokal-Helden den Gang vor die Nordkurve an und feierten das Ende einer intensiven Woche. Nach dem furiosen Pokalsieg gegen den FC Bayern am Mittwoch erfüllte Borussia Mönchengladbach in der Fußball-Bundesliga vier Tage später die Pflicht. Beim 2:1 (2:0) gegen den VfL Bochum musste das Team von Trainer Adi Hütter am Sonntag in der Schlussphase aber unnötig zittern.

So richtig zufrieden waren die Gladbacher deshalb nicht. »Wir haben es nicht geschafft, den Sack zuzumachen und 3:0 in Führung zu gehen. Wir müssen froh sein, dass wir gewonnen haben«, sagte Trainer Adi Hütter bei DAZN. Nationalspieler Matthias Ginter meinte: »Wenn wir am Ende zu Null gespielt hätten, wäre ich glücklicher.«

Alassane Plea (12.) und Jonas Hofmann (40.) hatten die Tore vor 42 361 Zuschauern geschossen, weitere Chancen in der zweiten Halbzeit blieben ungenutzt. Der eingewechselte Danny Blum machte es mit einem tollen direkt verwandelten Freistoß (86.) noch einmal spannend. »Das war ein Stück zu spät«, sagte Bochums Anthony Losilla.

Wenn Gladbach-Keeper Yann Sommer in seinem 300. Bundesligaspiel kurz vor dem Abpfiff nicht seine ganze Klasse gegen Milos Pantovic gezeigt hätte, wäre der vierte Bundesliga-Sieg der Saison aber futsch gewesen. »Wenn man sieht, dass man mit der letzten Aktion eine sehr, sehr gute Torchance hat, dann ist das sehr ärgerlich. Mit der Art und Weise, wie die Mannschaft aufgetreten ist, bin ich zufrieden. Nicht aber mit dem Ergebnis«, sagte Bochums Trainer Thomas Reis.

Durch den letztendlich verdienten Sieg in einem lange einseitigen Spiel überholten die Gladbacher in der Tabelle nach zehn Spieltagen den rheinischen Rivalen 1. FC Köln und sprangen mit nun 14 Zählern auf Rang zehn. Der Aufsteiger aus Bochum bleibt mit zehn Punkten Tabellen-14.

Angesichts der jüngsten Negativerlebnisse in der Liga vor allem gegen vermeintlich schwächere Teams hatte Hütter sein Team in die Pflicht genommen und den Pokal-Coup zur Messlatte auch für die Liga erklärt. Tatsächlich verzichtete der Borussen-Coach nach dem 5:0 auch auf Rotation und ersetzte lediglich den verletzten Abwehrspieler Jordan Beyer etwas überraschend durch Angreifer Plea, der zuletzt vor sechs Wochen beim 0:1 beim FC Augsburg begonnen hatte und mit seinem zweiten Saisontor seinen Auftritt krönte.

Der Blick ging schnell nach vorne. »Angenehm« sei die Situation, in der der SC Freiburg am kommenden Wochenende beim FC Bayern antritt, sagte Coach Christian Streich. »Wir sind bereit«, betonte Sportvorstand Jochen Saier bei Sky mit einem Schmunzeln. Sollte in München tatsächlich gewonnen werden, werde er »ein noch breiteres Lächeln zeigen«, kündigte Torhüter Mark Flekken an.

Das Selbstvertrauen der Badener ist riesig. Und Aufsteiger Greuther Fürth, der am Samstag souverän mit 3:1 (2:0) bezwungen wurde, ist aktuell kein Gegner, mit dem sie sich allzu lange aufhalten. 22 Punkte hat der Sport-Club in dieser Saison schon gesammelt. Mit einem Sieg im direkten Duell in einer Woche würde der Tabellendritte mit Spitzenreiter und Rekordmeister Bayern gleichziehen. Und einen Vereinsrekord aufstellen. Bei zehn Bundesliga-Spielen ohne Niederlage nacheinander stehen die Freiburger derzeit - elf gab es noch nie. »Das ist eine besondere Situation für uns«, sagte Saier über den nicht enden wollenden Höhenflug seiner Mannschaft.

»Zieht den Bayern die Lederhosen aus!«, hatten die Fans nach Freiburgs erstem Liga-Erfolg im neuen Europa-Park Stadion am Samstag lautstark gesungen. »Nach so einem Sieg ist man natürlich total euphorisch«, sagte Torschütze Nicolas Höfler. »Aber wir wissen, wo wir hinfahren.« Es müsse schon »ganz viel passen«, damit der Wunsch der Anhänger nach den nächsten drei Punkten in Erfüllung gehen könne.

Aktuell passt bei den Breisgauern so gut wie alles. Als einziger Club im deutschen Profifußball haben sie diese Saison noch nicht verloren. Gegen Fürth traten sie wie ein echtes Top-Team auf, bestraften jeden Fehler des Gegners eiskalt, überstanden die wenigen Drangphasen des Tabellenletzten recht unbeschadet und spielten die Partie letztlich souverän herunter. Ein Eigentor von Simon Asta (20. Minute), ein Kopfball von Höfler (39.) und ein verwandelter Foulelfmeter von Vincenzo Grifo (79.) führten zum sechsten Liga-Sieg in dieser Saison.

Das Gegentor durch Jamie Leweling (74.) war erst das siebte für die Freiburger in der laufenden Spielzeit - das ist Bestwert in der Liga. Und auch ein Verdienst der eingespielten Abwehr um Philipp Lienhart und Nico Schlotterbeck. Genau wie Außenverteidiger Lukas Kübler war das Duo nach dem knappen Sieg im DFB-Pokal beim VfL Osnabrück unter der Woche angeschlagen. Doch alle gingen gegen Fürth bis an die Schmerzgrenze - auch Höfler, der gegen den Drittligisten ausgesetzt hatte.

»Wir mussten brutal an die Kante gehen«, sagte Trainer Streich über den Auftritt gegen Fürth. »Mit dem Fußballerischen, das wir in der zweiten Halbzeit geboten haben, wäre ich eigentlich nicht zufrieden«, betonte er. Mit Blick auf die Personalsituation war er es aber doch. Zumal die zweite Hälfte den Freiburgern ja auch eine erfreuliche Erkenntnis geliefert haben dürfte: Dass sie mittlerweile nämlich auch in der Lage sind, Spiele zu gewinnen, ohne großen Glanz zu versprühen.

Ganz im Stile der Bayern. Denen die so bescheidenen Badener, die weiter erstmal nur an den Klassenverbleib denken, aktuell näher sind als den fehlerhaften Fürthern. Er könne es mit Blick auf die Tabelle »nicht leugnen«, dass sie in München ein »Spitzenspiel« hätten, sagte Streich. »Mal schauen, wie viele Spitzenspiele wir danach noch haben werden in dieser Saison.« Treten die Freiburger weiter so stabil und selbstbewusst auf wie zuletzt, dürften noch einige dazukommen.

(sid). Der FC Augsburg hat in einem flotten Schwaben-Derby gegen den VfB Stuttgart seine Comeback-Qualitäten bewiesen und Trainer Markus Weinzierl Luft verschafft. Nach vier Spielen ohne Sieg gelang mit dem 4:1 (1:1) endlich der zweite Saisonsieg in der Fußball-Bundesliga - es kam am zehnten Spieltag einem Befreiungsschlag gleich. Zuvor hatte Augsburg in keinem Ligaspiel mehr als ein Tor erzielt. »Das entscheidende ist die Art und Weise, wie wir gespielt haben, und die Stimmung hier im Stadion«, sagte FCA-Manager Stefan Reuter bei DAZN: »Wir müssen das jetzt mitnehmen, wir dürfen keinen Millimeter zurückweichen.«

Chris Führich (7.) hatte die Stuttgarter mit seinem ersten Bundesligator in Führung gebracht. Doch zwei Eckbälle drehten das Spiel für die Weinzierl-Elf: Erst traf Reece Oxford (30.) zum Ausgleich, dann war Innenverteidiger-Kollege Jeffrey Gouweleeuw (53.) ebenfalls per Kopf erfolgreich. Joker Florian Niederlechner (72.) und Alfred Finnbogason (81.) machten dann alles klar.

(dpa). Für Eintracht Frankfurts Vorstandssprecher Axel Hellmann ist die Begründung von Nationalspieler Joshua Kimmich, sich bisher nicht gegen das Coronavirus impfen zu lassen, nicht plausibel. »Aktuell ist es so, dass wir in Joshua Kimmich jemand haben, der an der Impfkampagne teilnimmt, aber selbst nicht geimpft ist«, sagte der Funktionär des Fußball-Bundesligisten am Sonntag beim TV-Sender Bild. »Da müssen wir aufpassen, dass das, was wir vorleben wollen, nicht hinterher auf eine fehlende Glaubwürdigkeit zurückfällt.«

Bayern Münchens Mittelfeldakteur hatte öffentlich eingeräumt, bislang nicht geimpft zu sein. Er habe persönlich noch ein paar Bedenken, gerade, was fehlende Langzeitstudien angehe, hatte Kimmich erklärt.

»Ich halte die Begründung für nicht gut und halte sie in der Öffentlichkeit so dargelegt nicht gut, weil die Befürchtung da ist, dass es sich viele zu eigen machen und sie reklamieren«, sagte Hellmann. »Das wirft kein gutes Licht auf ihn und die Fußballbranche.« Er würde sich von jedem Bundesligaprofi wünschen, dass er sich impfen lässt: »Das ist eine besondere Vorbildgruppe.«

Für ihn ist es fast paradox, dass Zuschauer zum Teil nur mit einem 2G-Status (Geimpft oder genesen) ins Stadion gelassen werden, für die Fußballprofis aber 3G-Regel (Geimpft, genesen oder getestet) gelte. »Wir haben in Deutschland die Situation, dass es staatlicherseits keine Impfpflicht gibt. Berufstätige müssen nicht angeben, ob sie geimpft sind oder nicht«, erklärte Hellmann. Als Club könne man sich nicht über die gesetzlichen Vorgaben hinwegsetzen. »Man kann von den Fußballclubs nicht erwarten, wozu der Staat nicht in der Lage war: Entscheidungen zur Impfpflicht zu treffen«, betonte er. »Es ist eine Situation, die unbefriedigend ist.«

Auch der ehemalige Fußball-Nationalspieler Paul Breitner hat Kimmichs Haltung scharf kritisiert. »Ich brauche mit niemandem darüber zu diskutieren, ob er sich impfen lassen soll oder nicht. Für mich gibt es nur die Richtung, sich impfen zu lassen. Und da geht es nicht um eine Vorbildfunktion, sondern es geht um den Einzelnen. Wenn er sich dagegen entscheidet, dann habe ich null Verständnis dafür«, sagte Breitner im »Sonntags-Stammtisch« des BR Fernsehen.

Die Debatte habe mit einer Vorbildfunktion »grundsätzlich überhaupt nichts zu tun, sondern es geht um ihn«, betonte der 70 Jahre alte frühere Führungsspieler des FC Bayern München.

Breitner halte es im konkreten Fall mit einer Aussage von Jürgen Klopp. Der Trainer des FC Liverpool hatte Anfang Oktober in der damals im englischen Fußball scharfen Debatte um ungeimpfte Profis sinngemäß gesagt, dass die Verweigerung einer Corona-Impfung wie Alkohol am Steuer sei.

»Er meinte damit und hätte vielleicht auch sagen können: Sich nicht impfen zu lassen, ist potenzielle, vorsätzliche Körperverletzung«, meinte Breitner, der in seiner Mannschaft ungeimpfte Spieler nicht einsetzen würde.

Freiburgs Vincenzo Grifo (M.) jubelt nach seinem Tor zum 3:1 mit Lucas Höler (l.), Kevin Schade (20) und Ermedin Demirovic (r.).

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