Mit der Gitarre ins Hotel

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(sid/dpa). Ein bisschen erinnerte die Szenerie an Jugendliche, die brav ins Schullandheim einziehen. Mit schweren Taschen bepackt und Schutzmasken im Gesicht trotteten die Profis des 1. FC Köln in ihr Quarantäne-Hotel in der Innenstadt. Toni Leistner rückte mit einem Geschicklichkeitsspiel unterm Arm ein, Brady Scott brachte seine Gitarre mit, und Thomas Kessler hatte die Playstation eingepackt. Schließlich gilt es, zehn Tage bis zum ersten Bundesligaspiel seit der Corona-Unterbrechung zu überbrücken - völlig abgeschottet von der Außenwelt.

"Mindestens die letzten sieben Tage vor Saisonbeginn", so sieht es das Hygienekonzept der Deutschen Fußball-Liga (DFL) für den Restart am 16. Mai vor, sollen "als Trainingslager in Quarantäne verbracht" werden. Heißt: Zum täglichen Training dürfen Spieler und Betreuer raus, danach geht es ohne Umwege mit dem Mannschaftsbus wieder zurück ins Hotel. Dort sind die Teams strengstens abgeschirmt, direkte Kontakte nach außen sind verboten - Familie und Freunde gibt es nur per Videocall zu sehen. Die Kölner hatten es am Donnerstagabend als erster Bundesligaklub vorgemacht, die Konkurrenten ziehen dieser Tage nach. So wird Rekordmeister Bayern München am Samstag ein Hotel in Unterschleißheim beziehen. "Von da an wird gewährleistet sein, dass die Mannschaft exklusiv mit dem Betreuerstab untereinander ist in dieser Quarantäne", sagte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge bei Sky. Am Donnerstag hatte Trainer Hansi Flick seinen Spielern freigegeben, damit diese nochmals einen Tag mit ihren Familien genießen konnten.

Noch strikter hält es Aufsteiger Union Berlin, der den Spitzenreiter aus München am 17. Mai (Sonntag) in der Hauptstadt empfängt. Statt in Berlin bereiten sich die Eisernen im 326 km entfernten Barsinghausen in Niedersachsen vor. Die Gefahr, dass Spieler für einen Abstecher nach Hause aus der Isolation ausbüxen, ist damit freilich minimiert.

RB Leipzig zieht die Quarantäne hingegen ab Samstag auf dem eigenen Vereinsgelände durch, gegen einen möglichen Lagerkoller sieht sich Trainer Julian Nagelsmann gut gerüstet. Stürmer Yussuf Poulsen habe "im Spielwarenladen um die Ecke" ein paar Spiele gekauft, dazu habe sich das Team "schnelleres Internet gewünscht", erzählte Nagelsmann und zeigte sich guter Dinge: "Ich habe keine große Sorge, dass wir in der Quarantäne alle durchdrehen."

Natürlich fordert die besondere Situation den Betroffenen aber viel ab. "Klar ist es für keinen angenehm, zehn, 14 Tage im Hotel zu sein, in einem kleinen Zimmer alleine zu leben", sagte der Kölner Vizekapitän Marco Höger dem "Express", jedoch sei dies "Meckern auf hohem Niveau". Eine Alternative gibt es sowieso nicht, schließlich sind Disziplin und die Befolgung der Hygieneregeln neben den engmaschigen Corona-Tests essenziell für das Gelingen des Konzepts. "Ich erwarte von jedem Einzelnen, dass er seiner Verantwortung gerecht wird", hatte DFL-Boss Christian Seifert eindringlich betont. Zwölf Infektionsfälle waren bei den Klubs der 1. und 2. Bundesliga in den ersten beiden Testwellen offenbar geworden. Und jeder weitere positive Fall brächte das fragile Konstrukt mehr in Gefahr.

Unterdessen meldete die "Bild"-Zeitung am Freitagabend, dass beim Torjubel zum Neustart der Saison nur "kurzer Ellenbogen- oder Fußkontakt" erlaubt sei. Gemeinsames Jubeln, Abklatschen und Umarmungen seien zu unterlassen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf ein internes Papier ("Covid-19 Organisations-Rundschreiben Sonderspielbetrieb") der DFL.

Das Einlaufen der Teams soll zeitversetzt stattfinden, schreibt die Zeitung. Bei den Spielen gebe es keine Einlaufkinder, keine Maskottchen, kein Handshake bei der Platzwahl und keine Team-Fotos.

In dem internen DFL-Papier werde weiter festgelegt, dass auf der Ersatzbank alle Personen eine Maske tragen müssen; nur jeder zweite oder dritte Platz solle besetzt werden. "Der Trainer darf den Nasen-Mund-Schutz zum Rufen von Anweisungen abnehmen, sofern er einen Mindestabstand von 1,50 Meter von allen anderen Personen einhält", zitiert die "Bild" aus dem Schreiben.

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