Der Münchner Felix Brych könnte womöglich demnächst auch ein Spiel des FC Bayern leiten. FOTO: DPA
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Der Münchner Felix Brych könnte womöglich demnächst auch ein Spiel des FC Bayern leiten. FOTO: DPA

Geo-Blocking antiquiert

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In Zeiten von Corona sind lange Reisen zu vermeiden. Sollten die Fußballer ins Stadion zurückkehren, spielt der Anfahrtsweg des Schiedsrichters zum Spielort für die DFL durchaus eine Rolle. Eine alte Regel gerät ins Wanken.

Die Deutsche Fußball-Liga sucht nach Wegen, einen Spielbetrieb aufzubauen, der zu den Vorgaben in der Corona-Zeit passt. Ein Punkt des DFL-Plans: Der Schiedsrichter, der ein Spiel pfeift, muss nun nicht mehr zwingend aus einem anderen Landesverband kommen als die beteiligten Mannschaften. Bis jetzt war es ja so, dass der Münchner Felix Brych oder Deniz Aytekin aus Mittelfranken keine Partien mit dem FC Bayern leiten durften. Eine Art Geo-Blocking für die Referees.

Alex Feuerherdt denkt, "dass Brych und Aytekin es insgeheim schon schade finden werden, dass sie die Bayern nicht pfeifen dürfen. Aber es wird über diese Thematik nicht groß gesprochen, so selbstverständlich unangetastet, wie sie seit Jahrzehnten ist." Feuerherdt ist Schiedsrichterausbilder, als Experte bei n-tv erklärt er, wie Schiedsrichterentscheidungen zustande kommen, welche Regeln ihnen zugrunde liegen. Die im Profifußball geltende regionale Einschränkung hält er für veraltet.

Zum einen: "Der Hintergrund ist wohl, dass davon ausgegangen wurde, dass ein Schiedsrichter eine ganz enge Bindung an die Mannschaften und Spieler hat, die aus der gleichen Region kommen." Feuerherdt zitiert aus einem Interview, das Sascha Stegemann, langjähriger Bundesliga-Schiedsrichter, gegeben hat: "Er sagt, dass man schaut, wie die Teams aus dem eigenen Verbandsgebiet spielen - doch es verliert sich, wenn man höherklassig pfeift."

Zweitens: Mit der bisherigen Regelung unterstellt der DFB seinen Schiedsrichtern im Grunde Befangenheit. Doch das steht im Widerspruch zur Professionalisierung des Schiedsrichterwesens. Das Honorar in der Bundesliga beträgt 5000 Euro für einen Einsatz, Schiedsrichter bereiten sich auf ihre Spiele vor, als wären sie Trainer, mit aller Akribie. Dann jemandem einen Vorteil zuschustern?

Eishockey als Paradebeispiel

Und schließlich: Andere Sportarten sind längst abgekommen vom Prinzip, dass der Schiedsrichter mit seinem Wohnort oder dem Verein, dem er angehört, Neutralität signalisieren müsse. Feuerherdts Paradebeispiel ist das olympische Eishockey-Finale von 2014. Kanada gegen Schweden, geleitet von drei Kanadiern und einem US-Amerikaner. Für die Schweden kein Problem. Alle wollten die besten Leute auf dem Eis haben. Nicht die Nationalität sollte über den Einsatz im wichtigsten Spiel entscheiden, sondern das Können.

Zurück zum Fußball: Dort wird es auf den Geisterspielrängen lautlos zugehen - auch das dürfte die Aussetzung der Sperrklausel erleichtern. Im nicht ganz hochklassigen Bereich funktioniert es schon, wie Feuerherdt erzählt. Im Westen wird die Regionalliga aus drei Landesverbänden gebildet: Westfalen, Mittel- und Niederrhein. Und wenn ein mittel- und ein niederrheinisches Team aufeinandertreffen, muss nicht zwangsläufig der Schiedsrichter aus Westfalen bestellt werden.

Gelegentlich ist es auch so, dass ein Schiedsrichter gar nicht in der Nähe des von ihm repräsentierten Vereins wohnt. Wie Tobias Stieler. Der lebt in Hamburg, pfeift aber für einen kleinen hessischen Verein, die SG Rosenhöhe Offenbach.

Was im Fall einer baldigen Bundesliga-Fortsetzung wohl auch kommen wird: Dass die Schiedsrichterassistenten aus der Nähe des Spielorts kommen. Ziel: Einschränkung der Reisetätigkeit. Alles ein bisschen anders demnächst. Womöglich ein Zukunftsmodell.

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