Mit Genuss und guten Erinnerungen

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(sid). Nach ihrem furiosen Sturmlauf zu Silber zauberte die Aussicht auf Südtirols Gaumenfreuden Denise Herrmann ein Lächeln ins Gesicht. "Es ist wichtig, dass man die Speicher wieder gut füllt, gut schläft, gut regeneriert - und gut isst. Wir sind in Italien, da gibt es schlimmere Orte, wo das Essen schlechter schmeckt", berichtete die 31-Jährige freudestrahlend von ihrem Programm am ersten Ruhetag der Biathlon-WM. Doch viel Zeit für den Genuss blieb gar nicht.

Mit ihrem zweiten Platz in der Verfolgung hatte Herrmann den Bann für die deutschen Biathleten in Antholz gebrochen und für die erste Medaille gesorgt - und schon im Einzel heute (14.15 Uhr/ZDF) geht die Oberwiesenthalerin wieder als Anwärterin auf Edelmetall ins Rennen. Dabei ist der Klassiker über 15 km eigentlich gar nicht auf Herrmann zugeschnitten.

Die ehemalige Langläuferin ist eine eher schwächere Schützin, auch in Antholz hatte sie schon arge Probleme offenbart - und im Einzel wird jeder Fehlschuss direkt mit einer Strafminute sanktioniert. Doch Mut macht die erfolgreiche Generalprobe. Beim Weltcup in Pokljuka traf Herrmann erstmals überhaupt alle 20 Scheiben und feierte überlegen ihren ersten Sieg im Einzel.

"Das war schön, das war eine gelungene Generalprobe", sagte die Sächsin, die in dem schießlastigen Wettbewerb auch Positives sieht: "Da kann man auch mal befreit laufen, das spielt dann nicht so eine große Rolle. Das ist mal eine andere Herangehensweise an einen Wettkampf."

Ohnehin fühlt sich Herrmann in Südtirol immer wohler. Seit Samstag unterstützt sie ihr Freund, der Langläufer Thomas Wick, vor Ort, aus der Heimat brachte er sogar die geliebten Eierlikörkrapfen mit. Und auch ihre schönen Erinnerungen an das Pustertal geben Kraft und Motivation.

Im nur wenige Kilometer von Antholz entfernten Toblach hatte Herrmann als Langläuferin vor sechs Jahren den zweiten Platz im Sprint gefeiert - besser war sie im Weltcup bei den Spezialisten nie klassiert. Also nutzte sie auch am Montag die Gelegenheit, um mal wieder auf ihren "alten Erfolgsstrecken" auf eine Klassik-Runde zu gehen, wie Herrmann erzählte: "Das gibt auch wieder Vertrauen, wenn man an Orte zurückkehrt, wo man gute Erlebnisse hatte."

Eben solche sammelt sie nun auch als Biathletin im malerischen Antholz. Bei Verfolgungs-Silber soll deshalb noch nicht Schluss sein - aber auch in ihre Teamkolleginnen hat Herrmann große Hoffnungen. "Alle sind richtig gut drauf", sagte sie und hoffte, dass der gebrochene Medaillen-Bann "dem ganzen Team einen Push gibt". Neben der "Frontfrau" schickt der Deutsche Skiverband (DSV) Franziska Preuß, Vanessa Hinz und Karolin Horchler in den Klassiker.

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