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Gemischte Gefühle

Julian Nagelsmann wird bei seiner Rückkehr nach Leipzig nichts überraschen, auch keine Pfiffe. Ein bisschen mehr Dankbarkeit aber würde sich der neue Trainer des FC Bayern vor dem Duell zweier Spitzenteams heute Abend schon erwarten.

Julian Nagelsmann (Bild) ist auf alles vorbereitet. Die meisten Spieler von RB Leipzig kennt er selbst ziemlich gut, und außerdem verfügt der FC Bayern ja über eine »Analyseabteilung, die in der Lage ist, den Gegner auseinanderzupflücken«. Es wird also sportlich nur wenig bis nichts geben, was Nagelsmann nicht schon weiß, wenn er nun am Samstag (18.30 Uhr/Sky) in der Fußball-Bundesliga als Trainer der Münchner zurückkehrt an seine alte Wirkungsstätte.

Der Empfang dort könnte ungemütlich werden, doch auch darauf hat sich Nagelsmann schon eingestellt. »Es können auch alle 34 000 pfeifen«, sagt er in Anspielung auf die Zahl der Zuschauer, die seiner Rückkehr beiwohnen dürfen, nein, »das wird meine Performance nicht beeinflussen«. Es ist auch so, dass Nagelsmann versichert: »Grundsätzlich« freue er sich sehr auf das Spiel, »ich hatte zwei tolle Jahre dort«.

Und doch ließ Nagelsmann am Freitag auch durchblicken, dass er gemischte Gefühle hat. Worte wie »Lügenbaron« las er nach dem Wechsel nach München erwartungsgemäß nicht so gerne über sich, und so wollte er mal klarstellen: Dayot Upamecano sei schon vor ihm zu den Bayern gegangen, für Marcel Sabitzer habe RB noch eine schöne Ablöse bekommen statt nichts. Und Mitarbeiter, die mit ihm nach München gingen, habe er ja auch nach Leipzig mitgebracht.

Also: »Ich habe den Verein nicht ausgebeutet«, betonte Nagelsmann. Okay, die Leute sollten ruhig pfeifen, wenn ihnen danach sei, ein bisschen Dankbarkeit oder zumindest Anerkennung fände er aber auch ganz schön. »Wir«, und da bezieht Nagelsmann seinen »Staff« mit ein, »wir haben in den zwei Jahren ja auch ein bisschen was erreicht, auch einen guten Geist in den Verein gebracht.« Und nein, er sei dort mitnichten nur am See gelegen.

Die Stimmung des Publikums wird wohl stark vom Ergebnis abhängen, und sollte Leipzig unter Nagelsmanns Nachfolger Jesse Marsch im vierten Saisonspiel bereits seine dritte Niederlage hinnehmen müssen, dürfte der Unmut erst recht groß sein. Leid täte es ihm nicht, stürzte er RB mit dem FC Bayern in eine kleine Krise, »Mitgefühl braucht keiner von mir«, sagt Nagelsmann. Leipzig, behauptet er, »wird auf jeden Fall in die Spur finden.«

Coman und Tolisso fehlen

Ohnehin hat Nagelsmann ja genug mit seiner Mannschaft zu tun. Drei Tage nach dem Spiel in Leipzig steht schon das Duell beim FC Barcelona zum Auftakt der Champions League an (Dienstag, 21 Uhr/Amazon), für den Trainer bedeutet das: Er muss sorgfältig abwägen, wie er sein Personal zum Einsatz bringt. Wer hält nur ein Spiel durch, wer beide? Wer beginnt in Leipzig, wer in Barcelona? Ausfallen am Samstag werden Kingsley Coman und Corentin Tolisso.

Ansonsten? Schaut’s gut aus, berichtete Nagelsmann, auch die verspätet von der Nationalmannschaft zurückgekehrten deutschen Spieler hätten positive Rückmeldungen gegeben. Heißt also: Auch Thomas Müller und Alphonso Davies sind einsatzbereit, gleiches gilt, wenn auch noch ein wenig eingeschränkt, auch für die zuletzt angeschlagenen Lucas Hernandez und Benjamin Pavard. Aber, nochmal: »Wir müssen da auch ein bisschen planen.« Grundsätzlich aber gilt: Nagelsmann ist gut vorbereitet. Auf alles. Selbstverständlich auch am Samstag. Er werde »alles wiedererkennen und alles wiederfinden« in Leipzig, sagte er lächelnd, er müsse halt nur »im Stadion in die andere Richtung abbiegen«. FOTO: IMAGO

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