Alexander Schmidt ist der Trainer von Türkgücü München. Der Drittliga-Aufsteiger hat zuletzt für reichlich Aufsehen gesorgt. FOTO: IMAGO
+
Alexander Schmidt ist der Trainer von Türkgücü München. Der Drittliga-Aufsteiger hat zuletzt für reichlich Aufsehen gesorgt. FOTO: IMAGO

Gekommen, um aufzusteigen

  • vonDPA
    schließen

(dpa). Ein Pokal-Halbfinalist mit brandneuem Stadion und der erste von Migranten gegründete Club im deutschen Profi-Fußball: Der 1. FC Saarbrücken und Türkgücü München sind alles andere als normale Aufsteiger in die 3. Liga, die am Freitag in die Saison startet. Bei ihren Saisonzielen geben sich beide Vereine bescheiden, doch langfristig will es sich niemand in der niedrigsten deutschen Profiliga gemütlich machen. Das gilt besonders für den schillernden Debütanten aus München.

Türkgücü, einst Startpunkt der Deutschland-Karriere von Ex-Nationalspieler Cacau, kickte 2018 noch in der Landesliga, stieg dann dreimal nacheinander auf. Dabei folgte der vom Unternehmer Hasan Kivran alimentierte Club stets demselben Muster: Nach jedem Aufstieg wurde die Mannschaft nahezu komplett ausgetauscht, auch für die Trainer bedeutete Erfolg nicht gleich eine Jobgarantie. Das erfuhr zuletzt Rainer Maurer, der durch Alexander Schmidt ersetzt wurde.

Gleich 16 neue Spieler wurden unter Vertrag genommen. Darunter Drittliga-Prominenz wie die Uerdinger Tom Boere und René Vollath, Duisburgs Petar Sliskovic oder Aaron Berzel von Lokalrivale 1860. "Unser Saisonziel ist es, nicht abzusteigen und sich in der 3. Liga zu etablieren", sagte Max Kothny, Student und mit 23 Jahren jüngster Geschäftsführer der Liga. Man gibt sich schwer durchschaubar, was bisweilen zum eigenwilligen Verhalten des Klubs passt.

Taktieren können sie bei Türkgücü. Als man lange ohne Heimspielstätte dastand, drohte man offen mit dem Umzug nach Nordrhein-Westfalen. Nun wird man wohl zwischen dem Stadion an der Grünwalder Straße und dem Olympiastadion pendeln, beim DFB wurde selbst die Arena in Würzburg als Spielort gemeldet. "Für mich spielt der Faktor, dass sie kein wirkliches Heimstadion haben, auch eine sportliche Rolle. Als Klub brauchst du ein Zuhause", sagte MagentaSport-Experte Rudi Bommer. Deshalb müsse Türkgücü "einfach nur schauen, dass sie drinbleiben".

Für bundesweite Aufmerksamkeit sorgte der Club dann am vergangenen Freitag, als man das DFB-Pokalspiel zwischen Schweinfurt und Schalke per einstweiliger Verfügung stoppte. Man sehe sich als bestes Team der Regionalliga Bayern auch als legitimer Pokalteilnehmer. Erstaunlich ist da nur, dass Türkgücü schon vor Wochen einem Deal mit dem Bayerischen Fußball-Verband zugestimmt haben soll, wonach man selbst zum Aufsteiger in die 3. Liga erklärt werde, dafür Schweinfurt im DFB-Pokal antreten dürfe. Kivran bestätigte die Absprache, wirft nun aber Schweinfurt Wortbruch vor.

Womöglich haben sie bei Türkgücü an Mitaufsteiger Saarbrücken gesehen, wie weit es im Pokal gehen kann. Der FCS schied erst im Halbfinale aus, nahm auf dem Weg Millionen ein. Die sollen nun helfen, die nächste Stufe zu zünden. Zudem kann man trotz Verzögerungen auf der Baustelle bereits am 26. September im neu gebauten Ludwigsparkstadion gegen Hansa Rostock spielen - vor mindestens 900 Zuschauern.

Das Gerüst der Mannschaft blieb zusammen, sodass Ex-Trainer Bommer Großes erwartet. "Saarbrücken wird eine starke Rolle spielen. Die marschieren seit letztem Jahr richtig gut", sagte der 63-Jährige. Trainer Lukas Kwasniok will den Spielstil der Mannschaft hin zu mehr Ballbesitz umstellen. Deshalb stapelt auch der 39-Jährige tief: "Unser primäres Ziel sollte es sein, in der Liga zu bleiben." Und ganz nebenbei für ordentliche Unterhaltung zu sorgen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare