Vor der beeindruckenden Kulisse der Zugspitze startet Karl Geiger in Garmisch-Partenkirchen im zweiten Durchgang eine Aufholjagd und hat in der Gesamtwertung der Vierschanzentournee weiter alle Chancen auf einen Triumph. FOTO: AFP
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Vor der beeindruckenden Kulisse der Zugspitze startet Karl Geiger in Garmisch-Partenkirchen im zweiten Durchgang eine Aufholjagd und hat in der Gesamtwertung der Vierschanzentournee weiter alle Chancen auf einen Triumph. FOTO: AFP

Geiger rettet Traum vom Sieg

  • vonSID
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Der Traum vom Tournee-Sieg lebt: Mit einem tollen zweiten Sprung rettet sich Karl Geiger beim Neujahrsspringen noch auf Platz fünf und kann in Innsbruck angreifen. Dawid Kubacki ist der Sieger in Garmisch.

Karl Geiger klatschte glücklich Beifall, als Ski-Idol Felix Neureuther dem polnischen Überflieger Dawid Kubacki die Siegertrophäe in die Hand drückte. Mit einer grandiosen Aufholjagd hatte der Skiflug-Weltmeister kurz zuvor einen nie mehr für möglich gehaltenen fünften Platz beim Neujahrsspringen gerettet und damit den Traum vom Sieg bei der Vierschanzentournee am Leben erhalten. "Dass es noch so weit nach vorne geht, das hätte ich nicht mehr gedacht", sagte Geiger nach dem unverhofften Happy-End eines schwierigen Tages in Garmisch-Partenkirchen.

Dass es für die deutschen Skispringer nichts mit dem Traumstart ins Jahr 2021 wurde, weil auch Markus Eisenbichler als Siebter die Podestchance verspielte; dass Geiger die Tournee-Führung mit nunmehr vier Punkten Rückstand an den diesmal zweitplatzierten Norweger Halvor Egner Granerud verlor - beides zu verschmerzen: Das deutsche Topduo reist mit allen Chancen auf den ersten Gesamtsieg seit 19 Jahren und großer Angriffslust zur dritten Tournee-Station nach Innsbruck.

"Die Pamperl da vorne werden wir schon noch zeigen, wo der Barthel den Most holt", sagte Eisenbichler, Fünfter in der Tournee-Wertung, in breitestem Bayrisch mit Blick auf den Bergisel, wo schon am Samstag die Qualifikation und am Sonntag der Wettkampf ansteht (beides 13.30 Uhr/ARD und Eurosport). Dort könnte es wie schon bei der WM 2019 zur großen "Geigenbichler"-Show kommen: Eisenbichler wurde damals Weltmeister, Geiger holte an einem traumhaften Tag Silber.

In Partenkirchen sah es am Freitag lange nach einem ganz üblen Nachmittag für Geiger aus. Drei Tage nach seinem großen Heimsieg in Oberstdorf hatte er nach dem ersten Durchgang bei ungünstigem Wind abgeschlagen auf Platz 14 gelegen, dann aber mit Wut im Bauch aufgedreht und starke 138,0 m von der Olympiaschanze ins Tal gezaubert. Letztlich fehlten ihm mit 259,9 Punkten ein halber Zähler oder umgerechnet 28 Zentimeter zum erneuten Podestplatz.

"Der Wettkampf war echt nicht ohne, eine schwierige Nummer", sagte Geiger, der nicht zu viele Gedanken an einen möglichen Tournee-Sieg verschwenden wollte: "In Bischofshofen wird’s entschieden. Ich will gar nicht darüber sprechen."

Kubacki sprang mit dem Schanzenrekord von 144,0 m im zweiten Durchgang noch ganz nach vorne (282,1 Punkte) und fing den führenden Granerud (274,9) noch ab. Platz drei und vier gingen durch Piotr Zyla und Kamil Stoch ebenfalls an die Polen, die sich bestens erholt von ihrem kurzzeitigen Corona-Ausschluss in Oberstdorf zeigten. Eisenbichler lag nach Durchgang eins noch auf Platz vier, konnte daran aber nicht anknüpfen.

"Die Polen hatten heute auch Glück mit den Verhältnissen", sagte Bundestrainer Stefan Horngacher über seine früheren Schützlinge: "Mit unserem Ergebnis bin ich sehr zufrieden. Karls zweiter Sprung war stark. Es ist aber zu früh, über die Gesamtwertung zu sprechen."

Lindvik muss passen

Auch wenn die DSV-Adler im zweiten Durchgang - Martin Hamann (11.), Pius Paschke (16.) und Richard Freitag (27.) kamen hinzu - mannschaftlich besser abschnitten als in Oberstdorf, setzte sich die längste deutsche Tournee-Durststrecke fort. Seit Hannawald am 1. Januar 2002 gab es keinen Heimsieg in Garmisch.

Anders als Granerud hatte sich ein anderer norwegischer Mitfavorit bereits an Silvester aus dem Rennen um den goldenen Adler verabschieden müssen: Marius Lindvik, der in Oberstdorf am vergangenen Dienstag Dritter geworden war, konnte wegen starker Zahnschmerzen nicht in Garmisch antreten und fällt nach einer Kiefer-OP auch in Innsbruck aus.

Bei der zweiten Tournee-Station gab es derweil einen weiteren positiven Corona-Test: Ein russischer Springer nahm drei weitere Teammitglieder mit in die Isolation.

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