Bundesliga am Sonntag

Geht Frankfurt die Luft aus?

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Im Kampf um einen Champions-League-Platz haben die Frankfurter durch das Heim-0:0 gegen Hertha BSC zwei wichtige Punkte liegen gelassen. Gehen der Eintracht am Ende der Saison die Kräfte aus?

Eine knappe halbe Stunde war gespielt am Samstag im Stadtwald, es lief nicht so wirklich rund und gerade hatte Martin Hinteregger mit einer ungeschickten und bei ihm selten gesehenen Aktion dem Gegner aus Berlin fast das 1:0 (durch Vedad Ibisevic) ermöglicht, da hat der Österreicher um ein Gespräch gebeten. Sozusagen von Mann zu Mann, und zwar mit sich selbst. "Hey Junge", hat er zu sich gesagt, "wer bist du? Spiel mal wieder einen ordentlichen Ball!" Der 26 Jahre alte Innenverteidiger, eigentlich ein Ausbund an Solidität und Gradlinigkeit, hat früh schon am eigenen Leib gespürt, was Trainer Adi Hütter viel später bei der Analyse so zusammenfasste: "Es hat vieles nicht gepasst." Einfache Ballverluste, viele leichte technische Fehler, kaum Kombinationen, und kaum einer konnte sich derlei Ungenauigkeiten schlüssig erklären.

An diesem 31. Spieltag und einem 0:0 gegen eine Berliner Mannschaft, die im fußballerischen Niemandsland agiert und zuletzt nicht gerade durch beeindruckende Siege auf sich aufmerksam gemacht hat, hat Eintracht Frankfurt eine prima Gelegenheit verpasst, den vierten Platz zu festigen, sich ein kleines Punktepolster anzufressen für die kommenden schweren Aufgaben.

Das torlose Remis war zweifelsohne ein Dämpfer, ein kleiner Stimmungskiller vor dem europäischen Auftritt an diesem Donnerstag gegen den FC Chelsea. Ein Erfolg gegen Hertha BSC war fest eingeplant gewesen, "ich habe einen Sieg erwartet", sagte Hütter, ähnlich wie vor zwei Wochen gegen den FC Augsburg: "Ein Punkt aus zwei Heimspielen in einer Phase, in der wir von der Champions League träumen, ist zu wenig", befand er enttäuscht, "das sind die Big Points, die wir herschenken."

Und weil die Eintracht vor Wochenfrist auch in Wolfsburg den Sieg in der Schlussminute aus der Hand gegeben hat, fehlen im Schlusssprint jetzt die entscheidenden Zähler. Und: Seit drei Spielen hat Eintracht Frankfurt in der Bundesliga nicht mehr gewonnen.

Den Frankfurtern droht tatsächlich auf der Zielgeraden, die Puste auszugehen, sie wirken lange nicht mehr so frisch und unbeschwert wie noch vor Wochen, eher ausgebrannt, abgespannt, aufgezehrt. Wobei das Problem weniger in der körperlichen Schlappheit liegt als im mentalen Bereich. Man kann der Mannschaft wahrlich nicht den erforderlichen Willen absprechen, an Einsatzbereitschaft oder an Physis mäkeln. "Die Müdigkeit war kein Faktor", sagte Hinteregger klipp und klar, auch in dieser Partie hat das Team wieder mehr intensive Läufe und Sprints angezogen als Hertha. "Man kann nicht sagen, sie wollten nicht, aber sie haben die falschen Mittel gewählt", fand Sportvorstand Fredi Bobic. Und: "Mehr war nicht drin."

Was zuletzt so einfach von der Hand ging, bereitet aktuell unendliche Mühe. Ein bisschen schwimmen der Eintracht gerade die Felle davon. Die Gefahr, von der Konkurrenz ein- und überholt zu werden, ist gewachsen. Natürlich stecken den Frankfurtern 45 Pflichtspiele in den Knochen, wirken Spieler wie etwa Danny da Costa oder Luka Jovic leer gespielt, mürbe und ausgepowert. "Luka hat schon leichter Fußball gespielt", urteilte Hütter über seinen besten Torschützen. Man müsse ihm "helfen und ihn unterstützen", sagte der Coach, er sei ja erst 21, immerhin habe er "sich reingekämpft". Fakt ist aber auch: Der Knipser (17 Tore) hatte keine auffällige Aktion in den 90 Minuten. Dazu kommt, dass eine Idee fehlte, wie den Berlinern beizukommen sei. Es wurde viel zu hektisch agiert, viel zu schnell versucht, den Ball in die Spitze zu spielen, und das meist mit langen Bällen. Diese Variante macht Sinn, wenn einer wie Sebastien Haller mitspielt, der im Zentrum die Bälle festmachen kann. Haller fehlt aber wegen einer mysteriösen, hartnäckigen Bauchmuskelverletzung bis auf Weiteres. Vom einst gefürchteten Pressing ist übrigens gar nichts mehr zu sehen.

Schließlich kamen auch die beiden Flügelspieler da Costa und Filip Kostic zu selten auf ihren Seiten gefährlich durch, auch fanden Sebastian Rode und Jonathan de Guzman, der für den leicht angeschlagenen Mijat Gacinovic spielte, nicht die nötigen Strippen, an denen sie hätten ziehen sollen. Die Folge: Die Eintracht vermochte kaum Druck auf das Berliner Tor zu entwickeln. Drei aussichtsreiche Möglichkeiten, die beste hatten Ante Rebic (32.) sowie Jonathan de Guzman (34. und 73.), sind auch nicht gerade beängstigend viel. Dazu gingen praktisch alle zweiten Bälle an die Hertha, Fehlpässe wurden am laufenden Band geschlagen, die Frankfurter Passquote betrug unter 70 Prozent – das ist ein ausgesprochen niedriger Wert, ungewöhnlich für eine Mannschaft wie die Eintracht, die oft genug spielerische Lösungen sucht und auch findet. "Ich hatte nie das Gefühl, dass wir das Spiel in der Hand halten", sagte Hütter. Tatsächlich war es der schlechteste Auftritt der Saison.

Julian Nagelsmann saß mit finsterer Miene bei der Pressekonferenz und war ausnahmsweise nicht zu Scherzen aufgelegt. Bruno Labbadia strahlte übers ganze Gesicht. "Das war ein geiler Sieg für uns, ein richtig geiler Sieg", sagte der Trainer des VfL Wolfsburg nach dem 4:1-Coup bei der TSG 1899 Hoffenheim. Im Kampf um die internationalen Plätze verpassten die Niedersachsen den Champions-League-Hoffnungen der Kraichgauer in der Fußball-Bundesliga einen herben Dämpfer.

Torhüter Oliver Baumann mit zwei bitteren Patzern und Andrej Kramaric mit einem verschossenen Elfmeter trugen maßgeblich zur Niederlage des Nagelsmann-Teams bei. Am Ende nahm Wolfsburg die Gastgeber förmlich auseinander. So lobte Labbadia seine Männer am Sonntag in den höchsten Tönen. "Alle Achtung! Uns haben fünf, sechs Stammspieler gefehlt. Das zeigt, was so alles geht, wenn eine Mannschaft zusammenhält. Der Glaube ist ein ganz wichtiger Punkt", meinte der VfL-Coach. Bis auf einen Punkt ist seine Mannschaft nun auf den Tabellensiebten Hoffenheim herangekommen.

Adam Szalai hatte die Kraichgauer vor 27 725 Zuschauern in der neunten Minute in Führung gebracht, William (42.) traf zum Ausgleich bei einem lange unterhaltsamen Schlagabtausch. Der Doppelpatzer von Baumann ermöglichte Wout Weghorst (69.) und Maximilian Arnold (85.) die entscheidenden Treffer. Weghorst beseitigte mit seinem zweiten Tor (88.) alle Zweifel am immerhin schon achten Auswärtssieg des VfL in dieser Saison. Die TSG musste im Saisonendspurt nach zuletzt vier Siegen hintereinander dagegen einen Rückschlag einstecken.

"Die 70 Minuten haben mir absolut nicht gefallen. Wir hatten defensiv absolut nicht die Gier und Bereitschaft", sagte Nagelsmann zum Spiel nach der starken Anfangsphase seiner Profis. Die hätten sich "nicht clever" angestellt. Der kroatische Vizeweltmeister Kramaric traf mit seinem Elfer nach Videobeweis den Pfosten (15.) und verpasste damit das 2:0 und sein 50. Erstliga-Tor für Hoffenheim.

Bartra verärgert: Der ehemalige Dortmunder Marc Bartra hat erschüttert auf ein geschmackloses Plakat Schalker Fans beim 176. Revierderby (2:4) reagiert. Darauf wurde Freiheit für Sergej W. gefordert, der im vergangenen Jahr zu 14 Jahren Haft wegen des Anschlags auf den BVB-Mannschaftsbus im April 2017 verurteilt worden war. "Nicht zu tolerieren, inakzeptabel und traurig. Ich hoffe, die zuständigen Behörden werden angemessen reagieren", twitterte Bartra, der bei dem Anschlag am Arm verletzt wurde: "Eine Sache ist die Rivalität im Fußball, eine andere Sache ist, Freiheit für jemanden zu fordern, der mit dem Leben von 28 Menschen gespielt hat."

Die erste ARD-Übertragung eines Bundesliga-Spiels am Samstagnachmittag parallel zu Sky war aus Sicht des Ersten ein Erfolg. "Das ist ein herausragendes Ergebnis", sagte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky zu der hohen TV-Quote: 5,38 Millionen Menschen sahen das Revier-Derby zwischen Dortmund und Schalke in der ARD live und sorgten für einen Marktanteil von 32,5 Prozent. Darüber hinaus schauten das Spiel noch 340 000 Sky-Kunden.

Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge wünscht sich eine Rückkehr von Xabi Alonso zum FC Bayern München. "Der beste Taktgeber, den wir im Mittelfeld in den letzten Jahren hatten, war Xabi Alonso. Nicht der Schnellste, aber der klügste und beste Stratege, den ich je bei uns im Mittelfeld gesehen habe. Ein wunderbarer Spieler, der vier Sprachen spricht, Deutsch fließend. Eine Persönlichkeit, ein Typ", sagte Rummenigge im Interview der "Bild am Sonntag". "Einer, von dem ich mir wünsche, dass er eines Tages zum FC Bayern zurückkehrt. Als Trainer." (sid/dpa)

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