Leon Draisaitl hofft auf eine Fortsetzung der NHL-Saison. F.: DPA
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Leon Draisaitl hofft auf eine Fortsetzung der NHL-Saison. F.: DPA

"So gut es geht fit bleiben"

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Der deutsche National-stürmer Leon Draisaitl führt die Scorer-Wertung der NHL an und zählt auch deswegen zu den besten Eishockey-Spielern der Welt. Kommt es aufgrund der Coronavirus-Krise zum Saisonabbruch, wäre es für den gebürtigen Kölner besonders bitter.

Leon Draisaitl bringt auch der mögliche Saisonabbruch in der NHL nicht aus der Ruhe. Als erster deutscher Eishockey-Profi ist der Stürmer der Edmonton Oilers auf dem besten Wege, Topscorer der stärksten Liga der Welt zu werden. Dass ihm das Coronavirus die Chance womöglich verbaut, nimmt Leon Draisaitl gelassen. Im Interview spricht der 24-jährige Kölner über sein Training, seinen Hund Bowie und Spiele ohne Zuschauer.

Wie geht es Ihnen?

Gut soweit. Meine Familie, ich - wir sind alle gesund. Das ist natürlich das Wichtigste. Aber natürlich wird es langsam auch ein bisschen langweilig, aber so geht es ja jedem.

Was fehlt Ihnen denn momentan am meisten?

Mein Job einfach, das Eishockeyspielen, das fehlt mir am meisten.

Wie sehen Ihre Tage jetzt aus?

Es gibt keinen komplett festen Tagesablauf. Ich stehe auf, gehe mit meinem Hund spazieren, dann trainiere ich zu Hause. Ich habe zu Hause im Keller einen Kraftraum. Dann wird eigentlich relativ wenig gemacht den Rest des Tages.

Wie ist denn die Corona-Lage in Edmonton und welche Regeln gibt es?

Ich glaube, das ist relativ ähnlich wie in Deutschland. Restaurants und solche Sachen sind nicht mehr richtig geöffnet, man kann nur noch bestellen und abholen, das war es. Auch hier probieren die Menschen, so gut es geht, drinnen zu bleiben. Ich gehe nur zum Supermarkt raus, zum Spazieren mit meinem Hund - und das war es auch schon.

Ist Ihr Hund Bowie der Einzige, der sich gerade freut, weil Sie so viel Zeit für ihn haben?

Ja, wahrscheinlich (lacht). Mein Hund ist der Einzige, dem das gerade hier gefällt. Mit einem Schläger spiele ich hier zu Hause auch manchmal um ihn herum. Wirkliches Training ist das nicht, aber das macht natürlich Spaß.

Mancher Tennisprofi in den USA hat einen eigenen Tennisplatz zur Verfügung. Gibt es eine Art Sondererlaubnis, dass Sie alleine in die Halle dürfen?

Nee, bei uns ist alles zu. Hier kommt keiner in die Halle rein. Wir sind auf uns alleingestellt. Ich fahre Fahrrad und mache Krafttraining. Ich probiere, kreativ zu bleiben. Ab und zu trainiere ich alleine, manchmal kriege ich ein Programm von meinem Athletiktrainer, das ist unterschiedlich. Ich probiere einfach, so gut es geht, fit zu bleiben.

Die Saison ist seit Mitte März unterbrochen. Wie sehr glauben Sie noch daran, dass die Saison fortgesetzt wird?

Wir alle hoffen natürlich, dass wir wieder zurückkommen und die Saison noch zu Ende bringen können. Aber ich glaube, niemand weiß wirklich, was der Plan gerade ist. Wir müssen abwarten und Daumen drücken, dass es irgendwie vielleicht noch klappt.

Es gibt auch die Idee, die Teams der verschiedenen großen Ligen in Nordamerika in Quarantäne zu stecken und in einer Stadt spielen zu lassen. Was halten Sie davon?

Es gibt mehrere Szenarien, die hier besprochen werden. Aber ich kann nicht sagen, was passieren wird. Und wenn es zu Spielen ohne Zuschauer kommt, dann ist es halt so. Aber eigentlich gehören die Fans halt einfach dazu. Das macht den Sport besonders.

Wie wird es sich anfühlen, irgendwann wieder den Schläger in die Hand zu nehmen?

Das wird schon ein komisches Gefühl sein, wenn es so kommen wird. Ich glaube, dass jeder Zeit brauchen wird, bis er wieder zurück bei seiner normalen Stärke oder Form ist.

Sie spielen eine überragende Saison, sind auf dem besten Wege, Topscorer zu werden, als erster Deutscher. Wie sehr würden Sie sich einer Chance beraubt sehen, wenn die Saison abgebrochen würde?

Das wäre natürlich schade. Aber es ist nicht so, dass mich das um den Schlaf bringt. Zurzeit gibt es einfach wichtigere Sachen. Natürlich wäre es schade, aber ich kann zurzeit nichts daran ändern.

Die letzten Tage wurden überschattet, Ihr Teamkollege Colby Cave ist mit nur 25 Jahren an einer Hirnblutung gestorben.

Das ist einfach traurig. Er war ein ganz, ganz feiner Kerl, ein feiner Junge, der jeden Tag mit einem Lachen in die Halle gekommen ist. Es gibt dafür keine richtigen Worte zurzeit.

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