Gegen Krisen-Schalker raus aus der Heimkrise

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In Sachen Corona-Regeln ist Adi Hütter äußerst aufmerksam, längst hat er sie komplett verinnerlicht, schließlich werden professionelle Fußballtrainer seit Wochen darauf getrimmt, sie auch ja exakt einzuhalten. Also schritt der Coach des Bundesligisten Eintracht Frankfurt auf der gestrigen Pressekonferenz vor dem heutigen Heimspiel seiner Mannschaft gegen Schalke 04 (18.30 Uhr/Dazn und Amazon Prime) gerade noch rechtzeitig ein, als sich der erste Regelverstoß anbahnte. "Nur gucken, nicht anfassen", rief er von seinem Podium in Richtung eines Reporters, der just in diesem Moment gewillt war, das an einer lange Stange befestigte Mikro für eine Frage mit der Hand näher an den eigenen Mund zu führen.

Adi Hütter war bei der ersten nicht digitalen Pressekonferenz in Corona-Zeiten ansonsten entspannt. Das hat natürlich vordringlich mit seiner Mannschaft zu tun, die sich zuletzt beim 4:1 in Berlin stark präsentierte und mit einer der besten Saisonleistungen den Klassenerhalt dingfest machte. Als Tabellen-10. besteht für die Eintracht bei fünf Zählern Rückstand auf die siebtplatzierte TSG Hoffenheim nun sogar noch die Möglichkeit, sich im Saisonendspurt auf den Qualifikationsrang zur Europa League zu spielen. Verrückt, wie auch Hütter gestern fand: "Vor zehn Tagen bekam ich noch die Frage gestellt, ob ich auch Abstiegskampf kann. Jetzt hat es sich gedreht." Wichtig sei gewesen, auch in schwächeren Phasen stets ruhig zu bleiben und Vertrauen in die Mannschaft zu haben.

Aber ist die Europa-League-Quali denn tatsächlich noch ein erreichbares Ziel für die Eintracht? Klar ist, dass dafür die Konkurrenten mehrfach patzen müssten und die Hessen ihrerseits dreimal dreifach punkten - erst gegen Schalke, dann in Köln und zuletzt gegen Paderborn. Unmöglich erscheint das alles nicht, schließlich bekommt es beispielsweise Hoffenheim am finalen Entscheidungstag in eineinhalb Wochen noch mit Dortmund zu tun oder der SC Freiburg am kommenden Samstag mit dem FC Bayern. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass selbst der Frankfurter Gegner aus Gelsenkirchen trotz seiner ernüchternden Ergebnisse in den vergangenen Wochen und Monaten rein rechnerisch minimal bessere Voraussetzungen für solch eine Aufholjagd besitzt, liegen die Sieglos-Schalker (seit 13 Partien ohne Dreier) doch immer noch einen Punkt und damit auch einen Platz vor der Eintracht. Zudem machte Frankfurt seit dem Neustart in der eigenen Arena keine gute Figur und holte nur einen von neun Punkten. "Wir waren lange die schwächste Auswärtsmannschaft. Jetzt haben wir auswärts dreimal in Folge gewonnen. Dafür stimmt es nun ergebnistechnisch bei den Heimspielen nicht mehr ganz", befand Hütter. "Das wollen wir gerne gegen Schalke ändern."

Seine Mannschaft, der ganze Verein spiele unglaublich gerne europäisch, sagte Hütter. Daher bezeichnete er es gar als "Pflicht", voll motiviert in die abschließenden Spiele zu gehen, und als "Wahnsinn", dies womöglich zu unterlassen. "Wir wollen das Bestmögliche herausholen, und das sind neun Punkte." Alles, was nach oben noch geht, sei dann "super". Und falls es - der wahrscheinlichere Verlauf - doch nicht mehr für Europa reichen sollte? "Dann werden wir versuchen, eine Mannschaft vorzubereiten, mit der wir es bald wieder schaffen können, international zu spielen", so der Coach.

Inwiefern Hütter gegen Schalke personell wieder rotieren wird, zuletzt in Berlin hatte er ja sieben Neue in seiner Startelf im Vergleich zum Pokalaus in München aufgeboten, ließ der Coach wie gewohnt offen. Nahezu sicher ist aber, dass der erfolgreichste Post-Corona-Pause-Stürmer der Liga, André Silva (sechs Treffer seit dem Restart), beginnen darf.

"Er hat unglaublich viel an sich gearbeitet", lobte Hütter seinen Knipser, der während der Zwangspause und auch danach in der "Kraftkammer" (Hütter) die Voraussetzungen für den derzeitigen Lauf geschaffen hatte. "Jetzt hat André natürlich auch das Momentum für sich." Das Selbstvertrauen also, das schwere Dinge leichter macht. Eine Doppelspitze mit Silva und Bas Dost mutet daher für das Duell gegen Schalke, das Hütter als "bissig und laufstark" bezeichnete, äußerst charmant an.

Ebenso wie die Aufbietung des neuerdings von seinem Trainer zum fußballspielenden Slalomspezialisten ernannten Daichi Kamada als Spielgestalter dahinter - so könnten sich die Gäste gewiss ganz manierlich mit Kurzschwüngen auswedeln lassen. "Er ist ein toller Spieler, der noch viel Entwicklungspotenzial besitzt", lobte Hütter den japanischen Techniker, der bei den Hessen (nur) einen Vertrag bis 2021 besitzt, so dass eine baldige Verlängerung empfehlenswert wäre. "Ich habe nicht mit ihm darüber gesprochen", sagte Trainer Hütter, dies sei schließlich die Aufgabe der Sportchefs Fredi Bobic und Bruno Hübner, "aber Daichi würde es sicher gut tun, hier in Frankfurt zu bleiben". Daniel Schmidt

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