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Denise Herrmann hat in dieser Saison Großes vor. Sie ist neben Franziska Preuß die deutsche Hoffnungsträgerin im Olympia-Winter.

Gedämpfte Erwartungen

Nach dem Rücktritt von Arnd Peiffer gehen die deutschen Biathlon- Männer mit Sorgen in die Olympia-Saison. Die Hoffnungen auf dem Weg nach Peking ruhen vor allem auf den Frauen um Denise Herrmann.

Erik Lesser spukt nach dem Rücktritt von Arnd Peiffer ein Horrorszenario im Kopf herum. Die letzten Jahre sei sein kongenialer Zimmerpartner »der einzige« gewesen, »der die Einzelmedaillen bei den Männern geholt hat«, erzählt der 33-Jährige vor dem Start der Olympia-Saison: »Deswegen könnte man jetzt sagen: Der Arnd ist nicht mehr dabei, deshalb wird es erst einmal keine Einzelmedaille mehr geben.«

In der Tat holte Peiffer im letzten Winter fünf der sechs deutschen Podestplätze, dazu das einzige Edelmetall der Biathleten bei der WM. Der zurückgetretene Erfolgsgarant habe »ein paar Sachen überdeckt, wo wir mit dem Team nicht mehr ganz so gut dastanden«, warnt Lesser: »Seine Erfolge werden fehlen, das gab ja auch immer ein bisschen Rückenwind.« Anders als den mit großen Hoffnungen startenden Frauen droht den deutschen Männern ohne ihr Aushängeschild der letzten Jahre ein trister Winter.

Und doch bleibt Bundestrainer Mark Kirchner ganz entspannt. »Man darf das nicht immer negativ sehen«, sagte der 51-Jährige vor dem Weltcup-Auftakt in Östersund mit dem Einzel am Samstag (15 Uhr) und dem Sprint am Sonntag (13.45 Uhr/jeweils ZDF und Eurosport): »Es wird immer so sein, dass es einen Generationswechsel gibt oder eine Ära endet. Der ein oder andere ist auch heiß, die Plätze dauerhaft auszufüllen. Von daher ist das für uns auch eine spannende Geschichte.« Mit Justus Strelow hat es ein frisches Gesicht ins Aufgebot geschafft, dazu wollen sich Roman Rees, Philipp Nawrath und Philipp Horn nach jahrelanger Pendelei zwischen A-Team und IBU-Cup im Weltcup festbeißen. Doch die Hauptverantwortung lastet auf den Routiniers Lesser und Benedikt Doll. Am Horizont wirft ohnehin bereits das Saisonhighlight Peking seine Schatten voraus. »Olympia ist das große Ziel«, betonte Bernd Eisenbichler, Sportchef des Deutschen Skiverbandes (DSV).

Die größten deutschen Hoffnungen tragen dabei Franziska Preuß und Denise Herrmann. Natürlich, sagte Preuß, »ist es mein Ziel, beim Höhepunkt den Schritt aufs Podium zu schaffen. Das ist auch mein Ansporn, meine Motivation.« Die abgelaufene Saison mit insgesamt 19 Top-Ten-Platzierungen habe ihr »gutgetan« und ordentlich Selbstvertrauen gegeben. Auch Herrmann hat nach durchwachsenem letzten Winter Großes vor. »Ich habe eine gute Basis, mit einem guten Schießen kann ich gute Rennen absolvieren«, sagt sie. Die ersten Rennen im November und Dezember, so auch die Östersund am Samstag im Einzel (11.45 Uhr) und am Sonntag im Sprint (11), seien sowieso »nur der Weg zum Ziel und Mittel zum Zweck« - um dann im Februar eben voll da zu sein.

Dabei spuckt allerdings auch das Schreck-Gespenst Corona weiter umher. Zwar sind 98 Prozent des Weltcup-Trosses geimpft oder genesen, das deutsche Team sogar komplett - doch die Ungewissheit bleibt. Das lässt sich allerdings auch über die Konkurrenzfähigkeit, insbesondere der deutschen Männer-Mannschaft, sagen.

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