Soll die Fußball-Bundesliga wieder starten? Heute entscheidet die Politik darüber, ob der Spielbetrieb möglicherweise Mitte Mai wiederaufgenommen werden kann. FOTO: DPA
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Soll die Fußball-Bundesliga wieder starten? Heute entscheidet die Politik darüber, ob der Spielbetrieb möglicherweise Mitte Mai wiederaufgenommen werden kann. FOTO: DPA

Ein ganz schmaler Grat

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Am Tag der Entscheidung hofft der deutsche Profi-Fußball auf das grüne Licht der Politik. Die negativen Begleiterscheinungen haben den Verantwortlichen zuletzt aber noch mal Sorgen bereitet.

Tag der Entscheidung, das Ziel ist greifbar: Trotz peinlicher Eigentore und positiver Corona-Fälle winkt dem deutschen Profi-Fußball in seinem Existenzkampf am Mittwoch die vorläufige Rettung. Wenn im Polit-Krimi nach zähem Ringen endlich die Erlaubnis für die Geisterspiele erteilt wird, darf die Milliardenbranche Bundesliga geschlossen aufatmen - auch wenn die Freude trügerisch ist und ein Spiel auf Bewährung bevorsteht.

Der "Maulkorberlass" der Deutschen Fußball-Liga (DFL) in Richtung Klubs, der Umgang des 1. FC Köln mit dem Interview des FC-Profis Birger Verstraete und das entlarvende Facebook-Video des Berliners Salomon Kalou haben gezeigt, wie schmal der Grat ist, auf dem der Fußball wandelt. Das Konzept habe zwar "Sinn und kann für andere Profisportbereiche auch ein Vorbild sein", sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im Deutschlandfunk über das DFL-Strategiepapier, er warnte aber eindringlich: "Natürlich muss es auch gelebt werden."

Obwohl die von Kalou veröffentlichten Bilder die Zweifel nähren, dass dies tatsächlich von allen Klubs und Profis so gehandhabt wird, dürfte sich an der grundsätzlichen Zustimmung aus Berlin (noch) nichts geändert haben. Mächtige Ministerpräsidenten wie Armin Laschet (Nordrhein-Westfalen/CDU) oder Markus Söder (Bayern/CSU) befürworten die Wiederaufnahme des Spielbetriebs Mitte Mai, Malu Dreyer (Rheinland-Pfalz/SPD) sprach am Montag (nach dem Wirbel um Salomon Kalou) in der ARD-Sendung "hart aber fair" zudem von einem "berechtigten Interesse" der Fußballer, "wieder spielen zu können".

Daher deutet alles darauf hin, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder den Weg tatsächlich frei machen werden. Zumal ja auch andere Bereiche wie Einzelhandel und Gastronomie auf die Lockerungen der Corona-Maßnahmen hoffen dürfen und die Bundesliga somit nur ein Teil von vielen wäre, die eines eint: die Wiederaufnahme des Betriebs ist überlebenswichtig.

Im Falle der Bundesliga stehen etwa 770 Millionen Euro und die Zukunft zahlreicher Vereine auf dem Spiel, 56 000 Arbeitsplätze sind damit direkt oder indirekt verknüpft. Auch deshalb hatte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert immer wieder betont, die Saison mit aller Macht zu Ende spielen zu wollen - bestenfalls sogar bis Ende Juni und natürlich ohne negative Auswirkungen auf das Gesundheitssystem.

"Es wird nicht der Fall sein", stellte Seifert in der "New York Times" klar, "dass auch nur eine Ärztin, ein Arzt, eine Krankenschwester oder ein Krankenpfleger nicht getestet werden kann, weil Fußballer getestet werden müssen." Rund 20 000 Tests werden wahrscheinlich bis zum Saisonende benötigt, die ersten Resultate waren zumindest für die DFL zufriedenstellend.

Dass zehn Infektionen (bei 1724 Tests, Ansteckungsrate 0,58 Prozent) aufgedeckt wurden, habe den "Zweck erfüllt, für zusätzliche Sicherheit zu sorgen und so die Spieler bestmöglich vor Ansteckung im Mannschaftstraining oder Spielbetrieb zu schützen", teilte die DFL am Montag mit. Am Dienstag folgte allerdings die Ankündigung des Zweitligisten Erzgebirge Aue, dass sich der gesamte Spielerkader samt Trainer- und Funktionsteam bis Donnerstag in häusliche Quarantäne begeben hat; dann soll es die dritte Testreihe geben.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) befürwortet ausdrücklich Quarantänemaßnahmen bei positiven Fällen. Er wolle "kein Fußball-Spielverderber sein, aber was für alle gilt, gilt auch für FußballProfis", hatte der zuständige Sportminister der "Bild am Sonntag" gesagt: "Es bestehen also Risiken für den Spielplan und die Tabelle."

Eine Gefahr für den Saisonablauf sieht Tim Meyer, Leiter der "Taskforce Sportmedizin/Sonderspielbetrieb" der DFL, vornehmlich durch das Fehlverhalten der Beteiligten. "Es ist umso wichtiger, dass alle extreme Disziplin wahren. Das gilt nicht nur auf dem Platz, sondern vor allen Dingen daneben und zu Hause", sagte Meyer bei Sport1: "Wenn diese Disziplin nicht eingehalten wird, dann kann das beste Konzept ins Wanken geraten." Und damit auch der Profi-Fußball, der sich auf einem schmalen Grat bewegt.

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