Als König verkleidet kommt Tyson Fury in den Ring. Seinen Kampf gegen Deontay Wilder gewinnt er souverän. FOTO: AFP
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Als König verkleidet kommt Tyson Fury in den Ring. Seinen Kampf gegen Deontay Wilder gewinnt er souverän. FOTO: AFP

Fury erklimmt den Thron

  • vonred Redaktion
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Nach den üblichen Höflichkeiten für Deontay Wilder schnappte sich Tyson Fury das Mikrofon. Da stand der neue Box-Weltmeister des Verbands WBC, breit grinsend nach seinem technischen K.o. in der siebten Runde im MGM Grand Hotel von Las Vegas vor 17 000 Fans und begann zwei Minuten lang Don McLeans "American Pie" zu singen. Und das gar nicht mal so schlecht für jemanden, der gerade den gefährlichsten Puncher der Schwergewichtsszene sieben Runden lang durch den Ring geprügelt hatte. "Ich bin nach Düsseldorf gekommen und habe Wladimir Klitschko geschlagen. Ich bin nach Los Angeles gekommen und habe Deontay Wilder besiegt. Und ich bin nach Las Vegas gekommen und habe es nochmal getan", sagte Fury, der sich beim Unentschieden vor 14 Monaten im ersten Kampf benachteiligt gefühlt hatte.

Diesmal ließ der 2,06-Meter große Mann aus Manchester nichts anbrennen. Er ging von der ersten Sekunde an gegen den heillos überforderten US-Amerikaner in die Offensive, der seine gefährliche Rechte - 42 K.o. bei 43 Siegen - nicht einmal im Ansatz anbringen konnte. Seine Ecke warf in der siebten Runde das Handtuch, als Wilder - seit einem Treffer aus der dritten Runde schwer gezeichnet - nur noch durch den Ring torkelte. Fury landete in sieben Runden 58 Powerschläge. Im Kampf davor waren es 38 in zwölf Runden. Der Wechsel von Defensivtrainer Ben Davison zum Offensivcoach Javon Sugarhill Steward machte sich bezahlt. "Es hat mich angepisst, dass ich ihn nicht schon in der zweiten Runde ausgeknockt habe", scherzte Fury, der genau das vor dem Kampf angekündigt hatte.

Er war als König verkleidet in den Ring gekommen, um den Thron des Schwergewichts wieder zu erklimmen, den er einst im November 2015 Klitschko entrissen hatte, ehe er dann in ein tiefes Loch fiel. Der 31-Jährige kämpfte gegen Depressionen, Angstzustände und eine bipolare Störung an. Wegen Drogenmissbrauchs durfte er zwei Jahre nicht Boxen. "Jesus hat mich aus der Dunkelheit geführt", erklärte Fury in der Nacht zu Sonntag. Ob mit oder ohne Gottes Beistand - das Comeback von Fury ist eines der beeindruckendsten der jüngeren Box-Geschichte.

Geschichte könnte Fury erneut schreiben, wenn er als nächstes gegen seinen Landsmann Anthony Joshua kämpft. Der 30-Jährige hält die Weltmeistergürtel der Verbände WBA, WBO, IBF und IBO. Der letzte unangefochtene Schwergewichtler war Lennox Lewis - das ist mehr als 20 Jahre her. Es wäre der größte Kampf seit Lewis gegen Mike Tyson im Jahr 1998. "Niemand braucht einen dritten, lasst uns direkt in den Sommer gehen", twitterte Eddie Hearn, Joshuas Promoter unmittelbar nach dem Kampf.

Gemeint ist ein drittes Aufeinandertreffen zwischen Wilder und Fury das vertraglich vereinbart ist. Innerhalb von 30 Tagen kann der US-Amerikaner ein Rematch verlangen. "Der beste Mann hat gewonnen. Ich hatte eine Menge Komplikationen, aber ich will keine Ausreden suchen", sagte Wilder. Timur Tinç

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