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Novak Djokovic gewinnt in Wimbledon zum sechsten Mal.

Für die Geschichtsbücher

Novak Djokovic hat in Wimbledon seinen 20. Grand-Slam-Titel gefeiert und mit den Rekordhaltern Roger Federer und Rafael Nadal gleichgezogen. Damit setzt er aber erst zum Griff nach den Sternen an.

Wie vom Blitz getroffen sank Novak Djokovic in diesem Moment für die Tennis-Geschichtsbücher auf den heiligen Rasen und streckte erleichtert alle Viere von sich. Auf seiner furiosen Rekordjagd hat der Serbe in Wimbledon einen historischen Meilenstein erreicht, mit seinem 20. Grand-Slam-Titel stürmte er auf die oberste Stufe der ewigen Bestenliste und zog mit seinen großen Rivalen Roger Federer und Rafael Nadal gleich. Und als er dem edlen Challenge Cup ein inniges Küsschen gab, nahm er auch den Golden Slam endgültig ins Visier.

»Die vergangenen zehn Jahre waren eine unglaubliche Reise, die hier nicht aufhört«, sagte Djokovic nach dem 6:7 (4:7), 6:4, 6:4, 6:3 gegen den Finaldebütanten Matteo Berrettini, der als erster Italiener überhaupt im Wimbledon-Endspiel stand: »Ein siebenjähriger Junge in Serbien hat einst mit improvisierten Materialien eine Wimbledon-Trophäe gebaut. Und jetzt steht er hier mit seinem sechsten Titel.«

Der Weltranglistenerste würdigte nach seinem dritten Sieg in Folge beim Rasen-Klassiker aber auch Federer und Nadal, die ihn auf seiner Rekordjagd antreiben. »Sie sind Legenden unseres Sports«, sagte der 34-Jährige: »Sie sind der Grund, warum ich überhaupt an diesem Punkt bin.« Und Federer gratulierte umgehend. »Ich bin stolz, in dieser speziellen Ära von Tennis-Champions spielen zu können«, twitterte der Schweizer: »Eine wundervolle Leistung, gut gemacht.«

Nach dem besten Saisonstart seit 52 Jahren scheint für Djokovic auf einmal sogar Unerreichbares greifbar nah. Seit der australischen Ikone Rod Laver 1969 war es keinem Spieler mehr gelungen, die ersten drei Major-Turniere eines Jahres für sich zu entscheiden. Mit einem Sieg bei den US Open kann Djokovic wie damals Laver den legendären Grand Slam perfekt machen. »Ich werde es versuchen. Ich bin in großartiger Form«, sagte er. Djokovic ist noch nicht sicher, ob er bei den Olympischen Spielen in Tokio auf die Jagd nach dem Golden Slam gehen will. »Im Moment bin ich ein bisschen zwiegespalten. Nach dem, was ich in den vergangenen paar Tagen gehört habe, ist es eine 50:50-Entscheidung.«

Die Erfahrung sprach in seinem 30. Major-Endspiel für Djokovic - und doch schien die Aussicht auf den historischen Titelgewinn selbst das Mental-Monster anfangs zu beeinflussen. Mit einem Doppelfehler startete der Topfavorit in sein siebtes Wimbledon-Endspiel, zwei weitere sollten schnell folgen. Aber sein Gegenüber war nicht weniger unsicher. Nur langsam schraubten beide Spieler vor 15 000 Zuschauern ihre Fehlerquote nach unten. Mit seinem krachenden Aufschlag und der starken Vorhand kam Berrettini immer besser ins Match - und drehte den ersten Satz damit noch nach 2:5-Rückstand.

An diesem geschichtsträchtigen Tag sorgten auch die Organisatoren in Wimbledon für ein Novum. Als erste Frau überhaupt leitete die kroatische Schiedsrichterin Marija Cicak das Herrenfinale. Und wie Herzogin Kate in der Royal Box sah sie, dass sich Djokovic vom Rückstand nicht beeindrucken ließ. Er legte zwei schnelle Breaks vor und wehrte diesmal auch das erneute Aufbäumen Berrettinis souverän ab. Und der Serbe bewies eindrucksvoll, warum er als bester Returnspieler der Welt gilt, Berrettini gab auch im dritten Satz früh den Aufschlag ab. Angefeuert von den Fans kämpfte Berrettini weiter unermüdlich, mit tollen Ballwechseln rissen die Kontrahenten das Publikum von den Sitzen. Doch Djokovic war nicht mehr zu schlagen.

Den Titel bei den Damen hatte am Samstag erstmals die Weltranglistenerste Ashleigh Barty geholt. Die 25-Jährige besiegte die Tschechin Karolina Pliskova 6:3, 6:7 (4:7), 3:6 und triumphierte als erste Australierin seit 1980.

Nastasja Schunk verliert das Finale

Nastasja Schunk aus Ludwigshafen hat den ersten Titel für eine deutsche Juniorin in Wimbledon seit 30 Jahren verpasst. Die 17-Jährige verlor im Endspiel am Sonntag in London in drei Sätzen 6:2, 4:6, 1:6 gegen die gleichaltrige Spanierin Ane Mintegi del Olmo. Für den einzigen deutschen Juniorinnen-Erfolg hatte vor 30 Jahren Damentennis-Chefin Barbara Rittner gesorgt.

Siegerin Ashleigh Barty küsst die Trophäe.

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