Traurig und enttäuscht: Leipzigs Yussuf Poulsen nach dem Halbfinal-Aus. FOTO: DPA
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Traurig und enttäuscht: Leipzigs Yussuf Poulsen nach dem Halbfinal-Aus. FOTO: DPA

Der Frust überwiegt

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Gegen die Topstars von Paris St. Germain bekommt RB Leipzig in der Champions League die Fußball-Grenzen aufgezeigt. Die Lehrstunde in Lissabon soll den Halbfinal-Neuling für die Zukunft aber noch stärker machen.

Mit Reisepass und Flugticket in der Hand schlenderte Julian Nagelsmann zum Teambus, wo er in der ersten Reihe entspannt die Beine ausstreckte. Ganz so unbeschwert war die Stimmung bei RB Leipzig aber nicht, als sich der Tross am Mittwochmorgen um 9.15 Uhr vom Palacio Estoril Hotel Richtung Flughafen in Lissabon aufmachte und dort rund eineinhalb Stunden später mit einer Chartermaschine gen Heimat abhob.

Neben dem Stolz über das Erreichte flog auch der Frust über die 0:3 (0:2)-Lehrstunde im Champions-League-Halbfinale gegen Paris St. Germain mit. Neymar, Kylian Mbappe und Co. hatten die jungen Leipziger "ohne ein Gramm Mitleid zusammengefaltet", wie die französische Sportzeitung "L’Equipe" treffend schrieb. "Aktuell überwiegt der Frust", gab Nagelsmann zu, "das muss auch so sein, um für die neuen Aufgaben wieder die notwendige Power zu sammeln." Denn RB will auf Europas größter Fußball-Bühne auch in Zukunft eine Hauptrolle spielen - und das Aus gegen PSG soll dabei helfen.

"Aus der Niederlage kann man unheimlich viel mitnehmen, und dann greifen wir in der neuen Champions-League-Saison wieder an", sagte Sportdirektor Markus Krösche. Auch Nagelsmann betonte: "Wir arbeiten daran, dass diese Übermacht in Zukunft etwas weniger wird."

Am Dienstagabend war PSG mit den Superstars Neymar und Mbappe nicht ohne Grund eine Nummer zu groß für den Halbfinal-Neuling. "Die beiden Stürmer von Paris kosten doppelt so viel wie unser ganzer Kader", verglich Nagelsmann. Und wenn diese "brutale Qualität mit dieser Mentalität zusammenkommt", so der 33-Jährige, "ist es schwer für uns, mitzuhalten." Ein Halbfinale in der Königsklasse zu spielen, sei zwar "echt geil", sagte Kapitän Yussuf Poulsen. Aber das klare Ergebnis sei "eine bittere Pille, die wir schlucken müssen". Nagelsmann forderte, man müsse jetzt "den Frust beiseite schieben und sich raffen". Er gab seinen Spielern eine Woche trainingsfrei, um die Gier "wieder zu wecken". In drei Wochen steht bereits das DFB-Pokalspiel bei Zweitligist 1. FC Nürnberg an, das sei "psychologisch nicht ganz einfach". Bis dahin soll im Idealfall auch ein Nachfolger für den zum FC Chelsea abgewanderten Torjäger Timo Werner gefunden sein. Nagelsmann wollte deshalb auch "keine Kritik" üben - ganz im Gegenteil. Er müsse "ein Kompliment für die Buben aussprechen, charakterlich haben sie es gut gemacht". Und es sei auch "nicht selbstverständlich", dass der erst 2009 gegründete Klub bei der zweiten Teilnahme an der Champions League "schon das Halbfinale erreicht". Auf dem Weg dorthin habe man "keine Freilose gehabt", betonte der RB-Coach, "wir haben Tottenham und Atletico ausgeschaltet." PSG zeigte Leipzig aber die Grenzen auf. Möglicherweise war auch der Matchplan, "Paris bewusst ein bisschen den Ball zu überlassen", nicht der richtige. Als verlorenes Taktik-Duell gegen PSG-Trainer Thomas Tuchel, unter dem er einst in Augsburg Spieler und Scout gewesen war, wollte Nagelsmann die klare Niederlage aber nicht betrachten. Das Finalturnier in Lissabon sei "kein Selbstfindungskurs", sagte er, "ich muss der Welt hier auch nichts beweisen".

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