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Böses Erwachen in der Nachspielzeit: Die Frankfurter Bas Dost (l.) und David Abraham sind nach der Niederlage in Lüttich restlos bedient.

Der Frust sitzt tief

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(dpa). Auf dem kurzen Nachtflug von Lüttich nach Frankfurt herrschte bei den Eintracht-Profis maximaler Frust. Zu leichtfertig hatten die Hessen den Matchball und das vorzeitige Ticket für die Europa League 2020 aus der Hand gegeben, zu schmerzhaft war der Last-Minute-K.-o. in der bitteren Kälte Belgiens. "Ich ärgere mich selten über ein Spiel so wie heute", sagte der bediente Frankfurter Trainer Adi Hütter nach dem enttäuschenden 1:2 bei Standard Lüttich.

Ärgern statt feiern: Zwischen diesen beiden Extremen lagen beim Halbfinalisten des Vorjahres diesmal nur wenige Augenblicke. Statt im November schon das Überwintern in allen drei Wettbewerben zu bejubeln, wird die Europa-League-Gruppenphase für die Eintracht nun zur Zitterpartie - und womöglich auch zu einem Rechenspiel. "Wir bleiben total optimistisch. Wir haben schon ganz andere Situationen in Europa gemeistert", betonte Sportdirektor Bruno Hübner. Die Siege über Benfica, Inter und Donezk aus der Vorsaison sollen in der kniffligen Situation zu einem mentalen Plus werden.

Während in der Bundesliga vor dem Verfolgerduell beim SC Freiburg am Sonntag (18.00 Uhr/Sky) und im DFB-Pokal alles in bester Ordnung ist, nervt die zweite internationale Niederlage die Eintracht massiv. "Natürlich sitzt der Frust sehr tief. Wenn du so eine unglückliche Niederlage hast, bleibt das schon ein wenig länger im Kopf", gestand Hübner ein. Ausgeschlossene Fans, der verpasste Siegtreffer durch Torschütze Filip Kostic sowie eine nicht gegebene Rote Karte für die Gastgeber: Die Liste der Eintracht-Ärgernisse war lang - und machte den Spielern fünf Tage nach der 5:1-Party gegen Bayern zu schaffen.

Hütter übte am Freitag heftige Kritik an Schiedsrichter Matej Jug. Der Referee aus Slowenien habe nach einem Foul an Sebastian Rode beim Stand von 1:1 eine "ganz schwere Fehlentscheidung" getroffen, die den Ausgang des Spiels maßgeblich beeinflusst habe, rügte der Österreicher. "Für mich ist das immer noch unerklärlich, dass der Spieler auf dem Platz bleiben durfte."

Der bereits verwarnte Kostas Laifis (69.) hatte Rode als letzter Mann unmittelbar an der Strafraumgrenze gefoult. Für Hütter hätte er dafür - wenn schon nicht Rot wegen Notbremse - zwingend eine Gelbe Karte sehen und damit des Feldes verwiesen werden müssen. Der Schiedsrichter hatte stattdessen Gojko Cimirot verwarnt. "Ich verstehe nicht, dass er das nicht richtig gesehen hat", sagte Hütter. "Deshalb bin ich ein Fan des Videobeweises."

Den gibt es in der Europa League aber nicht, weshalb es in der Gruppe F nun heißt: Fernduell mit Lüttich. Beide Teams haben sechs Punkte, der direkte Vergleich ist mit zwei 2:1-Erfolgen ausgeglichen, zudem haben die Rivalen jeweils eine Tordifferenz von minus zwei. "Die Ausgangsposition hat sich wieder stark verändert. Standard hat jetzt die Nase vorne, was wir uns selbst zuschreiben müssen", befand Hütter. Um aus eigener Kraft das Sechzehntelfinale zu erreichen, muss die Eintracht jetzt beide Spiele gewinnen. Und die nächste Aufgabe heißt: Auswärts bei Arsenal, erneut ohne die eigenen Fans, die nach Krawallen wieder gesperrt sind.

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