Gestoppt wird Leroy Sane (r.) in dieser Szene vom Schweizer Verteidiger Ricardo Rodriguez. FOTO: DPA
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Gestoppt wird Leroy Sane (r.) in dieser Szene vom Schweizer Verteidiger Ricardo Rodriguez. FOTO: DPA

Frühe Führung reicht nicht

  • vonred Redaktion
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Er sei ein großer Fan der Nations League, sagte Bundestrainer Joachim Löw vor ein paar Tagen, bevor die Länderspielsaison losging. Nett geschwindelt. Denn den Beweis, es in diesem erst in der zweiten Auflage ausgetragenen Wettbewerb der UEFA wirklich wissen zu wollen, lieferte die deutsche Fußball-Nationalmannschaft nicht ab. Dem 1:1 aus dem Auftaktmatch gegen Spanien ließ sie am Sonntagabend in Basel ein karges 1:1 folgen. Die Führung durch Ilkay Gündogan (14.) konnte sie nicht halten.

Was ein nicht alltägliches Aufstellungsdetail war: Der Gegner repräsentierte die deutsche Bundesliga besser, als die DFB-Elf es tat. Lediglich die Bayern Niklas Süle und Leroy Sané sowie der Mönchengladbacher Matthias Ginter spielen derzeit bei einem deutschen Klub. Stärker vertreten war die englische Premier League (Bernd Leno, Antonio Rüdiger, Ilkay Gündogan, Timo Werner), dazu die Paris-Fraktion (Julian Draxler, Thilo Kehrer) und Robin Gosens von Atalanta Bergamo, der nach seinem Debüt vom Donnerstag gegen Spanien gleich eine zweite Chance bekam. Bei der Schweizer Mannschaft standen sechs Bundesliga-Akteure in der Start-Elf. Bemerkenswert auch: Laut FIFA-Weltrangliste war die Schweiz der Favorit. Sie wird auf Platz zwölf notiert, drei Ränge über dem Team von Joachim Löw.

Aber natürlich geht eine deutsche Mannschaft in solch ein Spiel mit dem Anspruch, es zu bestimmen. Heimvorteil und das Handicap, auswärts antreten zu müssen, das gibt es alles nicht bei den Partien der Nations League, die auf Geheiß der UEFA ohne Zuschauer ausgetragen werden. Da vernimmt man dann das Rauschen des Verkehrs an der Baseler Stadtautobahn neben dem St. Jakobs-Park, die Stimmen von Spielern und Trainern und sogar das Klicken der Kameras, mit denen die Fotografen die besten Momente festhalten wollen.

Wie jener in der 14. Minute einer war: Der Führungstreffer für die Deutschen. Draxler, Kehrer, Ginter, Pass zu Gündogan, unspektakulärer, aber solider Flachschuss rechts unten ins Eck. Das Team wirkte eingespielt. Joachim Löw hatte zwar heftig geschimpft, dass er im Spiel nicht fünf, sondern nur dreimal wechseln dürfe, schickte dann aber eine gegenüber dem ersten Match kaum umgestellte Formation aufs Feld. Im Tor Bernd Leno für Kevin Trapp, auf der rechten Verteidigerposition Matthias Ginter statt Emre Can, das waren die Neuerungen. "Im Abschlusstraining hatten die Spieler vom Donnerstag erklärt, dass sie sich sicher fühlen. Das Eingespieltsein war letztlich wichtiger. Die Automatismen, die gegen Spanien funktioniert haben, klappen dann gegen die Schweiz vielleicht noch besser", sagte der Bundestrainer.

Die Schweizer ließen sich durch den Rückstand aber nicht beeindrucken und kamen zu eigenen Chancen. Haris Seferovic fand einige Male den Weg hinter die deutsche Drei-Mann-Abwehrreihe, Defensiv-Chef Niklas Süle schüttelte den Kopf in Richtung der Vorderleute. Ein von Ginter abgefälschter Seferovic-Schuss landete auf dem Tordach (35.), ein weiterer Schuss des jetzigen Benfica-Lissabon-Stürmers am Pfosten. Für den DFB hatte Julian Draxler eine Top-Chance (32.): Er nahm Timo Werners Vorlage direkt - schoss den Ball aber genauso direkt auf den Schweizer Torhüter Yann Sommer.

In die zweite Hälfte ging Löw mit dem Dortmunder Julian Brandt anstelle von Leroy Sané, den er nicht überlasten will nach der Kreuzband-Rekonvaleszenz. Und gerade, als die Mannschaft sich ein wenig hineinkombiniert hatte, fiel der Ausgleich. Die 58. Minute: Embolo konterte über links, unbehelligt konnte er in den DFB-Strafraum dribbeln und auf den mitgelaufenen Abwehrspieler Silvan Widmer passen. Gosens stand zu weit weg, da half die Grätsche nichts mehr. Süle, der sich in dieser Szene passiv verhalten hatte, wurde - aber nicht deswegen, sondern aus Gründen der Belastungssteuerung - durch Jonathan Tah ersetzt. Verletzungen lassen sich trotzdem nicht ausschließen - und dabei kam es zu einer verrückten Konstellation. Ginter (Gladbach, Deutschland) foulte Embolo (Gladbach, Schweiz), sodass der Vereinskollege nicht weiterspielen konnte. Wie Embolo wütend eine Wasserflasche auf den Boden donnerte, ließ erahnen: Es war keine Lappalie. In der Schlussphase hatte die Schweiz die besseren Szenen und war dem zweiten Tor näher. Deutschland im Glück.

Schweiz: Sommer (Mönchengladbach) - Widmer (Basel), Elvedi (Mönchengladbach), Akanji (Dortmund), Ricardo Rodriguez (FC Turin - 64. Zuber (Frankfurt)), Benito (Bordeaux) - Embolo (Gladbach - 72. Vargas (Augsburg)), Sow (Frankfurt - 80. Aebischer (Young Boys Bern)), Xhaka (Arsenal), Steffen (Wolfsburg) - Seferovic (Benfica Lissabon).

Deutschland: Leno (Arsenal/28 Jahre/7 Länderspiele) - Ginter (Gladbach/26/31), Süle (München/25/26 - 62. Tah (Leverkusen/24/10)), Rüdiger (Chelsea/27/32) - Kehrer (Paris/23/9), Gündogan (Manchester City/29/39), Kroos (Real Madrid/30/98), Gosens (Bergamo/26/2 - 78. Can (Dortmund/26/27)) - Draxler (Paris/26/53) - Sané (München/24/23 - 46. Brandt (Dortmund/24/32)), Werner (Chelsea/24/31).

Im Stenogramm: SR: Oliver (England). - Tore: 0:1 Gündogan (14.), 1:1 Widmer (58.). - Gelb: Steffen (2) / Süle (1), Draxler (1). GÜNTER KLEIN

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