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Frehse wehrt sich gegen Vorwürfe

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(sid). Psychoterror? Training trotz Schmerzen? Verantwortungsloser Umgang mit Medikamenten? Jetzt geht Gabriele Frehse in die Offensive. Die schweren Vorwürfe von Schwebebalken-Star Pauline Schäfer (23) und weiteren Athletinnen lässt die langjährige Kunstturn-Trainerin des Bundesstützpunktes Chemnitz nicht auf sich sitzen.

Es gebe in den Darstellungen der Sportlerinnen "viele Punkte", die unwahr oder haltlos seien, sagte die 60-Jährige, aktuell freigestellt von ihrer Arbeit, in einem anwaltlich abgestimmten Interview mit der "Sächsischen Zeitung". Unter anderem war sie einer permanenten mentalen Erniedrigung bezichtigt worden. Der Deutsche Turner-Bund (DTB) reagierte und gab bei einer Anwaltskanzlei eine unabhängige Untersuchung in Auftrag.

Frehse sagte, sie habe die "größte Hochachtung" für die Sportlerinnen, die einen anstrengenden Alltag hätten und oft schon mit zehn Jahren ihr Zuhause verlassen: "Aber dass man sich im Leistungssport eben quälen, auch mal schinden muss, ab und zu ein härteres Wort fällt, ist im Spitzensport so. Ich hatte aber zu keinem Zeitpunkt die Absicht, Turnerinnen durch meinen Ton zu verletzen."

Ausgangspunkt des Skandals war ein Bericht im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". In der jüngeren Vergangenheit waren schon in den USA, Großbritannien, Neuseeland, den Niederlanden sowie zuletzt in der Schweiz mehrfach Trainer von zumeist ehemaligen Aktiven beschuldigt worden, sie seelischer und verbaler Gewalt ausgesetzt zu haben. Schäfer hatte als prominenteste Sportlerin in besagtem Artikel auch berichtet, immer wieder "verletzende Sprüche wegen ihrer Figur, ihres Gewichts" von Frehse gehört zu haben, weitere Turnerinnen bekräftigten die Aussagen der Weltmeisterin von 2017. "Wir haben immer mit Ernährungsberatern zusammengearbeitet", entgegnete Frehse. Sie müssten "darauf achten, weil es gefährlich werden kann, wenn sie am Barren zu viel Gewicht haben, das Flugelement deswegen schiefgeht und sie sich dadurch verletzen".

Dem Vorwurf, sie habe ohne ärztliche Verordnung verschreibungspflichtige Medikamente an Athletinnen verabreicht, hielt Frehse entgegen: "Ich habe nie einer Turnerin ohne Absprache mit einem Arzt und/oder den Eltern ein Medikament gegeben." Das letzte Wort dürfte in der Causa noch nicht gesprochen sein.

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